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"Acinetobacter baumanii": Gefährlicher Keim in der Uniklinik entdeckt

"Acinetobacter baumanii" : Gefährlicher Keim in der Uniklinik entdeckt

In der chirurgischen Intensivstation des Bonner Universitätsklinikums ist am Donnerstag ein gefährlicher Krankenhauskeim entdeckt worden. Nach Angaben von Mitarbeitern des Klinikums handelt es sich dabei um den Keim "Acinetobacter baumanii".

Er soll laut Ärztezeitung zu den gefährlichsten Neuankömmlingen unter den Krankenhauskeimen gehören. Bei den oft tödlichen Infektionen seien nur wenige Antibiotika wirksam, die Eliminierung sei sehr aufwendig. Mitarbeiter des Klinikums berichteten, dass die Station nach der Entdeckung gesperrt wurde.

Lediglich diejenigen, die vom Keim infiziert gewesen seien, wären auf der Station geblieben, von draußen hätte jedoch kein Patient mehr auf die Station gedurft. Außerdem sei angeordnet worden, dass der Aufwachraum im Operativen Zentrum (OPZ) in ein zweites Intermediate Care Zentrum, eine Überwachungsstation, umfunktioniert wurde.

Auf den Gängen hätten sich "Dramen" abgespielt, die Mitarbeiter seien mit der Situation vollkommen überfordert gewesen. "Das ist eine Katastrophe, ich habe so etwas noch nie erlebt", heißt es aus Mitarbeiterkreisen.

Martin Exner, Direktor des Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit und Mitglied der Kommission für Krankenhaushygiene des Robert-Koch-Institus, bestätigte am Freitagabend den Fund des Keims. Er sei bei routinemäßigen und vom Robert-Koch-Institut empfohlenen mikrobiologischen Überwachungen entdeckt worden.

Betroffen seien sechs Patienten, bei zweien davon gebe es Hinweise auf eine Infektion, bei den anderen sei lediglich die "symptomlose Kolonisation" festgestellt worden.

"Wie gefährlich der Keim ist, hängt vom Zustand des Patienten ab", sagte Exner. Für abwehrgeschwächte Patienten sei der Keim gefährlich. Alle Betroffenen seien isoliert worden, die Zimmer, in denen sie untergebracht waren, wurden desinfiziert.

Eine Gefährdung für andere Patienten sieht Exner nicht. "Wir werden die Situation einige Tage beobachten. Wenn wir sehen, dass die Maßnahmen greifen, werden wir sukzessive den Normalbetrieb aufnehmen", sagte er dem GA.