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Podiumsdiskussion in Bonn: Träger des Alternativen Nobelpreises im Alten Rathaus

Podiumsdiskussion in Bonn : Träger des Alternativen Nobelpreises im Alten Rathaus

Ungewöhnliche Podiumsdiskussion mit außergewöhnlichen Gesprächspartnern: Glorene A. steht in Malaysia einem Menschenrechtsnetzwerk vor, Anwar Fazal engagiert sich im Verbraucherschutz.

Ganz unterschiedliche Wege führen zu gesellschaftlich relevantem Engagement. Zu dieser Überzeugung kam das Publikum einer Gesprächsrunde mit zwei Trägern des Alternativen Nobelpreises, die am Montagabend im Gobelin-Saal des Alten Rathauses stattfand. Der Malaysier Anwar Fazal fühlte sich nach dem exzellenten Schulabschluss benachteiligt, als er kein Uni-Stipendium erhielt. „Da wollte ich wissen, ob es noch mehr Ungerechtigkeiten gibt, und warum diese entstehen.“ Seit den 1970er-Jahren engagiert Fazal sich im Verbraucherschutz, etwa gegen Pestizide in Lebensmitteln.

„Ich hatte noch nie eine Vision“, sagte dagegen seine Landsfrau Glorene A. Das, die seit drei Jahren dem Menschenrechtsnetzwerk Tenaganita vorsteht. Nachdem sie ein Jahrzehnt in der Industrie tätig war, brachten Freunde Das mit Menschenrechtlern zusammen. Jeden Tag treffe sie Menschen, die zu Opfern wurden, die beraubt und ausgebeutet werden. „Damit ergibt sich die Notwendigkeit, etwas zu verändern. Und daraus entsteht eine Vision.“

Die Podiumsdiskussion war Teil eines fünftägigen Workshops am Right Livelihood Campus Bonn, in dem junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bis Donnerstag über Möglichkeiten zur Durchsetzung von Menschenrechten nachdenken. Da war es für sie von besonderem Interesse, von den Erfahrungen gestandener Aktivisten zu hören. Fazal etwa berichtete von irreführenden Produktetiketten für Kindernahrung in Malaysia. Statt der Landessprache hätten die Hersteller lateinische Vokabeln benutzt.

Die Unternehmen beriefen sich auf Landesgesetze. Das sei besonders perfide, da es die in Schwellen- und Entwicklungsländern häufig gar nicht gebe. Zwar waren sich die Diskutanten einig, dass nur eine Kooperation mit Unternehmen und den Staatsregierungen zu nachhaltigen Erfolgen führt. Andererseits zögen viele Unternehmen einfach weiter, sobald die Sozial- und Umweltstandards ihnen nicht behagten.

Wie viel noch zu tun ist, zeigte aktuell der Fall des dritten eingeladenen Preisträgers Raji Sourani. Dem Palästinenser war auf dem Weg nach Bonn die Ausreise aus dem Gaza-Streifen verwehrt worden. So konnte Moderatorin Mirjam Wakili von der Deutschen Welle nur Souranis emotionale Grußbotschaft verlesen.