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Der Vorhang zu und alle Fragen offen

Der Vorhang zu und alle Fragen offen

200 Bürger streiten mit dem neuen Eigentümer um den Erhalt des Bonner Metropol als Kino und Theater - Auch wenn die Cinestar auszieht, muss erstmal alles bleiben, wie es ist

Bonn. Eine Botschaft war am Donnerstagabend deutlich: Die Bonner schauen ganz genau hin, was mit dem Metropol am Markt passiert. Und: Das letzte Wort haben die Denkmalschützer. Rund 200 Gäste waren zur Bürgerversammlung in die Universität gekommen, unter ihnen Kulturschaffende und Kommunalpolitiker, Cineasten, Historiker und Bonner jeden Alters, denen "ihr" Metropol am Herzen liegt.

Eingeladen hatten die Arbeitsgemeinschaft der Bonner Heimat-, Geschichts- und Denkmalvereine, die Gesellschaft für Kunst und Gestaltung und der Arbeitskreis zur Erhaltung des historischen Stadtgefüges von Bonn. Die Stimmen aus dem Plenum reichten von lautstarkem Protest bis zu spitzfindigen Argumenten.

Kunsthistorikerin Olga Sonntag, Vorsitzende des Arbeitskreises zur Erhaltung des historischen Stadtgefüges, betonte bei ihrer Einführung: "Das Metropol ist ein Kulturdenkmal, ein Prototyp des Filmtheaters." Der Bonner Architekt Toni Kleefisch baute das Haus im Stil der 20-er Jahre, griff bei Treppen und Balkonen Formen des Bauhauses auf, während er den rot-goldenen Saal mit Art-Deco-Elementen schmückte.

Gefragtester Mann auf dem Podium war Vanja Schneider, Geschäftsführer der Firma Interboden, die das Metropol im Dezember ersteigert hat. "Wir wollen nichts zerstören oder abreißen", sagte Schneider und versprach eine "neue Attraktion", die Bewegung in das städtische Leben rund um den Marktplatz bringen werde. In einem kurzen Film riefen die Eigentümer auf: "Seien auch Sie dabei, wenn im Herzen von Bonn hier und jetzt die Zukunft beginnt."

Das ließen sich die Bürger nicht zweimal sagen. Allerdings sehen sie die Zukunft des Kinos etwas anders als die Interboden. Die Mehrheit der Versammelten war für den Erhalt des Kinos als Kulturstätte. Die neuen Eigentümer hingegen wollen für eine "hochwertige Handelsnutzung" umbauen, sie haben bereits eine Bauvoranfrage gestellt. Was bleibt? Schneider formulierte es positiv:

Kuppeln, Bühnenportal und Fassade sollen erhalten werden. Über einer geraden Verkaufsfläche soll eine Zwischenebene mit Öffnung entstehen, die den Blick zur Kuppel ermöglicht. Dass das nicht den Vorstellungen der Stadt als Untere Denkmalbehörde entspricht, machte Stadtkonservator Franz-Josef Talbot deutlich: Eine Zwischendecke sei nicht mit dem Erhalt des einzigartigen großen Saals zu vereinbaren.

"Es ist Aufgabe von Politik und Verwaltung dafür zu sorgen, dass das Denkmalschutzgesetz auch eingehalten wird", sagte Matthias Keuthen von der Bürgerinitiative "Rettet das Metropol". An Selbstbewusstsein mangelt es den Gegnern der Umbaupläne nicht, schließlich sind etliche unter ihnen, die das Metropol schon vor gut 20 Jahren zu einer Zeit gerettet haben, als es noch nicht unter der schützenden Hand des Denkmalschutzes stand.

Die mehrfach gestellte Frage "Warum haben Sie mehr gezahlt, als im Verkaufsgutachten veranschlagt?" blieb offen. Vanja Schneider wich beim Thema Wirtschaftlichkeit auf die geringen Mieteinnahmen und die schlechte Auslastung der Cinestar-Säle aus. "Die Tatsache, dass ein Betreiber nicht in der Lage war, das Metropol wirtschaftlich zu führen, ist nicht der Nachweis, dass es grundsätzlich nicht geht", hielt Christiane Overmans, Vorsitzende des Unterausschusses Denkmalschutz, entgegen.

Eine andere Besucherin führte das leerstehende Gangolf vor Augen: "Die Grundidee, dass alles wirtschaftlicher ist als Kino, hat sich nicht bewahrheitet." Das Metropol sei und bleibe ein Denkmal. Spekulationen des Gutachters im Vorfeld der Versteigerung, was das Haus wert wäre, wenn es nicht unter Denkmalschutz stünde, bezeichnete Talbot als "äußerst grotesk": "Ich habe noch nie erlebt, dass so etwas in die Welt gesetzt wurde."

Wer ins Metropol einziehen wird, ist offen. "Geben Sie uns Zeit, ein vernünftiges Konzept zu entwickeln, das mit dem künftigen Nutzer abgestimmt ist", sagte Schneider. Die Bürgerinitiative meint, dass das Metropol dazu dienen könnte, die zwei benachbarten Geschäftshäuser - Ansons links und das Geschäftshaus des Bonners Klaus Töpfer rechts - zu einer großen Verkaufsfläche für "Peek und Cloppenburg" zu verbinden.

Schneider sagte, er verhandele mit keiner großen Warenhauskette. Laut Initiative gibt es Interessenten, die das Kino weiter betreiben würden. Schneider konterte: "Wir sind der Eigentümer und wir haben überhaupt keine Verkaufsabsichten." Er bot eine Vermietung zu "marktüblichen Bedingungen" an. Egal ob Kino oder nicht, zuerst einmal muss alles bleiben, wie es ist.

Denn zu Befürchtungen, dass bald der Abbau der Einrichtung beginnen könnte, sagte Talbot: "Ohne Erlaubnis der Unteren Denkmalbehörde dürfen keine Veränderungen vorgenommen werden." Er schloss ausdrücklich das Inventar vom Sessel bis zum Kassenhäuschen ein. Olga Sonntag fasste am Ende zusammen:

"Es ist noch nichts entschieden." Man sieht, mit Brecht gesprochen, den Vorhang zu und alle Fragen offen. Der Unterausschuss Denkmalschutz beschäftigt sich am 28. März mit dem Metropol; am 30. März gibt der Planungsausschuss seine Empfehlung ab.