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Kammerspiele in Bad Godesberg: Es regnet durchs Dach, während OB-Kandidaten diskutieren

Kammerspiele in Bad Godesberg : Es regnet durchs Dach, während OB-Kandidaten diskutieren

In die Höhle des Löwen wagten sich am Sonntag die drei aussichtsreichsten Bonner Oberbürgermeister-Kandidaten Ashok-Alexander Sridharan (CDU), Peter Ruhenstroth-Bauer (SPD) und Tom Schmidt (Grüne): Bei einer Podiumsdiskussion in den von Schließung bedrohten Kammerspielen Bad Godesberg sollten sie Klartext reden, wie es mit dem dortigen Theater weitergeht.

Und zwei von ihnen taten das auch: Allen voran Schmidt, der vor rund 500 Zuhörern ankündigte: "Ich werde mir ohne Scheuklappen ergebnisoffen angucken, ob ein Neubau an der Bonner Oper besser ist als die Kammerspiele in Bad Godesberg zu lassen und gebe keine Garantie ab, dass hier nichts passiert." Schließlich koste es allein 2,5 Millionen Euro, zwei getrennte Theaterstandorte zu betreiben.

Garantien gab auch Sridharan nicht ab, sondern wollte alle möglichen Varianten nebeneinander legen und auch die Bauunterhaltungskosten einbeziehen. Er sagte aber optimistisch: "Ich bin fest davon überzeugt, dass auch aus wirtschaftlicher Sicht vieles für die Kammerspiele in Bad Godesberg spricht." Die Probleme lägen eher darin, dass sich die bisherigen Sparvorschläge zu sehr auf Bad Godesberg konzentrierten.

Bei allgemeineren Aussagen beließ es Ruhenstroth-Bauer. Natürlich könne er die Frage nach den Kammerspielen nicht seriös beantworten, allerdings müsse man nicht nur das Theater, sondern das gesamte Umfeld betrachten. "Es geht zu vieles in Richtung Bonn, da müssen wir umsteuern", forderte er, weil Bad Godesberg in Sachen Bäder, Theater und Bürgerämter besonders vom Sparhammer betroffen sei. "Da müssen wir in größerem Horizont denken."

Auch bei der Frage zum Verhältnis von OB und Stadtrat lagen Schmidt und Sridharan auf einer Wellenlänge. Die letzten Amtsinhaber hätten sich zu "kleinen Sonnenkönigen" entwickelt, kritisierte Schmidt, während Sridharan ankündigte, er wolle als OB im Stadthaus sein und nicht im Alten Rathaus residieren.

"Demokratie lebt von Mehrheit und Opposition"

Ruhenstroth-Bauers Hinweis, man brauche eine "ganz große Koalition" und keine kleinen Parteienkästchen, um die "Bonner Krankheit" zu überwinden, bewerten CDU/Grüne anders: "Demokratie lebt von Mehrheit und Opposition", analysierte Schmidt und gab dem SPD-Kandidaten noch einen mit: "Das ist ein bisschen wolkig, was Sie hier sagen." Auch Sridharan sieht als Voraussetzung, um etwas zu bewegen, eine Mehrheit mit einer Koalition im Rücken.

Die Zuhörer in den Kammerspielen verteilten ihren Beifall gleichmäßig auf die drei Kandidaten. Darunter waren vor allem Vertreter der älteren Semester, nur rund ein Dutzend Gäste war unter 30, wie eine entsprechende Frage von Kurt Tudyka von den Freunden der Kammerspiele ergab.

Er moderierte die Veranstaltung gemeinsam mit Jürgen Laue, dem neuen Chef des Kunstvereins Bad Godesberg. Und dieser erlebt den Stadtbezirk als Ort vieler Kulturstätten und einer spannender Szene. Und wieder war es Schmidt, der Klartext redete, als er sagte: "Bad Godesberg ist dabei, sich schlechter zu machen als es ist."

Dass trotzdem Handlungsbedarf besteht, wurde keine drei Meter von den Protagonisten entfernt deutlich: Da tropfte der Dauerregen nämlich durchs Dach auf die Bühne der Kammerspiele.