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Nahverkehr in Bonn: So erleben Bonner Busfahrer ihre Arbeit

Nahverkehr in Bonn : So erleben Bonner Busfahrer ihre Arbeit

Zwischen Verspätungen, Ängsten und Einsparungen: Zwei Bonner Busfahrer berichten über einen Job, der es in sich hat.

Über Busfahrer, die unfreundlich sind, schnell und ruckartig anfahren oder Hilfe verweigern, gibt es immer wieder Beschwerden. Wie der Alltag im Bonner Linienverkehr hinter dem Steuer aussieht, darüber hat der GA mit einem Fahrer gesprochen. „Sicherheit geht vor“, stellt Francisco Mendez klar. Das sei auch die Ansage der Stadtwerke Bonn (SWB), für die der gebürtige Spanier seit 31 Jahren Busse fährt. Aber jede Verzögerung geht von seiner Pause zwischen zwei Fahrten ab, in der er noch den Bus kontrollieren muss, ehe er auf die Toilette gehen oder etwas essen kann.

Besonders schlimm sei das auf der Linie 601 zwischen Tannenbusch und dem Uniklinikum auf dem Venusberg. Eine Testfahrt bestätigt das: Bei der Abfahrt in Tannenbusch-Mitte hat der Bus schon drei Minuten Verspätung, am Zentralen Busbahnhof sind es zehn. Im Nadelöhr Poppelsdorf kommen weitere Verzögerungen hinzu. Die durchgehende Verbindung zum Venusberg nutzt kaum einer der Fahrgäste. Die meisten steigen vorher aus.

Gleiches Bild aus der Gegenrichtung: Wer vom Venusberg kommt, steigt am Hauptbahnhof aus, die Linien 601 und 602 fahren fast leer Richtung Tannenbusch weiter. Die verspätungsanfällige, durchgehende Verbindung hält Mendez deshalb für überflüssig. „Die meisten Leute, die in Tannenbusch wohnen, steigen am Hauptbahnhof aus und fahren mit der Linie 63 weiter, weil das schneller geht“, sagt der 56-Jährige. Der Bus fährt gut 30, die Stadtbahn keine zehn Minuten.

Doch nicht nur der Fahrplan setzt die Fahrer unter Druck. „Das ist mittlerweile alles so stressig geworden“, sagt Mendez über das Busfahren in Bonn. Er würde sich längere Pausen wünschen. Fahrgäste, die zügig einsteigen und das Geld für das Ticketgeld schon in der Hand haben, wären ebenfalls eine Hilfe. Die Nachmittags- und Abendfahrten liegen Mendez nicht, lieber fährt er die Frühschichten, in denen Busfahrer nicht geschlagen, beleidigt oder bespuckt würden. Kollegen sei das schon passiert. Auch, dass man sie bestohlen habe. Mendez verlässt immer mit einem mulmigen Gefühl den Fahrersitz, um etwa an der hinteren Tür die Rampe für Rollstuhlfahrer auszuklappen.

Stress nimmt zu

Die Betriebsratsvorsitzende Monika Pohl bestätigt, dass manchmal nur wenige Minuten Pause zwischen den Fahrten bleiben. „Der tägliche Stress hat in den vergangenen Jahren eindeutig zugenommen“, sagt sie. Seit 2006 hat die SWB-Tochter Bus und Bahn nach eigenen Auskünften bei gleicher Dienstleistung acht Millionen Euro zwischen den Jahren 2008 und 2013 eingespart. Das ging nicht nur über die Ausdünnung der Mitarbeiterschaft vor allem im Fahrdienst. „Das war ein Veränderungsprozess, dem wir uns stellen mussten“, sagt Heinz Jürgen Reining, Geschäftsführer der SWB Bus und Bahn.

Ein ehemaliger Fahrer, der anonym bleiben möchte, sieht in dieser Entwicklung eine Verschlechterung. Er spricht über Ängste bei Nachtfahrten in bestimmten Stadtteilen, über teils verantwortungslos fahrende Kollegen und schwierige berufliche Bedingungen bei den Stadtwerken. „Die Struktur hat sich wirtschaftlich verändert.“ Und zwar nachteilig. Früher habe das Unternehmen bedarfsorientiert gearbeitet, jetzt werde viel eingespart. Auch bei der Ausbildung: „Junge Fahrer werden ins kalte Wasser geworfen, und der Markt gibt keine qualifizierten Fahrer mehr her.“ Ebenso gebe es hohen Nachholbedarf in Sachen Weiterbildung.

Anforderungen ändern sich

Die Leitstelle, die Busfahrer im Bedarfsfall kontaktieren können, habe früher 70 Mitarbeiter gehabt, heute seien es 30, sagt er. Laut SWB sei die moderne Technik der Hauptgrund für diesen Stellenabbau. Der Fahrer spricht von einem hohen Leistungsdruck, der auf den Fahrern laste, und das bei mäßiger Bezahlung. Das schrecke mögliche neue Fahrer ab. „Viele sagen: Für dieses Geld kann ich mich auch ans Fließband stellen.“ Ein angestellter Busfahrer startet heute mit einem Gehalt von 2300 Euro brutto in den Beruf. Das ist laut Pohl mehr als die meisten privaten Dienstleister zahlten, zu denen man in Konkurrenz stehe.

Dass die Anforderungen im Job sich verändert haben, räumen sowohl die Betriebsratsvorsitzende als auch Geschäftsführer Reining ein. Beide sagen aber, dass die Ruhezeiten gesetzlich vorgeschrieben seien und auch eingehalten würden. „Was die Ausbildung und die Arbeitszeiten angehr, „werden wir regelmäßig kontrolliert und halten uns penibel an die gesetzlichen Vorgaben“, so Heinz Jürgen Reining.

Aus seiner Sicht könne aus diesem Grund bei den Fahrern künftig nicht mehr eingespart werden: „Das Ende der Fahnenstange ist erreicht, wir haben auch die Pflicht, unsere Mitarbeiter zu schützen.“