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SGL Carbon erholt sich von der Krise

SGL Carbon erholt sich von der Krise

Das Bonner Zweig des Grafitspezialisten bekommt wieder mehr Aufträge. Der Standort sei trotz Wirtschaftskise "sicher", sagt der Leiter der Mehlemer Werke.

Bonn. Für Günter Piechowski ist das Jubiläumsjahr seines Werkes "kein leichtes Jahr".

"Wir hatten vor allem im Januar und Februar einen schwierigen Start. Aber mittlerweile gibt es einen ganz klaren Aufwärtstrend." Piechowski leitet das Bonner Werk der SGL Carbon in Mehlem, vielen Bonnern bekannt als "die Ringsdorffwerke".

Seit 100 Jahren sitzt der Grafitspezialist in Mehlem, 40 Standorte sind es mittlerweile weltweit Das Mehlemer Werk presst, verkokt und formt Grafit.

100 Jahre in Mehlem Die SGL Carbon in Mehlem ist auch bekannt als "die Ringsdorff-Werke". Der Essener Unternehmer Johannes P. Ringsdorff expandierte vor 100 Jahren nach Mehlem. Das Unternehmen stieg als Kohlebürsten-Anbieter auf, die für die Leitung von Strom nötig sind. (odb)Der Werkstoff hält nach seiner Verarbeitung Temperaturen von über 3 000 Grad aus. Die Endprodukte, zum Beispiel Heizelemente und Wärmeabschirmungen, benötigt etwa die Halbleiter- und Solarindustrie. Auch der aufstrebende Markt der Leuchtdioden-Hersteller (LED-Lampen) gehört zum Kundenstamm der Mehlemer.

Die rund 660 Bonner Angestellten, darunter 31 Auszubildende, haben die Wirtschaftskrise zu spüren bekommen. Zwischen Mai 2009 und März 2010 waren mehrere hundert Beschäftigte in Kurzarbeit.

Es habe aber in der Stammbelegschaft keine betriebsbedingten Kündigungen gegeben, so Piechowski.

Geschäftszahlen Im Bereich "Grafit Material & Systeme" sank sich der Umsatz im ersten Quartal um 15 Prozent auf 83,5 Millionen Euro. Der Umsatz der gesamten SGL Carbon lag mit 304 Millionen Euro drei Prozent über dem Vergleichsquartal 2009. Der Ebit lag bei 26 Millionen Euro. (odb)"Wir haben die Mitarbeiterzahl sowie die Ausbildungsquote von sieben bis acht Prozent konstant gehalten." Man habe allerdings im vergangenen Jahr etwa 20 befristete Verträge nicht verlängern können.

Dass es zum Stil des Unternehmens gehöre, seine Mitarbeiter zu halten, zeige sich auch in vielen Dienstjubiläen, so Piechowski. Die Führungskräfte seien oft Eigengewächse, viele Facharbeiter verbringen ihr ganzes Arbeitsleben in der Firma, so der Werksleiter, der selbst vor mehr als 20 Jahren als Personalreferent begann.

Ob die Krise wirklich vorbei ist, kann der Werksleiter aber noch nicht sagen. "Dieses Jahr ist ein Übergangsjahr. Es wird sich zeigen, ob das Geschäft stabil bleibt."

An der kürzlich im Handelsblatt berichteten Kooperation zwischen BMW und SGL Carbon nimmt das Mehlemer Werk allerdings nicht teil.

Die beiden Unternehmen entwickeln in einem US-Werk Autoteile aus Kohlefaser für Elektroautos. Kohlefaser ist deutlich leichter als Stahl und damit Energie sparender.

Der Bonner Standort sei trotzdem "sicher", sagt Piechowski. Dies liege zum einen an der vorhandenen Technologie. Nur im Mehlemer Werk stehen isostatische Pressen, die das Grafit von allen Seiten pressen.

Das Material ist dadurch gleichmäßig verpresst und äußerst stabil. Die weiteren Fertigungsprozesse können auch in anderen Werken etwa in Frankreich, China und den USA erledigt werden.

"Das Bonner Werk ist also auch ein interner Zulieferer und dadurch unverzichtbar", sagt der Werksleiter. Außerdem sei am Bonner Standort die IT-Zentrale mit 40 Mitarbeitern angesiedelt und der Vertrieb für das ganze Unternehmen mit 50 Mitarbeitern.

Der Standort Bonn sei beliebt, sagt der Werksleiter: "Wir haben keine Probleme, neue Mitarbeiter aus ganz Deutschland nach Bonn zu locken. Die Stadt hat einen sehr guten Ruf."