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Singen in Corona-Zeiten: Bonner Chöre hoffen auf baldige gemeinsame Proben

Singen in Corona-Zeiten : Bonner Chöre hoffen auf baldige gemeinsame Proben

Die Bonner Chöre hoffen auf baldige Proben. Die Zeit des verbotenen gemeinsamen Singens hat Spuren hinterlassen. Es gab aber auch Zeichen der Hoffnung wie die Veröffentlichung von Musikvideos.

Singen verboten: Diese Ansage hat während der Corona-Pandemie immer wieder vor Augen geführt, wie sehr das Virus gesellschaftliche Strukturen beschädigt hat. Ob im vergangenen Sommer bei Open-Air-Konzerten oder in der Weihnachtszeit bei Gottesdiensten, stets war Schweigen das Gebot der Stunde. Vor allem die deutsche Chorlandschaft hat diese Einschränkung bis ins Mark getroffen. Jetzt, nach über einem Jahr, gibt es erstmals wieder eine Perspektive für gemeinsame Proben. Viele Bonner Chöre können es daher kaum erwarten, wieder zusammenzukommen – denn auch wenn viele von ihnen mit Online-Projekten und virtuellen Treffen die Zeit der Stille zu überbrücken versucht haben, kann das Digitale die persönliche Gemeinschaft einfach nicht ersetzen.

 Selbst kleine Ensembles wie diese vier Mitglieder des Bonner Jazzchors durften bislang nicht proben, geschweige denn auftreten. Doch so langsam gibt es Licht am Ende des Tunnels.
Selbst kleine Ensembles wie diese vier Mitglieder des Bonner Jazzchors durften bislang nicht proben, geschweige denn auftreten. Doch so langsam gibt es Licht am Ende des Tunnels. Foto: Thomas Kölsch

Dabei haben die Chöre nichts unversucht gelassen. „Wir treffen uns einmal pro Woche vor den Bildschirmen, können uns sehen und miteinander reden, aber aufgrund der Zeitverzögerung mit diesem Programm nicht zusammen singen“, erzählt Monika Görtz vom Bach-Chor. „Wir konnten nur proben, indem jeder sein Mikrofon stumm geschaltet hat – so haben wir nur den Chorleiter am Klavier gehört, der aber wiederum die Sängerinnen und Sänger nicht hören konnte. Das war nicht wirklich befriedigend.“ Dennoch habe der Chor so das Magnificat von Bach und Teile der Schubert-Messe in As-Dur einstudieren können. „Beide Werke sollen sowohl in Bonn als auch bei einem Konzert in der Kathedrale von Lausanne gemeinsam mit dem dortigen Bach-Chor aufgeführt werden. Ob die Reise dorthin noch in diesem Jahr stattfinden kann, ist aber mehr als fraglich.“

 Bis sich Chöre wieder zusammenschließen und vor vollen Kirchen oder in ausverkauften Theatern auftreten können (hier Chorus Cantate Domino, der Kammerchor an St. Adelheid und der Kammerchor Bad Godesberg bei einem Konzert von 2018), wird es noch ein wenig dauern. Doch die Sängerinnen und Sänger können es kaum erwarten.
Bis sich Chöre wieder zusammenschließen und vor vollen Kirchen oder in ausverkauften Theatern auftreten können (hier Chorus Cantate Domino, der Kammerchor an St. Adelheid und der Kammerchor Bad Godesberg bei einem Konzert von 2018), wird es noch ein wenig dauern. Doch die Sängerinnen und Sänger können es kaum erwarten. Foto: Thomas Kölsch

Bonner Jazzchor veröffentlicht Musikvideo

Mit den limitierten Möglichkeiten der digitalen Sphäre hatten alle Chöre ihre Probleme. Umso erstaunlicher sind die Ergebnisse. So hat der Bonner Jazzchor inzwischen nicht nur ein überaus professionell wirkendes Musikvideo zu dem Song „Fancy“ veröffentlicht, sondern auch eine Single mit dem dänischen Vokal-Ensemble „Lyt“ aufgenommen. „Im Oktober kam unser Chorleiter Andrea Figallo mit seinem mobilen Aufnahmestudio in unseren Proberaum und nahm jeden Sänger einzeln auf – natürlich mit erforderlichem Mindestabstand und allen anderen notwendigen Hygienemaßnahmen“, erklärt Pressesprecherin Liana Lehmhus. Und der Chor macht weiter: „Aktuell produzieren wir gerade ein Video zusammen mit einer Blaskapelle, das am 25. Juni veröffentlicht wird, und für den Sommer hat Andrea sogar noch eine weitere Veröffentlichung in Planung.“ Dennoch können es die Sängerinnen und Sänger kaum erwarten, sich wieder persönlich zu treffen. „Sobald wie möglich, werden wir Präsenzproben starten – jetzt, wo das Wetter besser werden soll, ist das ja auch schon sehr zeitnah im Freien möglich. Ansonsten haben wir im vergangenen Jahr ein tip top Hygieneteam im Chor etabliert, die ihren Job toll machen“, sagt Lehmhus.

Trotz der zahlreichen Bemühungen der Chöre, die Gemeinschaft am Leben zu erhalten, hat die erzwungene Auszeit Spuren hinterlassen. „Die Pandemie hat uns alle sehr erschüttert“, sagt Ekaterina Klewitz, die Leiterin des Kinder- und Jugendchores am Theater Bonn. „Ich beobachte bei den Kindern und Jugendlichen, dass sie sehr viel Energie im Kampf gegen einen unsichtbaren Feind verloren haben. Allerdings hatten wir das Glück, dass die Kinder und Jugendlichen zwischen dem ersten und zweiten Lockdown an den Produktionen 'Staatstheater' und 'Faust' mitwirken durften.“ Eine solche Chance hatte nicht jeder Chor. Gleichzeitig wird es bei manchen Vereinen, die seit mehr als einem Jahr keinen Auftritt mehr hatten, auch finanziell eng. „Die Corona-Pandemie könnte sich für viele Chöre, so auch für uns, als existenzielle Bedrohung erweisen“, schreibt Hans-Kurt Süßmilch, der Geschäftsführer des Bonner Shanty-Chores. „Es gibt schließlich feste Verpflichtungen wie zum Beispiel das Honorar des Chorleiters oder der Chorleiterin sowie gegebenenfalls Mietzahlungen für Proberäume, denen aber keine Einnahmen gegenüberstehen. Wir selber haben daher auch bei der Stadt Bonn um eine Mietaussetzung oder zumindest eine Mietminderung gebeten – leider ohne Erfolg.“ Dennoch wolle man sich nicht unterkriegen lassen, sondern sobald wie möglich wieder in die Probenarbeit einsteigen, zumal es bereits entsprechende Anfragen gebe. Mit diesen Perspektiven hält man auch noch die letzten Wochen durch, bis es irgendwann wieder heißt: Singen erwünscht.

Chor-Videos: Kinder- und Jugendchor des Theater Bonn, „Adiemus“: youtu.be/RO4P-HpbE-8, Bonner Jazzchor & Lyt, „Saint Cecilia“: youtu.be/qzmspHK6VZA