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Kliniken schlagen Alarm: Blutkonserven in Bonner Krankenhäusern werden knapp

Kliniken schlagen Alarm : Blutkonserven in Bonner Krankenhäusern werden knapp

Die Situation in Sachen Blutkonserven in den Kliniken wird immer dramatischer, sagen Verantwortliche in Bonn. Es gibt kaum noch Reserven für Notfälle. Operation werden bereits verschoben. Gründe sind die Corona-Regeln - aber auch die Flutkatastrophe.

Die Situation wird immer dramatischer. Die Corona-Pandemie, die Urlaubszeit und die zwischenzeitliche Hitzewelle haben zu einem starken Rückgang an Blutspenden geführt. Gleichzeitig werden aktuell für die Versorgung der vielen Verletzten in den Hochwassergebieten an Ahr, Erft und Swist dringend Blutpräparate benötigt. „Gerade bei den seltenen Gruppen können wir kaum noch aushelfen“, sagt Stephan David Küpper vom DRK-Blutspendedienst West. „Wir machen uns schon seit vier Wochen große Sorgen. Doch jetzt haben wir kaum noch Reserven und leben von der Hand in den Mund“, ergänzt er. „Die Lage ist wirklich beängstigend.“

Das ist deshalb so dramatisch, weil in den von der Hochwasserkatastrophe besonders betroffenen Bundesländern NRW und Rheinland-Pfalz die Infrastruktur dermaßen geschädigt, dass „dort auf absehbare Zeit keine Blutspendetermine durchgeführt werden können“, so der DRK-Sprecher.

Ein alarmierendes Problem, das längst auch die Bonner Uniklinik erreicht hat: „Damit wir auch weiterhin alle Patientinnen und Patienten bei Operationen mit Blut versorgen können, sind wir dringend auf Hilfe angewiesen“, sagt Prof. Johannes Oldenburg, Direktor des Instituts für Experimentelle Hämatologie und Transfusionsmedzin. „Derzeit sind sogar die Reserven für Notfälle knapp.“ Besonders die Blutkonserven der Blutgruppe 0 – die als Universalspende für jede andere Blutgruppe genutzt werden können – sind in zu geringer Stückzahl vorhanden.

Blutspende in Bonn: Rationierung bei der Vergabe eingeführt

Für diese Blutgruppe, so die Uniklinik, haben überregionale Blutspendedienste, etwa das Deutsche Rote Kreuz, derzeit eine Rationierung der Vergabe eingeführt. Nur durch eine erhöhte Spendenbereitschaft könne es daher gelingen, den Engpass an Blutkonserven, der vermutlich die ganzen Sommerferien andauern wird, zu überbrücken. Das DRK hat auch während der Pandemie seine Spendenangebote durchgeführt, die Resonanz darauf war jedoch verhalten.

„Aktuell stehen in den Kliniken wieder viele Operationen an, für die wir bereit sein müssen“, erklärt Küpper. Der Vorrat in den Blutbanken ist zwar während der Ferienzeit stets stark reduziert, „doch so extrem wie aktuell war es nie“, so der Sprecher des Blutspendedienstes. Dabei ist das DRK in der Vergangenheit in Bonn regelmäßig zu Firmen und Unternehmen gefahren, um die Mitarbeiter vor oder nach Dienstbeginn oder in der Mittagspause schnell und unbürokratisch für eine Spende zu gewinnen. „Aber seit Monaten ist ein Großteil der Beschäftigten im Homeoffice. Und die erreichen wir aktuell nicht.“

Blutspende in Bonn: Alle Jahre wieder kommt die Knappheit

„Wir merken auch, dass unsere Lieferungen etwas schleppender als sonst kommen, aber die OP-Planungen sind bisher nicht beeinträchtigt“, erklärt Katharina Müller-Stromberg für das Gemeinschaftskrankenhaus St. Elisabeth, St. Petrus sowie St. Johannes. Aber: „Notfälle gehen immer vor. Bei geplanten Operationen müssten wir dann entscheiden, welche OP verschoben werden kann und welche dringend geboten ist. Das hängt von der Art der OP ab und ob vorhersehbar ist, dass und wenn, wie viele Blutkonserven benötigt werden“, erklärt sie.

„In jedem Sommer ist die Knappheit an Blutkonserven ein wiederkehrendes Thema“, bestätigt auch Dorothea Adams für die GFO Kliniken Bonn, zu denen St. Marien auf dem Venusberg, St. Josef Beuel sowie das Cura Krankenhaus Bad Honnef gehören. „Wir beschäftigen uns seit Jahren mit dem Thema der Einsparung von Transfusionen durch strengere Indikationsstellung, Blutsparende OP-Verfahren und Maschinelle Autotransfusion um Engpässe so gering wie möglich zu halten, aber ohne Blutspender geht es nun mal nicht“, erläutert sie.

Blutspende in Bonn: Auch Corona spielt eine Rolle beim Spenden

„Derzeit ist unsere Blutbank am Helios Klinikum Bonn/Rhein-Sieg mit allen nötigen Blutkonserven gefüllt, aber wir bemerken einen Rückgang der Blutspenden“, teilt Christina Fuhrmann von der Unternehmenskommunikation auf GA-Anfrage mit. Das liege auch daran, dass sich die Zulassungskriterien geändert haben. „Beispielsweise können Personen, die am Virus erkrankt sind, frühestens vier Wochen nach Genesung wieder Blut spenden.“

Knapp werden die Blutkonserven auch im Johanniter- sowie Waldkrankenhaus. „Wir müssen teilweise Operationen verschieben, wenn mehrere Blutkonserven vorgehalten werden müssen“, berichtet Michael Forst für die beiden Einrichtungen. Dramatisch könne das für Patienten mit schweren Bluterkrankungen sein, die dringend auf Spenden angewiesen sind und diese nicht bekommen können.

Blutspende in Bonn: Flexiblere Terminvergabe als Ausweg?

Damit in Zukunft Engpässe bei der Versorgung erst gar nicht entstehen, fordert Katharina Müller-Stromberg, dass nicht nur mehr Werbung fürs Blutspenden gemacht wird, sondern dass Termine flexibler als bisher angeboten werden. „Wochenenden und Abende eignen sich besonders für Berufstätige, die dann vielleicht eher zum Blutspenden gehen würden“, ist sie überzeugt. Der Sprecher des Johanniterkrankenhauses sieht ein weiteres Problem: „Die Corona-Regeln sind so komplex geworden, dass Blutspendeaktionen nicht mehr so einfach durchgeführt werden können. Die Logistik hat sich hier stark verkompliziert“, beklagt Michael Forst.

Die Pandemie hat jedoch nicht nur Auswirkungen auf die Bereitschaft zum Blutspenden. „Wir sehen ein ähnliches Problem bei den Vorsorgeuntersuchungen und den Krebsbehandlungen. Patientinnen und Patienten gehen nicht oder zu spät zum Arzt oder verschieben Operationen. Die Folgen sind mehr Fälle mit größeren Folgeschäden“, beobachtet Forst.