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Natürlicher Klimaretter: Gemeinsame Anstrengungen in der Region für den Wald der Zukunft

Natürlicher Klimaretter : Gemeinsame Anstrengungen in der Region für den Wald der Zukunft

Bürger in der Region können sich Anfang Dezember für die Aktion „Zukunftswald“ einsetzen. Im Kottenforst werden dann gemeinsam junge Rotbuchen, Traubeneichen und Vogelkirschen gepflanzt.

Der Wald ist ein echtes Multi-Talent. Er bietet Lebensraum für Tiere und Pflanzen, Naherholung für Menschen und produziert nachhaltig Holz. Aber vor allem ist der Wald der größte Klimaschützer in unserem Land. Er stellt eine enorm wichtige Kohlenstoffsenke dar. Bäume, Waldboden und langlebige Holzprodukte speichern über viele Jahre große Mengen an CO2. Der Wald versorgt zudem Lebewesen mit ausreichend Sauerstoff, Holz und Wasser.

Diese Leistungsbilanz gewinnt in jüngster Zeit immer mehr an Bedeutung, weil die Auswirkungen des Klimawandels von Jahr zu Jahr spürbarer werden. In den beiden zurückliegenden Sommern haben viele Menschen wegen der Hitze den Wald als temporären Zufluchtsort gewählt: Im Wald ist es kühl, die Luft ist feuchter, die Baumkronen schützen vor Sonneneinstrahlung. Der Wald gewinnt als natürliche Klimaanlage immer mehr an Bedeutung.

Sturm, Dürre und Borkenkäfer haben vor allem dem Nadelwald arg zugesetzt. Wer in den vergangenen Wochen in Eifel und Kottenforst zu Fuß unterwegs war, hat traurige Anblicke gesammelt. Mit Fichten bewaldete Hänge und Parzellen ließen den beliebten Farbton „Tannengrün“ vermissen. Stattdessen überwiegt die Farbe Braun. Die Lebensadern der Fichten sind ausgesaugt – vom Borkenkäfer. Die heißen Sommer sind ein Grund für den rasanten Populationsanstieg des Schädlings.

Maßnahmen gegen die Folgen des Klimawandels

Wie reagiert man am besten auf die Folgen des Klimawandels? Wie genau verändert sich das Klima in welcher Zeit? Welche Baumarten sind widerstandsfähig genug? Auf diese Fragen gibt es derzeit nur wenige Antworten. Auch die Forstwirtschaft rätselt. Der Mischwald kann eine Lösung sein. Aber welche Baumarten tatsächlich zukunftsfähig sind, werden erst die nächsten Generationen beurteilen können.

Als Privatperson stellt man sich die Frage: Was kann ich als Einzelner für den arg strapazierten Wald und für meine Umwelt insgesamt tun? Plastikverbrauch reduzieren, Energie sparen, Ernährung umstellen, die eigene Mobilität hinterfragen – da gibt es viele sinnvolle Ansätze. Aber Hilfe für den Wald, wie kann die aussehen? Einen Baum im eigenen Garten pflanzen wäre eine Möglichkeit. Ein Baum ist besser als kein Baum – aber hilft ein einzelner Baum wirklich weiter?

Kann man einfach Bäume im Wald pflanzen?

Also begebe ich mich auf die Suche nach einer geeigneten Fläche. Dort einen Baum zu pflanzen, wo die Folgen des Klimawandels Bäume zu Tausenden haben absterben lassen, erscheint mir ein guter Ansatz zu sein. Dann kommen doch Zweifel auf. Darf man einfach einen Baum im Wald pflanzen? Meine Recherche führt zu folgendem Ergebnis: Nein, man darf es nicht. Gründe werden mir auch direkt genannt: Standort für die Pflanzung, Wahl der Baumart und auch die Tatsache, dass nicht jeder mit einem Spaten quer durch den Wald laufen darf, um ein ihn ansprechendes Plätzchen für einen Baum zu finden, sprechen dafür, sich von Fachleuten vorher beraten zu lassen.

An hilfsbereiten und tatkräftigen Unterstützern scheint es jedenfalls nicht zu mangeln. Das für diese Region zuständige Forstamt registriert seit geraumer Zeit viele Anfragen aus der Stadtgesellschaft. „Viele Personen und Firmen wollen Geld für neue Waldbäume spenden. Diese Initiativen müssen aber gebündelt und strukturiert werden, damit man dem Wald tatsächliche wirkungsvolle Hilfe zukommen lässt“, erklärt Uwe Schölmerich, Leiter des Regionalforstamts Rhein-Sieg-Erft.

Damit die Nachfragen von Bürgern, Vereinen und Firmen nicht im Sande verlaufen, hat sich das Forstamt entschieden die „Aktion Zukunftswald“ zu starten. Auf ehemaligen Fichtenwaldflächen, die jetzt durch den Borkenkäferbefall kahl im Wald liegen, sollen die vielen Waldretter zum Einsatz kommen. Als Testperson kam ich gerade zum richtigen Zeitpunkt: Uwe Schölmerich packte junge Bäume, Spaten, Handschuhe und Gummistiefel in den Dienstwagen. Dann ging es raus in den Wald. Nahe Ippendorf wurde es sportlich: Ich sollte sieben Jungbäume spatentief einpflanzen. Meine wärmende Jacke zog ich schon beim zweiten Baum aus. Nach einer Stunde war das Werk vollbracht. T-Shirt nass, Bäume im Boden: Ich war mit mir zufrieden und werde mir im Frühjahr anschauen, ob die Setzlinge den Winter überstanden haben und frisches Grün austreiben.

Pflanzaktion „Zukunftswald“

Die Förster haben für die groß angelegte Pflanzaktion „Zukunftswald“ in Baumschulen Tausende junger Bäume gekauft, die von den Umweltaktivisten in den Waldboden gepflanzt werden sollen. Ein erster Termin steht auch schon fest: Am Samstag, 7. Dezember, können die Bürger in der Region sich für den Zukunftswald einsetzen. Von 11 bis 15 Uhr werden im Kottenforst junge Rotbuchen, Traubeneichen und Vogelkirschen gepflanzt. Betreut wird die Aktion von den beiden Förstern Jan-Valentin Wiesmeyer und Wolfgang Bongardt. Er und seine Kollegen werden die Pflanzteams anleiten und zeigen, wie man einen jungen Baum richtig in den Waldboden pflanzt.

Jeder, der mitmachen will, soll einen Spaten, Handschuhe und festes Schuhwerk mitbringen. Bei gutem Wetter heißt das Ziel: 1000 junge Bäume – allesamt drei Jahre alt und bis zu 1,30 Meter hoch – sollen am 7. Dezember spatentief in den Waldboden gepflanzt werden. „Die Bäume werden wir bereithalten. Jede Person kann so viele Bäume erwerben, wie sie mag. Sollten aus Zeitgründen nicht alle Jungpflanzen, die erworben wurden, gepflanzt werden können, werden das unsere Waldarbeiter zu einem späteren Zeitpunkt übernehmen“, sagte Forstamtsleiter Schölmerich. Wer mitmachen will, muss sich unter Rhein-Sieg-Erft@wald-und-holz.nrw.de anmelden und bekommt dann eine Mail mit dem Treffpunkt. „Es wird nicht der letzte Termin sein, sondern erst mal ein Versuchsballon. Bis Ende März 2020 werden wir je nach Nachfrage noch nachlegen“, so Schölmerich.

Leitfaden für die Wiederaufforstung

Aber auch für private Waldbesitzer hat der Landesbetrieb Wald und Holz einen Leitfaden für die Wiederaufforstung der Kahlflächen vorbereitet. Die Forstexperten haben als Grundlage für ihre Empfehlungen eine durchschnittliche Klimaerwärmung von ein bis drei Grad Celsius und einen Rückgang des Niederschlags von zehn Prozent angenommen. Vorausgesetzt, die Klima- und Wassermengenprognosen treten ein, empfehlen sie, abhängig von Boden und Standort, Bergahorn, Douglasie, Esskastanie, Europäische Lärche, Esche, Fichte, Große Küstentanne, Rotbuche, Stieleiche und Traubeneiche zu pflanzen. Diese „wertschaffenden Baumarten“ sollen in kleinen Gruppen gemischt in den Boden gebracht werden.

Wer darüber hinaus noch mehr über das neue Waldbaukonzept NRW erfahren will, kann das im Internet tun.