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Feuerwerk in Alfter: 100-Jährige aus Alfter bekommt 130 Glückwunschkarten

Feuerwerk in Alfter : 100-Jährige aus Alfter bekommt 130 Glückwunschkarten

Solch ein Feuerwerk bekommen in diesen Tagen nicht viele: Ursula Moser erlebt einen denkwürdigen 100. Geburtstag vor dem Seniorenheim in Oedekoven.

Was wäre das – ohne das Corona-Virus – für ein 100. Geburtstag geworden? Ursula Moser hätte am Montag im Kreis ihrer Verwandten gefeiert, vielleicht wäre jemand von der Gemeinde mit einem Blumenstrauß gekommen. Aber hätte es ein Feuerwerk gegeben? Oder Musik von Bonns bekanntestem Alleinunterhalter? Oder Grußkarten von Wildfremden, die der Jubilarin zu ihrem stolzen Alter gratulieren? Vermutlich nicht. Die Corona-Pandemie sorgt oft für Frust, aber manchmal auch für unvergessliche Momente.

Großartig feiern konnte man natürlich nicht. Das stand seit Längerem fest. „Die Oma hat bitterlich geweint“, sagte Gabriele Maria Becker, angeheiratete Enkelin. Drei Kinder und drei Enkel jeweils mit Partnern, dazu neun Urenkel – eine davon mit der frohen Kunde, dass die erste Ururenkelin unterwegs ist: Das hätte jede Corona-Einschränkung gesprengt.

Aber Becker hatte eine Idee. Im sozialen Netzwerk Facebook veröffentlichte sie mehrere Aufrufe, dass die Menschen  doch Glückwunschkarten für Ursula Moser an sie schicken mögen. Im Laufe der Zeit kamen mehr als 130 Karten aus Bonn und Umgebung zusammen. „Heute Morgen kam noch eine aus Österreich“, erzählte Becker am Montag.

Dann war der große Tag gekommen. Einige Verwandte und Freunde hatten sich vor dem Sankt-Elisabeth-Seniorenzentrum in Oedekoven versammelt, in dem die 100-Jährige seit eineinhalb Jahren lebt. Man hatte den Eingangsbereich geschmückt, Stollen und Sekt mitgebracht, Willi Bellinghausen baute sein Keyboard auf und spielte passende Lieder.

Ursula Moser wusste von nichts, als sie im Rollstuhl herausgefahren wurde, das sagte sie jedenfalls. Sie wurde mit brennenden Wunderkerzen begrüßt, die Anwendenden schenkten ihr Rosen. Dann flogen noch vier Feuerwerksraketen und diverse Luftballons in den Himmel. So macht man einen Geburtstag denkwürdig. Bei ihrer Geburt am 30. November 1920 wohnte Ursula Mosers Familie in der Bornheimer Straße in Bonn – und zog später in den Florentiusgraben um. In den 60er-Jahren, so erzählte ihr Enkel Michael Becker, wohnte sie in Dransdorf, später in der amerikanischen Siedlung in Tannenbusch, bevor sie ins Seniorenheim umzog.

Die Jubilarin amüsierte sich prächtig, schunkelte zur Musik, und erinnerte sich auch noch an viele Personen, die ihr da gratulierten. Unter anderem an Dirk Stratmann, beim General-Anzeiger für die Zeitungszusteller zuständig. Die beiden kennen sich gut, schließlich hatte Ursula Moser bis 2004 den General-Anzeiger in Bonn ausgetragen, 44 Jahre lang. „Damals war sie die dienstälteste Zustellerin“, sagte Stratmann. Das tat sie zunächst morgens, bevor sie zur Arbeit ging – sie war bei der Post in der Sortieranlage angestellt –, und später dann im Ruhestand.

Stratmann hat sie damals betreut. „Sie ist ein absolutes Bonner Original“, erinnerte er sich. Zuverlässig, fleißig, unermüdlich, „für die Zeitungszustellung perfekt geeignet“, eine tolle Frau, sagte er. „Von der Sorte könnte ich noch fünf bis zehn gebrauchen.“

Mit 84 Jahren war dann doch mal Schluss. Aber ihre Nachkommen haben es ihr gleichgetan: „Wir sind eine Trägerfamilie“, sagte  Enkel Michael Becker. „Wir haben alle mal den GA ausgetragen.“