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Sanierung der Römer-Thermen in Bad Breisig: „Die Thermen haben eine Zukunft“

Sanierung der Römer-Thermen in Bad Breisig : „Die Thermen haben eine Zukunft“

Die Römer-Thermen in Bad Breisig werden nicht wie geplant im Juni saniert. Der neue Leiter der Thermen, Marcel Caspers, sieht in der Verschiebung der Sanierung allerdings keinen Nachteil.

Seit Mai ist Tanja Faßbender nicht mehr Geschäftsführerin der Bad Breisiger Römer-Thermen. Ihre Aufgabe hat zumindest vorübergehend der Kämmerer der Verbandsgemeinde, Marcel Caspers, übernommen. Das Bad ist hochdefizitär und soll möglichst privatisiert werden, eine für Juni anstehende umfassende Sanierung der Technik wurde ausgesetzt. Stattdessen bat die Verbandsgemeinde Ministerpräsidentin Malu Dreyer um Hilfe in Form von „mehreren Millionen“, damit die Thermen auch über technische Sanierungen hinaus zukunftsfähig gemacht werden können. Mit Caspers sprach Victor Francke.

Die Verbandsgemeinde hat sich mit einem Hilferuf an die Ministerpräsidentin gewandt. Man brauche mehrere Millionen Euro, um das Bad zukunftsfähig zu machen und privatisieren zu können. Den für diesen Monat terminierten Beginn einer technischen Sanierung, für den es bereits eine Million Euro an Zuschuss gab, hat Bad Breisig auf Eis gelegt. Ist damit den Thermen nicht der Todesstoß versetzt, wenn die Landesregierung nicht hilft?

Marcel Caspers: Es wurde mit diesem Schreiben auf keinen Fall ein Todesurteil für die Römer-Thermen gefällt. Dies hinein zu interpretieren wäre eine falsche Schlussfolgerung. Ich denke, das Gegenteil ist der Fall. Ich werte diese wichtige, durch Bürgermeister Bernd Weidenbach eingeleitete Verfahrensweise als einen elementaren Schritt für die Zukunft unserer Thermen. Wir waren uns in den politischen Gremien einig, dass nur dieser Weg Sinn macht, um uns zukunftsfähig aufzustellen. Dies auch im Hinblick auf die geplante Ausgliederung. Wir sind in einem engen Austausch mit dem Umweltministerium als Zuschussgeber der bewilligten Fördermittel für die Techniksanierung. Ziel soll es sein, dass wir sowohl die Techniksanierung als auch die Maßnahmen zur Attraktivierung gleichzeitig umsetzen.

Aber es sind doch Fristen gesetzt...

Caspers: Es gelingt uns natürlich nicht, den Termin bis zur gesetzten Frist zur Fertigstellung der Sanierung in der Technik zu halten. Ziel dieses Anschreibens war es, ein Signal aus Mainz zu erhalten. Alle weiteren notwendigen Schritte wie die Abstimmung der zukünftigen Verfahrensweise oder die genaue Kostenermittlung folgen dann zeitnah in Abstimmung mit dem Land und unseren politischen Gremien.

Als Kämmerer der VG Bad Breisig haben Sie nach dem Weggang der bisherigen Geschäftsführerin Tanja Faßbender zusätzlich zumindest kommissarisch die Leitung der Römer-Thermen übernommen. Wie hat das Personal reagiert?

Caspers: Das Personal war mir gegenüber sehr offen. Ich habe in den ersten Tagen sehr viele Mitarbeitergespräche geführt, um mir aufgrund der Erfahrungen der Mitarbeiter und meinen eigenen Erfahrungen ein Bild über das laufende Geschäft der Römer-Thermen zu machen. Bisher war ich die Verbindungsstelle zwischen der Verwaltung und den Römer-Thermen. Nun kommt natürlich das gesamte laufende Geschäft des Badebetriebes hinzu. Ich kann nur sagen, dass die Mitarbeiter motiviert sind und wir gemeinsam das Projekt Römer-Thermen angehen möchten. Geholfen hat mir natürlich dabei, dass ich seit 2017 die Abteilung Finanzen der Verwaltung leite und mir somit eine Führungsverantwortung gegenüber Mitarbeitern nicht ganz unbekannt ist.

In welchem baulichen Zustand befindet sich das Bad? Wird die aktuelle Coronabedingte Schließung für Reparaturen oder Verschönerungen genutzt?

Caspers: Der bauliche Zustand der Römer-Thermen ist nicht auf dem Stand, wo man sagen kann, wir können beruhigt in die nächsten Jahre schauen. Wir haben durchaus einen Sanierungsstau, gerade was die Technik angeht. Trotzdem haben wir natürlich die Schließzeit genutzt, mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln Reparaturarbeiten durchzuführen. Auch was die Attraktivierung und die Verschönerung angeht, ist es so, dass wir in vielen Bereichen des Bades Maßnahmen durchgeführt haben, um unseren Besuchern Veränderungen zeigen zu können.

Besonders prekär ist die finanzielle Situation: Das Bad bedarf Jahr für Jahr eines Zuschusses, der bei rund einer Million Euro liegt. Ein Betrag, der alleine von der Stadt Bad Breisig aufzubringen ist. Derzeit fließen keine Einnahmen. Der Zuschussbedarf in 2020 wird also erheblich höher ausfallen als ohnehin schon. Womit rechnen Sie?

Caspers: Hier einen Betrag zu nennen, wäre falsch und ist auch realistisch gesehen nicht möglich. Wir haben natürlich seit der Schließung keinerlei Erlöse. Jedoch haben wir auch bedingt durch die Schließung deutlich weniger Bewirtschaftungskosten. Zudem befinden sich die Mitarbeiter in Kurzarbeit. Der Verlust steigt natürlich bei der momentanen Schließung, aber nicht so erheblich wie man dies erwarten konnte. Glücklicherweise konnten wir am Dienstag außerdem ja wieder öffnen. Der Fitnessbereich hat seit Ende Mai wieder auf, die Gastronomie wird ebenfalls ab sofort wieder geöffnet sein. Lediglich der Saunabetrieb startet zu einem späteren Zeitpunkt.

Zu den umstrittenen Maßnahmen der Vergangenheit gehört die Führung des Gastro-Bereiches in Eigenregie. Wollen Sie nun wieder an einen externen Anbieter verpachten?

Caspers: Die Möglichkeit einer Verpachtung des Gastronomie-Bereiches ist ein Thema, womit wir uns beschäftigen müssen. Man muss sagen, dass die Übernahme der Gastronomie in Eigenregie finanziell gesehen keine Verbesserung für die Römer-Thermen dargestellt hat. Stand heute, werden wir jedoch die Eigenregie weiter betreiben. Auch aus dem Grund, dass wir so schnell keine Verpachtung realisieren könnten. Wir haben alles für die Öffnung der Gastronomie vorbereitet. Jedoch mit kleineren aber wichtigen Veränderungen. Eine reduzierte Speisekarte und eine Optimierung des Personaleinsatzes sind erste Schritte, um das Einnahme- und Ausgabeverhältnis anzupassen.

Ebenfalls waren die eingeschränkten Öffnungszeiten Gegenstand einer kommunalpolitischen Fehde. Werden Sie hier eine Änderung vornehmen, heißt, das Bad wieder früher öffnen und länger auf halten?

Caspers: Wie Sie richtig sagen, wurden die Veränderungen der Öffnungszeiten durchaus lange diskutiert. Die Reduzierungen wurden gutachterlich empfohlen und basierten zudem auf unseren eigenen Erfahrungen. Ich werde an den Öffnungszeiten derzeit nichts verändern. Alleine auch aus der Tatsache heraus, dass ich als kommissarischer Geschäftsführer Veränderungen herbeiführen würde, die Einfluss auf die Tätigkeiten eines zukünftigen Geschäftsführers hätten.

Das zum Bad gehörende Fitnessstudio hat bereits wieder geöffnet. Wie ist es angelaufen?

Caspers: Wir sind alle sehr zufrieden. Ich habe mit vielen Besuchern gesprochen und habe positive Rückmeldungen erhalten.

Zurück zur Sanierung: Alleine für den Technikbereich und losgelöst von Attraktivitätssteigerungen oder kosmetischen Verbesserungen müssen mehr als drei Millionen Euro aufgebracht werden. Lediglich eine Million bekommen Sie aus EU-Mitteln. Es verbleibt ein hoher Eigenanteil. Kann die Stadt den überhaupt erbringen?

Caspers: Wir mussten als Antragsteller gegenüber dem Bewilligungsgeber, in diesem Fall dem Land im Auftrag der EU darlegen, dass wir den Eigenanteil finanzieren können. Auch die Kreisverwaltung war eingebunden. Wir haben alle Beteiligten davon überzeugen können, dass wir den Eigenanteil erbringen könnten, zumal es keine zusätzlichen finanziellen Belastungen gäbe. Denn die Mehrbelastungen durch die notwendigen Kreditaufnahmen und die kalkulatorischen Kosten würden aufgrund der dann vorgenommenen Techniksanierung durch Minderaufwendungen der Bewirtschaftungskosten kompensiert.

Wie schätzen Sie denn die Möglichkeiten einer Privatisierung des Bades ein?

Caspers: Der Wille von Politik und Verwaltung ist da, die Römer-Thermen fortzuführen. Wir wissen aber alle, dass wir das Bad nicht dauer­haft alleine finanzieren können. Wir müssen diese für eine Privatisierung öffnen. Hierfür reicht es aber nicht aus, nur in die Technik zu investieren. Das geht natürlich nur mit zusätzlichen Fördergeldern. Klar ist: Die Römer-Thermen werden die Stadt auf Jahre immer Geld kosten. Egal welches Szenario wir wählen. Diese Kosten müssen nur für die Stadt deutlich niedriger sein und auch kalkulierbar, also ein jährlicher Festbetrag. Und dies geht nur, wenn wir eine Privatisierung anstreben.

Wie reagiert denn die Belegschaft auf solche Pläne?

Caspers: Wir müssen rund um das Thema Römer-Thermen Ruhe hinein bekommen. Eine ruhige Außendarstellung ist wichtig, um auch mal Gedanken und Planungen erfolgreich umsetzen zu können. Im Innenverhältnis kommen wir schon zurecht. Es gilt, eine vernünftige Perspektive aufzuzeichnen. Wenn alles schon am Anfang negativ diskutiert wird, ist dies nicht förderlich.

Frau Faßbender hat die Römer-Thermen nicht gerade in Friede, Freundschaft und Eintracht verlassen. Ihr Vertrag lief bis 2021. Haben Sie eine vernünftige Einigung bezüglich Ihrer vorzeitigen Vertragsauflösung gefunden?

Caspers: Ja, das haben wir. Solche Einigungen werden natürlich, so wie überall, nichtöffentlich praktiziert. Aber die Entscheidungsträger der Stadt haben eine Einigung erzielt, die die Römer-Thermen finanziell nicht belastet hat.