Kölner Philharmonie Agnes Obel - Keine Kammermusik ohne Liebe

KÖLN · Dies sei kein klassisches Konzert, das Publikum dürfe sich ruhig bemerkbar machen, erklärt Agnes Obel zu Konzertbeginn. Offenbar ist die 33-jährige gebürtige Kopenhagenerin, die seit 2006 in Berlin lebt und als Musikerin arbeitet, besorgt, dass ein mächtiger Konzertflügel, Cello, Violine und Viola die gut 1500 Zuhörer in der nahezu ausverkauften Philharmonie in eine Art respektvolle Schockstarre versetzen würden.

 Seltene Magie: Agnes Obel in der Philharmonie.

Seltene Magie: Agnes Obel in der Philharmonie.

Foto: Thomas Brill

Dennoch ist ihr leicht moussierendes Pianospiel eher an Klassik als an Pop orientiert, es klingt mehr Erik Satie als Tori Amos durch. Richtig vervollständigt werden Kompositionen wie "Aventine", "Dorian" oder "Riverside" aber erst durch das Zusammenspiel mit Anne Müller (Cello, Elektroeffekte) und der belgischen Violinistin Sophie Bayet. Die Instrumente bilden unterschiedliche Klangschichten, die jedoch fließend ineinander übergehen.

Das tief gründelnde Cello, das gezupft auch rhythmische Akzente setzt, bildet die Basis. Im mittleren Segment trifft vielfach mehrstimmiger Gesang auf ein perlendes Piano, und über allem jubiliert eine Violine. Den Gesang von Obel, ein wenig elegisch, hätte man sich um des besseren Verständnisses willen gern etwas lauter gewünscht.

Man muss Agnes Obel als Komponistin klar hervorheben, aber letztlich ist das konzertante Ergebnis eindeutig ein Gemeinschaftswerk der drei Musikerinnen. Ihre moderne Kammermusik entwickelt eine seltene Magie, die darin begründet liegt, dass ihr Verständnis, Obel nennt es gar Liebe, füreinander weit über das rein Musikalische hinausgeht.

Die klangliche Harmonie ist in eine Intimität eingebettet, die fasziniert, stumm und ergriffen macht. Nach jedem Song scheint das Publikum aus einer Trance zu erwachen, in einem frenetischen Jubel zu explodieren. Dieses hoch komprimierte emotionale und musikalische Beisammensein wird unter männlichen Musikern höchst selten erreicht.

Lou Reed und John Cale haben es bei "Songs For Drella" ansatzweise geschafft. Vielleicht hat deshalb Agnes Obel Cales "I Keep A Close Watch" dann auch als Zugabe gespielt.

Zum Schluss hat sich ein zu Recht begeistertes Publikum nochmals mit einem frenetischen Schlussapplaus bemerkbar gemacht.

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