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DRK schlägt Alarm: Die Flutkatastrophe belastet auch den Blutspendedienst

DRK schlägt Alarm : Die Flutkatastrophe belastet auch den Blutspendedienst

Beim Blutspendetermin in Beuel wird klar: Weil in den ländlichen Flutgebieten viele Termine ausfallen müssen, ist der DRK-Blutspendedienst noch mehr auf neue Spendenwillige angewiesen. Im Brückenforum haben sich 170 Menschen über das neue Online-System angemeldet.

Das Brückenforum ist in diesen Tagen nicht nur Schauplatz des wieder aufblühenden kulturellen Lebens. Auch das Überlebenswichtige hat weiterhin seinen Platz. Beim Blutspende-Termin des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) ist an diesem regnerischen Dienstag vieles so, wie es war. Andere Umstände sind neu. Das Online-Anmeldesystem inklusive Terminvergabe ist zwar noch recht frisch, etabliert sich aber immer mehr.

Was geblieben ist, sind die engagierten Kräfte und ebenso engagierte Spenderinnen und Spender. „Wir haben rund 170 Termine für den Zeitraum von viereinhalb Stunden vergeben“, sagt Annette Hüsch-Sauter. Die Leiterin der Gruppe Blutspende ist zufrieden mit dem Zuspruch. Ihre Sorge sind aber die ausbleibenden Spendentermine in Gebieten, die vom Juli-Hochwasser betroffen waren und sind.

Weil in den ländlichen Regionen die Infrastruktur an vielen Stellen stark geschädigt ist, die Termine dort ausfallen, fehlen Blutkonserven im Verteilsystem. Daher sorgt sich das DRK auch in Beuel um die Erfüllung des Auftrags, die Versorgung sicherzustellen. „Weil deutlich weniger Spendetermine angeboten werden können, vergrößert sich das Problem, dass schon seit längerer Zeit viel weniger Blutpräparate als benötigt hereinkommen“, betont Hüsch-Sauter.

Auf vielen Ebenen sind Termine weggebrochen

Auch der Wegfall von Gruppenspenden in Behörden und Unternehmen sei Teil des Problems. So seien die anstehenden Termine in Beuel und in ganz Bonn auch direkte Unterstützungsaktionen. „Wer jetzt spendet, leistet indirekt Hilfe bei der Beseitigung eines alarmierenden Missstandes, den die Flut verstärkt hat.“

Aktuell richtet der DRK-Blutspendedienst West, zu dem auch die Beueler Sektion gehört, sein Engagement im Zeichen der jüngsten Ereignisse aus. „Wir schlagen sogar laut Alarm“, sagt Sprecher Moritz Wistler beim Termin in Bonn. „Wir sind der Hauptversorger auch in den betroffenen Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz und tun alles, um unserem Auftrag nachzukommen.“

Der Aufruf an die Bevölkerung klingt also noch etwas lauter als sonst. „Spende Blut, rette Leben“ – der simple Spruch gilt für Hüsch-Sauter und ihr Beueler Team vielleicht noch ein wenig mehr als sonst. „Auch wenn die Umstände sich im Zuge der Corona-Pandemie zum Teil verändert haben, kommen viele treue Spenderinnen und Spender. Was wir brauchen, sind neue Gesichter.“

Egal ob „Überzeugungstäter“ oder Neuling – alle Spendewilligen melden sich mittlerweile über ein Online-System an, bei dem zum Wunschtermin auch der entsprechende Zeitraum gewählt werden kann. „Ein Zeichen der Zeit, das uns aber die Arbeit unheimlich erleichtert“, sagt die DRK-Koordinatorin. Auch das weniger Technik-affine Stammpublikum habe man abgeholt: „Vielleicht gibt es bei der guten Sache weniger Berührungsangst.“

Soziales Ereignis liegt derzeit auf Eis

Schade sei es derweil um manche liebgewonnene Tradition: „Gemeinsames Essen und der Austausch ganzer Nachbarschaften vor und nach dem Blutspenden, das ist derzeit nahezu kaum möglich“, sagt Hüsch-Sauter. Nicht nur sie wünscht sich eine sichere Rückkehr zu mehr Normalität. „Die Termine sind Teil einer gesellschaftlichen Struktur, die vielen Menschen fehlt.“

Ungeachtet dessen ist die Spendenbereitschaft in Beuel konstant hoch – „die Bedingungen im Brückenforum tun ihr übriges“, sagt sie. „Viel Platz, gute Ausstattung, die unkomplizierte Zusammenarbeit und das Entgegenkommen der Verantwortlichen ist ein Glücksfall für uns.“ Einer aus der Gruppe der Treuen in Beuel ist Ralf Reinartz. „Ich komme, wann immer ich kann“, sagt er. „Es ist so wichtig.“ Ein Blick in die Unterlagen verrät Jörg Freyer vom DRK: Es ist Reinartz´ 132. Spende.

Nils Katenbrink hat in der Vergangenheit bereits öfters in Vilich-Müldorf gespendet, nun hat er den – augenzwinkernd beklagten – „weiten Weg“ nach Beuel-Mitte in Kauf genommen. „Ich wünsche dem DRK und uns allen, dass schnell wieder mehr Spenden möglich sind und auch mehr Menschen sich dazu entschließen“. DRK-Mitarbeiter Udo Jänsch nickt zustimmend, während er die lebenswichtige Spende bei Katenbrink abnimmt.