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Erster Mai in Bonn: Frauen waren in Herzenssachen unterwegs

Erster Mai in Bonn : Frauen waren in Herzenssachen unterwegs

Im Schaltjahr stellen Frauen die bunt geschmückten Maibäume für die Männer. Wie das professionell organisiert wird, zeigte ein Gruppe aus 20 Mädels und zwei geduldigen Vätern.

21.45 Uhr in Bonn-Kessenich: Es wurde bereits dunkel in der Luisenstraße, als auf einmal das dumpfe, jedoch kaum zu überhörende Dröhnen lauter Musik die Ankunft einer Partygesellschaft ankündigte. Aus dem Lastwagen ragten sieben stattliche Baumkronen, drinnen sangen und tanzten 20 vitale Mädchen um die 20. Am Steuer saßen zwei geduldige Väter.

Die Gruppe um die 19-jährige Annika Lux war in wichtiger Mission unterwegs. Es galt zu beweisen, dass Frauen genauso gut Maibäume aufstellen können wie die Herren der Schöpfung, wenn nicht sogar noch besser, erzählte Lux. Der ganzen Aktion sei daher eine langwierige und akribische Planung vorausgegangen.

Die Idee entstand im Mai vergangenen Jahres. Im Februar gründeten die Frauen dann die für die Logistik zwingend notwendige WhatsApp-Gruppe. Der Lastwagen, das Werkzeug, die Musikanlage und selbst die beiden Väter seien auf diese Weise akquiriert worden, berichtete Lux.

Nichts wird dem Zufall überlassen

Echte Mai-Profis überlassen nichts dem Zufall: Am Samstagmorgen fuhren die Mädels vorsichtshalber die gesamte Strecke ab, um böse Überraschungen wie zum Beispiel Baustellen zu vermeiden. Um 12 Uhr ging es in den Wald, nach Siegburg. Eigenhändig schleppten die Frauen die Bäume zum Lastwagen. „Der Förster hat uns gelobt. Er meinte, dass wir viel schneller seien als die Männer“, sagte die sichtlich stolze Annika Lux.

Die Freundinnen, die allesamt ein pinkes Stirnband als Erkennungszeichen trugen, zogen den ersten Baum vom Lastwagen herunter, während verschiedenste Anweisungen wild durcheinander gerufen wurden. Wenige Minute später legten sie die Birke ab und schmückten sie mit dem obligatorischen Krepppapier. Dann ging es Richtung Hauswand.

Ein geeigneter Platz war schnell gefunden. Einige junge Frauen trugen Leitern heran, um den immerhin etwa neun Meter hohen Baum aufzurichten. Am Boden bildete sich ein Menschenknäuel. „Drei, zwei, eins, los!“, schallte es im Chor. Die Freundinnen hievten den Baum in die Höhe und stemmten ihn Richtung Hauswand. Einige pressten sich gegen den Stamm, andere schoben ihre Vorderfrau an – ein eindrucksvolles Spektakel, dass sich auch den schaulustigen Anwohnern bot, die mittlerweile aus ihren Häusern herausgeeilt waren.

Und dann, endlich: Der Baum stand. Die Frauengruppe jubelte. Mitstreiterin Gina kletterte auf die Leiter und fixierte den Stamm mit Draht. Dann erklomm auch Julia, die eigentliche Maibaumstellerin, die Sprossen und befestigte mit einem Akkuschrauber das Herz für ihren Freund.

Lastwagen mit Disco auf der Ladefläche

„Die Herzen haben wir alle selbst gemacht. Wir sind schließlich Frauen und geben uns Mühe“, berichtete die 20-jährige Diana. Nach gut einer halben Stunde war das Werk schließlich vollbracht und die Gruppe strömte zurück zum Lastwagen, dessen Ladefläche zur Disco umfunktioniert wurde – inklusive passender Beleuchtung und Partymusik.

Mittlerweile war es 22.30 Uhr und der Abend war noch lange nicht vorüber. „Wir haben noch sechs Bäume vor uns. Wahrscheinlich sind wir bis 6 oder 7 Uhr unterwegs“, mutmaßte Annika Lux, als auf einmal ein Wagen des Ordnungsamtes auf der Bildfläche erschien.

„Ist hier alles in Ordnung?“, fragte eine Beamtin aus dem Fahrzeug heraus. Einer der Väter nickte. Die Ordnungshüter fuhren weiter. Gleiches galt wenig später auch für die Gruppe von Annika Lux. Schließlich musste sie beweisen, was wahre „Girl Power“ bedeutet. „Wir konkurrieren ja mit unseren Männern“, betonte Lux. „Am Ende ist aber am Wichtigsten, dass wir eine ganz besondere Mainacht hatten.“

Die schönsten Maibäume im Schaltjahr