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Herkulesaufgabe: Antje Fehr ist neue Klimamanagerin in Königswinter

Herkulesaufgabe : Antje Fehr ist neue Klimamanagerin in Königswinter

Sie selbst sei eine „Überzeugungstäterin“: Antje Fehr hat am 1. Februar ihre neue Stelle als Klimaschutzmanagerin in Königswinter angetreten. Sie muss eine Vielzahl von Projekten koordinieren.

Selten ist eine neue Mitarbeiterin in der Königswinterer Verwaltung mit so großen Erwartungen empfangen worden wie die Klimaschutzmanagerin Antje Fehr. Auf die 38-jährige Bonnerin, die am Montag ihren ersten Arbeitstag hatte, wartet „eine Herkulesaufgabe“, wie der Technische Dezernent Theo Krämer bei ihrer Vorstellung anmerkte. „Wir haben diesem Termin mit großer Vorfreude entgegengesehen“, unterstrich auch Bürgermeister Lutz Wagner.

Antje Fehr, die in Herborn groß wurde, suchte ganz gezielt nach einer Stelle als Klimaschutzmanagerin. „Ich finde das eine spannende Aufgabe, weil es viele Gestaltungsmöglichkeiten gibt und viele Akteure zusammenzubringen und zu motivieren sind“, sagt sie. Nach ihrem Diplomstudium in Umweltschutz an der FH Bingen kam sie durch ihre erste Arbeitsstelle bei Eurosolar, der Europäischen Vereinigung für Erneuerbare Energien, nach Bonn, wo sie danach noch mehrere Jahre für den Verein Grüner Strom Label tätig war.

Insgesamt gab es 58 Bewerbungen

Im Dezember setzte sie sich in Königswinter in einem Assessment Center gegen drei weitere Kandidaten durch. Insgesamt hatte es 58 Bewerbungen gegeben. Weil sie zuletzt ein Sabbatical eingelegt hatte, konnte Fehr die Stelle zeitnah antreten. „Klimaschutz und Umweltschutz interessieren mich schon seit meiner Schulzeit“, sagt sie.

Sie selbst bezeichnet sich als „Überzeugungstäterin“ und versucht, wann immer möglich, auch privat zu leben, was sie in Königswinter nun im Hauptberuf verwirklichen soll. Mit einer kleinen Einschränkung. „Ich hatte bisher kein Auto. Jetzt brauche ich aber erst mal eines, um nach Thomasberg zu kommen.“ In ihrem Konsumverhalten versuche sie auf Nachhaltigkeit zu setzen, indem sie regionale Bioprodukte kaufe und nach Möglichkeit auf Flugreisen verzichte. Zudem ernähre sie sich fast ausschließlich vegan.

Bei ihrer Vita fällt auf, dass Fehr der Initiative Schöpfungsverantwortung der Neuapostolischen Kirche angehört. „Ich bin in die Neuapostolische Kirche in meinem Elternhaus hineingeboren worden. Die Kirche sollte meines Erachtens auch in der Frage der Nachhaltigkeit eine Vorbildfunktion haben“, sagt sie.

Sie sieht den Klimaschutz als die zentrale Herausforderung unserer Gesellschaft. „Wir stehen am Scheidepunkt und müssen darüber entscheiden, ob wir eine lebenswerte Zukunft haben oder auf eine Krise nach der anderen zusteuern.“

Straßenbeleuchtung ist bereits umgerüstet

Untätig ist Königswinter in Sachen Klimaschutz bisher nicht gewesen. Wagner und Krämer zählen die Projekte auf, die bereits realisiert wurden wie zum Beispiel die weitgehend abgeschlossene Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED oder der Verzicht auf Plastikmüll in der Verwaltung.

Auch ein Fahrrad-Mietsystem befinde sich in der Umsetzung, ein Mobilitätskonzept sei in Auftrag gegeben worden. „Wir wollen unseren Beitrag zur Verkehrswende leisten, indem wir den Anteil der umweltgerechten Verkehrsträger erhöhen“, sagt Wagner. Dazu gehört zwingend auch der Ausbau der Radwege und des ÖPNV.

Aber auch die energetische Modernisierung der städtischen Immobilien oder der privaten Haushalte, die dazu ebenfalls motiviert werden sollen, stehen auf der Agenda ganz oben. Die neue Klimaschutzmanagerin hat all diese Maßnahmen künftig zu koordinieren und eine Potenzialanalyse anzustellen, welches Projekt wieviel bringt. Zunächst einmal will man ihr aber die erforderliche Zeit geben, um sich in alle laufenden Vorhaben einzuarbeiten.

Da Klimaschutzmaßnahmen Geld kosten, ist ein Umdenken im politischen Entscheidungsprozess notwendig. „Nichts zu tun, wird aber langfristig teurer werden“, ist Fehr fest überzeugt. Dass sie am Montag eines der größten Büros im Verwaltungsgebäude in Thomasberg beziehen durfte, mag zwar ihrer Aufgabe angemessen sein, ist aber doch eher Zufall. „Wir hatten kein Büro mehr frei und haben deshalb das Besprechungszimmer geräumt“, sagt Krämer. Die Alternative wäre ein Container auf dem ehemaligen Schulhof gewesen.