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Kritik an Walter Smerling: Wie das System Smerling funktioniert

Kritik an Walter Smerling : Wie das System Smerling funktioniert

Presseartikel kritisiert Berliner Engagement von Walter Smerling und seinem Bonner Verein „Stiftung für Kunst und Kultur“. Wie divers ist „Diversity United“?

Es gibt Presse, über die kann man sich nicht richtig freuen. Und so dürfte Walter Smerling, der unter anderem Kopf des Bonner Vereins Stiftung für Kunst und Kultur ist, in dieser Eigenschaft unter anderem das Bonner Münster mit moderner Kunst und die Stadt Bonn ebenfalls nicht unumstritten mit Skulpturen von Lüpertz bis Venet pflastert, kaum über die erste Feuilleton-Seite der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ begeistert sein. Dort erklärt Kulturchef Niklas Maak ausführlich, wie das „System Smerling“ funktioniert, warum es mit der Diversität in der Schau „Diversity United“ nicht weit her ist und warum die Berliner mit der „Kunsthalle Berlin“, die Smerling im Flughafen Tempelhof einrichten will, nicht glücklich sind.

So divers ist „Diversity United“ gar nicht

Suspekt ist Maak nicht nur die Smerling-Connection mit dem Berliner Immobilienentwickler Christoph Gröner, „Diversity United“-Hauptsponsor Lars Windhorst, Altkanzler Gerhard Schröder, Ex-„Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann, Ex-RWE-Boss Jürgen Großmann und anderen „alten weißen Männern“. Maak berichtet von der Eröffnung von „Diversity United“. Es sei „ein bisschen lustig“ gewesen, dass da „ein Dutzend nicht so ganz diverser älterer Herren vor den gräulichen Werken von Anselm Kiefer zusammenstanden“. Von der Qualität war Maak nicht eben angetan. Dass „eine Ausstellung mit dem Titel ‚Diversity United‘ einem rein männlichen, weißen, zwölfköpfigen Projektbeirat einsetzt und als Sponsoren Gestalten aufführt, die aus den Panama Papers bekannt sind – und dann bei einem Budget von einer Million alleine an öffentlichen Fördermitteln keine Honorare an Künstler gezahlt werden“, sei problematisch, zitiert Maak die Künstlerin Zoë Miller. 

Kunstmuseum Bonn als Durchlauferhitzer

Auch Bonn kam mit dem System in Berührung. So wurde zurecht die Anselm-Kiefer-Ausstellung in der Bundeskunsthalle kritisiert, in der Smerling ausschließlich Werke aus der Sammlung seines Freundes, des Bauunternehmers Hans Grothe gezeigt hatte. Dessen Sammlung war lange im Kunstmuseum Bonn beheimatet, das Grothe, so Maak, als „wertsteigernden Durchlauferhitzer missbraucht“ habe. Grothe verkaufte seine Werke an die Familie Ströher. Die Kunst kam schließlich im Museum Küppersmühle unter – wo Smerling auch Chef ist.

Auch wenn Smerling sein Skulpturenprojekt in Salzburg weiterstricke, käme immer wieder der „Old Boy‘s Club“ zum Zug. Das Bonner Projekt ist ein Ableger und der Bernar Venet, den Smerling auf dem Bonner Trajektkreisel zeigt, bekommt jetzt eine Ausstellung in der „Kunsthalle Berlin“. „So wird ein Kanon konstruiert, eine Monokultur, die mit ‚Diversity‘ nicht viel zu tun hat.“