1. Bonn
  2. Stadt Bonn

Einsatz für Farmarbeiterinnen: Bonner Oxfam-Mitarbeiterin hilft in Kapstadt

Einsatz für Farmarbeiterinnen : Bonner Oxfam-Mitarbeiterin hilft in Kapstadt

Die Bonner Oxfam-Mitarbeiterin Gabriele Sarteh ist von einer Hilfsaktion aus Kapstadt zurückgekehrt. Wenn Farmarbeiter in Südafrika Trauben ernten, sind sie gefährlichen Pestiziden schutzlos ausgesetzt.

In ihrem Leben ist Gabriele Sarteh bereits viel herum gekommen. Schon früh zog es die 1953 bei Oldenburg geborene Krankenschwester in die internationale Entwicklungszusammenarbeit. Aktuell kann sie von einem einwöchigen Einsatz in Südafrika berichten.

Es ist die bislang Jüngste einer langen Reihe von Stationen: Sei es beim Aufbau einer Kinderstation für ein liberisches Krankenhaus im Alter von 22 Jahren oder für ihre jährliche Gesundheitsschulung in Tansania – Sarteh hilft Menschen auf der ganzen Welt, damit sich ihre Lebensumstände verbessern. So kam sie vor elf Jahren nach Bonn. Ihr Ziel: die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) als neuer Arbeitgeber.

Als die heute 66-Jährige vor eineinhalb Jahren in den wohlverdienten Ruhestand ging, wurde sie auf den Oxfam-Shop in der Bonner Innenstadt aufmerksam. „Dann habe ich mich dort einfach vorgestellt: 'Hallo, da bin ich!'“, erinnert sie sich. Seitdem kümmert sich Gabriele Sarteh um die Bücherabteilung im Laden an der Oxfordstraße.

In dem Geschäft liegen neben verschiedenen Artikeln oft auch Unterschriftenlisten und Faltblätter über Kampagnen für die Kunden bereit. „Die Geschäftsleitung bat mich irgendwann mal, mich auch um die Kampagnen zu kümmern“, sagt die Helferin. So kam Sarteh an ihre neue Aufgabe. Bei ihrer Arbeit stieß sie Anfang dieses Jahres auf das Oxfam-Projekt „Gift auf Wein, das lass' sein“ und fand daran direkt Interesse.

Darum geht es: Wenn Farmarbeiter in Südafrika Trauben ernten, sind sie gefährlichen Pestiziden schutzlos ausgesetzt. Häufige Folgen sind Atembeschwerden und Hautkrankheiten. Oft werden sie so krank, dass sie nicht mehr arbeiten können. Von den Pestiziden, die in Südafrika eingesetzt werden, sind 67 in der EU verboten, weil sie zu gefährlich für Mensch und Umwelt sind.

Unterschriften kamen aus ganz Deutschland

Die Oxfam-Partnerorganisation „Women on Farms Project“ setzt sich vor Ort für ein Verbot von Pestiziden ein. In einer zwölfwöchigen Kampagne sammelte Oxfam Deutschland Unterschriften von Menschen aus ganz Deutschland, die diese Aktion damit unterstützen. Anschließend sollten die Unterschriften Politikern in Kapstadt überreicht werden. Mit dabei sein sollte auch einer von 3400 ehrenamtlichen Oxfam-Shop-Mitarbeitern aus Deutschland. Die Bonnerin Gabriele Sarteh bewarb sich und wurde schließlich ausgewählt.

Insgesamt eine Woche Ende August weilte die Bonnerin in Südafrika und besuchte verschiedene Farmen, um mit den überwiegend weiblichen Arbeitern ins Gespräch zu kommen. Am meisten beeindruckt habe sie dort der Umgang der Frauen mit ihrer Situation. „Die sind alle so willensstark und überwältigend zuversichtlich!“, erinnert sich Gabriele Sarteh.

Höhepunkt der Reise war eine Demonstration mit 250 Farm-Arbeiterinnen durch Kapstadt. Nachdem es mit Bannern und lautem Gesang etwa eine Stunde durch die Metropole ging, erreichte der Protestzug das Parlamentsgebäude. Gemeinsam mit den Arbeiterinnen übergab sie dem südafrikanischen Arbeitsministerium die 29 302 deutschen Unterschriften. Der Minister persönlich werde sich der Petition annehmen, hieß es später aus dem Ministerium.

Zurück in Deutschland denkt Sarteh nicht ans Aufhören. Anfang November geht es für eine andere Hilfsaktion nach Kairo. Nächstes Frühjahr wieder nach Tansania. Von der Reise nach Südafrika habe sie vor allem mitgenommen, dass sich ehrenamtliche Arbeit lohnt. „Die Arbeiterinnen haben sich ganz oft bei uns bedankt. Man bekommt immer etwas zurück. Und jeder kann mitmachen!“, ermutigt die 66-Jährige zum sozialen Engagement. Die vielen Reisen stecke Gabriele Sarteh übrigens ohne Probleme weg. Dem täglichen Fahrradfahren – gewissermaßen als Ausgleich für ihre vielen Flüge – sei Dank.