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Tag der Begegnung am Hochkreuz: Unerwartete Hürden auf dem Rollstuhlparcours

Tag der Begegnung am Hochkreuz : Unerwartete Hürden auf dem Rollstuhlparcours

"Die schiefe Ebene ist wirklich eine Herausforderung", findet Gerda Buning. Die Ruheständlerin sitzt im Rollstuhl und absolviert gerade das zweite Hindernis eines Parcours, der vor dem Gebäude der "Aktion Mensch" aufgebaut ist.

"Jetzt sehe ich, welche Schwierigkeiten bereits ein leicht geneigter Gehweg einem Rollifahrer macht." Das Besondere: Buning benötigt eigentlich gar keinen Rollstuhl - der Parcours dient nur dazu, bei Menschen ohne Behinderung ein Bewusstsein für das Leben im "Rolli" zu schaffen.

"Das Thema Inklusion ist zwar in aller Munde, aber nur rund 30 Prozent der deutschen Bevölkerung haben regelmäßig Kontakt zu Menschen mit Behinderung", erläutert der Vorstand der Aktion Mensch, Armin von Buttlar. "Ein unverkrampftes Miteinander ist daher hierzulande noch immer nicht an der Tagesordnung." Deshalb hat die Organisation den Tag der Begegnung ins Leben gerufen: Am vergangenen Samstag trafen sich Hunderte behinderte und nicht behinderte Menschen am Sitz des Vereins in der Heinemannstraße, um sich gemeinsam über die Arbeit der Soziallotterie zu informieren.

"Behinderte Menschen wuchsen ja bisher oft in einer Art von Parallelgesellschaft heran", so Buttlar weiter. "Da gab es einfach zu wenige Schnittstellen, was oft zu unbegründeten Berührungsängsten geführt hat." Die konnte man - sofern überhaupt vorhanden - am Samstag perfekt abbauen: egal ob beim gemeinsamen Chillen in der Cocktailbar oder vor der großen Bühne.

Der erfolgreiche Kinderliedermacher Reinhard Horn führte dort gemeinsam mit Schülern erstmals das von ihm für die Aktion Mensch komponierte Lied "Wir sind die bunte Bande" auf. Mit dem Hof, dem Konferenz- und dem Eingangsbereich standen den Besuchern drei unterschiedliche Aktionsflächen zur Verfügung auf denen sie vom Basteln über Torwandschießen und Barfußpfad bis hin zu Kletterturm und Rückenschule alles ausprobieren konnten.

Einen Perspektivwechsel erlebte nicht nur, wer sich wie Buning der Herausforderung des Rollstuhlparcours stellte, sondern auch, wer sich den Alterssimulationsanzug anlegen ließ: Mit einer Brille, die Alterssichtigkeit simuliert, und Binden, die die Beweglichkeit stark einschränken, fühlte sich Michael Gielsdorf um Jahrzehnte gealtert: "Eine merkwürdige Erfahrung - das kann von mir aus gerne noch ein paar Jahre auf sich warten lassen", sagte der IT-Berater schmunzelnd, nachdem er eine Runde über den Hof gelaufen war.

Auch als Arbeitgeber stellte sich die Aktion Mensch vor: Im Hof beriet René Richter aus der Personalabteilung potenzielle Azubis oder Führungskräfte. Außerdem gab es Einblicke in die Fördermöglichkeiten für Organisationen, die sich wie zum Beispiel der Verein "Abenteuer Lernen" für Menschen mit Behinderung sowie für Kinder und Jugendliche einsetzen.

Die Organisation

Die Aktion Mensch ist die größte private Förderorganisation im sozialen Bereich in Deutschland. Seit ihrer Gründung im Jahr 1964 hat die ehemalige Aktion Sorgenkind mehr als 3,7 Milliarden Euro weitergegeben; damit sollen die Lebensbedingungen von Menschen mit Behinderung, Kindern und Jugendlichen verbessert sowie das Miteinander in der Gesellschaft gefördert werden.

Mit den Einnahmen aus ihrer Lotterie unterstützt die Organisation jeden Monat bis zu 1000 Projekte. Möglich machen das rund 4,6 Millionen Loskäufer. Weitere Infos unter www.aktion-mensch.de