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Bonn: Wie die Krankenhäuser in Bonn ihre Patienten vor Diebstahl schützen

Immer aufmerksam sein : Wie die Krankenhäuser in Bonn ihre Patienten vor Diebstahl schützen

Diebe haben einen 86-jährigen Mann in seinem Krankenzimmer 485 Euro gestohlen. Der GA fragt nach, was Krankenhäuser tun, um Patienten vor Diebstahl zu schützen.

Gerade ins Krankenhaus kommen Menschen, wenn sie besonders verletzlich sind. Während die Gedanken vor allem um die eigene Gesundheit kreisen, ist ein Diebstahl das Letzte, womit man rechnet. So ist es Anfang Juni einem 86-Jährigen im St. Marien-Hospital ergangen, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Er hatte seine Geldbörse mit ins Krankenhaus gebracht, da er befürchtete, es könnte während seiner Zeit im Hospital in seine Wohnung eingebrochen werden. Im Nachttischschränkchen hatte er sie aufbewahrt. Irgendwann in der Nacht, so vermutet er, wurde sein Portemonnaie gestohlen. 485 Euro waren weg.

Dabei wird in Krankenhäusern in der Regel auf die Gefahr vor Diebstählen hingewiesen. „Ein Plakat der Polizei, das vor Diebstahl warnt, wurde an verschiedenen Stellen des Klinikums platziert“, teilt Viola Röser, Pressereferentin am Universitätsklinikum Bonn, dem GA mit. „Die Patientenzimmer in den Neubauten haben in den jeweiligen Patientenschränken auch ein zusätzliches, abschließbares Fach für Wertgegenstände.“ Auf Stationen, in denen es diese Fächer nicht gebe, könnten sogenannte Hoteltresore eingebaut werden. Auch wenn die Patienten aufgrund von Untersuchungen nicht auf ihrem Zimmer sind, müssen sie nicht fürchten, bestohlen zu werden. „Die Pflege schließt die Räume dann ab.“

Viele Krankenhäuser bieten abschließbare Tresore auf den Zimmer an, damit Wertgegenstände nicht gestohlen werden. Foto: dpa-tmn/Christin Klose

Unterstützung für den Betroffenen

Das Marien-Hospital bedauere es, „wenn bei einem Aufenthalt in unserer Klinik ein Wertgegenstand oder ein Geldbetrag abhandengekommen sein sollte“, antwortet eine Pressesprecherin auf Anfrage. „Sollte das der Fall sein, unterstützen wir selbstverständlich den Betroffenen dabei, den Verlust bei den zuständigen Behörden anzuzeigen.“ Um Diebstähle zu minimieren, werde den Patienten bei beziehungsweise vor der Aufnahme grundsätzlich empfohlen, möglichst keine oder nur wenige persönliche Wertsachen in die Klinik zu bringen. „Sollte dies nicht möglich sein […], so können unsere Patientinnen und Patienten in unseren Betriebsstätten St. Marien und St. Josef das abschließbare Wertfach in ihrem Kleiderschrank sowie spezielle Safes nutzen.“ Der Allgemeine Patientenverband fordert deshalb schärfere Kontrollen an den Eingängen. Laut der Sprecherin des Marienhospitals sei das nicht sinnvoll. „Nein, das ist aus unserer Sicht weder ethisch noch mit einem vertretbaren Aufwand praktisch umsetzbar.“

Im Malteser Krankenhaus auf der Hardthöhe nehme man das Thema Diebstahl sehr ernst. Auch dort werden die Patienten – soweit möglich – vor der Aufnahme darauf hingewiesen, am besten keine Wertgegenstände mitzubringen. Für unverzichtbare Gegenstände wie Handy oder kleine Geldbeträge bestehe die Möglichkeit, sie gegen Quittung in einem zentralen Tresor zu lagern, teilt Sprecherin Eva Lippert mit. „Zusätzlich haben wir einen Sicherheitsdienst beauftragt, der außerhalb der Besuchszeiten regelmäßige Rundgänge macht und beispielsweise überprüft, ob die Türen zum Haus verschlossen sind.“

Keine Erfassung in der Kriminalstatistik

Wie häufig Diebstähle in Krankenhäusern vorkommen, ist schwer zu sagen. In der Kriminalstatistik des Landes NRW werden sie nicht erfasst. Das sagt Michael Beyer, Pressesprecher der Bonner Polizei, dem GA. Zahlen für den Tatort Krankenhaus gebe es zwar, dort seien allerdings auch Diebstähle von Betäubungsmitteln und Krankenhausequipment mit einbezogen. Rückschlüsse, wie häufig die Diebstähle in den Bonner Krankenhäusern sind, lasse sich daraus nicht ablesen. Beyer könne aber sagen, dass die Zahlen in den vergangenen drei Jahren rückläufig sind.

Die Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen vertritt die insgesamt 342 Krankenhäuser mit ihren gut 265.000 Mitarbeitern. „Wir informieren die Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen regelmäßig und aus aktuellen Anlässen über dieses Thema“, sagt Michael Wacker vom Pressereferat der Gesellschaft. Die Krankenhäuser würden aber in dem Bereich der Diebstahlvorbeugung selbst aktiv. „Viele Krankenhäuser kooperieren dazu mit den örtlichen Polizeibehörden, die wiederum Patienten und Personal gezielt auf die Gefahren von Diebstahl auf den Stationen hinweist.“

Einlasskontrollen seien schwer durchführbar

Dabei sei der Zugang in die Krankenhäuser bewusst offen, um Besuche von Angehörigen und Freunden zu ermöglichen. Dies diene gleichzeitig auch wieder dem Patientenwohl. „Bei der hohen und unkontrollierten Zahl an Besuchern ist es nahezu unmöglich, fremde Personen bei einem professionellen Diebstahl zu erwischen“, sagt Michael Wacker.

Einlasskontrollen, wie es etwa der Allgemeine Patientenverband fordert, seien schwer durchführbar. „Solche Kontrollen sind mit einem hohen organisatorischen, finanziellen, personellen und verwaltungstechnischen Aufwand und einer zusätzlichen Belastung des Personals verbunden“, erklärt Wacker. „Für den Fall der Diebstahlprävention wäre diese Form allein kein ausreichendes Mittel, da sich die benannten Besucher im Haus immer noch relativ frei bewegen könnten, ohne dass der direkte Weg vom Eingang zum Patientenzimmer kontrolliert wird.“