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Don Bosco Mission, Terres des Hommes und Andheri Hilfe: Bonner Organisationen starten Kampagne gegen Kinderarbeit

Don Bosco Mission, Terres des Hommes und Andheri Hilfe : Bonner Organisationen starten Kampagne gegen Kinderarbeit

Drei Bonner Entwicklungsorganisationen wollen mit einer Kampagne den Stadtrat und die Bürger gegen Produkte aus Kinderarbeit sensibilisieren. Diese steckt in vielen Lebensmitteln, Kosmetik, Autos, Haushaltsgeräten, Mode und Heimtextilien.

Drei Bonner Entwicklungsorganisationen haben im laufenden „UN-Jahr gegen ausbeuterische Kinderarbeit“ eine Kampagne gestartet: Es sind die Don Bosco Mission Bonn, die Bonner Gruppe von Terres des Hommes und die Andheri Hilfe. „Erstmals seit zwanzig Jahren ist die Zahl der arbeitenden Kinder gestiegen“, mahnt Lisa Stroetmann als Koordinatorin des Bonner Netzwerks für Entwicklung, dem insgesamt 60 Organisationen angehören. Die Folgen der Pandemie drohten jahrelange Bemühungen gegen Kinderarbeit zunichte zu machen und das UN-Ziel der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung („Sustainable Development Goal“) in weite Ferne zu rücken: nämlich jegliche Form der Ausbeutung von Kindern weltweit bis 2025 zu beenden. „Kinderarbeit findet häufig am Anfang von Lieferketten statt, und wir in Bonn sitzen als Konsumentinnen und Konsumenten am Ende“, betont Stroetmann.

Zum einen wolle man die Verwaltung und die Politik in die Pflicht nehmen. 2019 habe sich die Stadt bereits in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie das Ziel gesetzt, dass bis 2030 die öffentliche Beschaffung auf „Kriterien der Nachhaltigkeit“ basieren soll, erinnert Stroetmann. Als UN-Stadt und Standort vieler internationaler Hilfsorganisationen solle man da doch einen verbindlichen Aktionsplan erarbeiten und das Ziel zeitnah erreichen können. „Durch einen breiten Appell aus der Zivilgesellschaft wollen wir sicherstellen, dass in Zukunft in keinem von der Stadt Bonn beschafften Material Kinderarbeit und Menschenrechtsverletzungen zu finden sind“, sagt die Koordinatorin. Man plane im Herbst eine Veranstaltung mit Bonner Ratsmitgliedern, um die Politik und Verwaltung für das Thema weiter zu sensibilisieren und zum Handeln zu bewegen.

„Ausbeuterische Kinderarbeit ist die Kehrseite unserer globalisierten Wirtschaft“

Drei Projektbeispiele sollen dabei helfen. Für die vor über 50 Jahren von der Bonnerin Rosi Gollmann gegründete Andheri Hilfe berichtet Elvira Greiner von deren Indien-Projekten. Immer mehr Kindern müssten in illegalen Minen etwa in Jharkhand unter gefährlichen Bedingungen schuften. Und das nur, damit hierzulande glänzende Lippenstifte gekauft werden könnten. Jeder könne dagegen aktiv werden: und zwar „bewusster einkaufen und Organisationen unterstützen, die sich ernsthaft für faire Arbeitsbedingungen und ein Verbot von Kinderarbeit einsetzen“, so Greiner. Für die Don Bosco Mission berichtet Ulla Fricke von deren weltweiter präventiver Sozialarbeit und Armutsbekämpfung. „Ausbeuterische Kinderarbeit ist die Kehrseite unserer globalisierten Wirtschaft, mit viel zu geringen Löhnen für Kleinbauern und Fabrikarbeiter, die wir durch eine fehlgeleitete Subventionspolitik etwa im Bereich Agrarförderung noch verschlimmern“, erklärt Fricke.

Sabrina Dieter von Terre des Hommes, das weltweit armen Kindern Schul- und Berufsausbildung ermöglicht, erinnert daran, dass Kinderarbeit in vielen Lebensmitteln, Kosmetik, Autos, Haushaltsgeräten, in Mode und Heimtextilien stecke. Also greife man besser zu Produkten aus dem Fairen Handel oder mit seriösem Sozialsiegel. Prüfen möge man besonders Elektronik aufgrund der viel kritisierten Abbauweise in der Demokratischen Republik Kongo und allgemein Kosmetik und Spielzeug wegen des schädlichen Glimmer- oder Mica-Abbaus. Kinderarbeit verstecke sich vielfach in Textilien aus Indien sowie in Schokolade, die aus Kakaoabbau in Westafrika stamme. Es seien aber auch Politik und Wirtschaft in der Pflicht, die richtigen Rahmenbedingungen und Angebote zu schaffen, so Dieter. Wichtig sei es hier also, durch Petitionen und die Stimme bei der Bundestagswahl Initiativen und Gesetzesvorhaben wie das Lieferkettengesetz zu unterstützen.