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Naturzentrum an der ehemaligen Stadtgärtnerei: Grüne Spielstadt in Dransdorf im Winterschlaf

Naturzentrum an der ehemaligen Stadtgärtnerei : Grüne Spielstadt in Dransdorf im Winterschlaf

Die Grüne Spielstadt ist ein Biotop am Rande der ehemaligen Stadtgärtnerei in Dransdorf. Das Areal mit den Weiden-Kunstwerken ist längst mehr als ein Insider-Tipp für Familien mit Kindern.

Es blüht und grünt nichts mehr, und trotzdem bleibt es in der Grünen Spielstadt beim bekannten Namen – obwohl Braune Spielstadt jetzt wohl passender wäre. Im Herbst und im Winter gibt es keine Besucher auf dem 4500 Quadratmeter großen Areal, das jeden Sommer an sechs Sonntagen geöffnet hat.

Bernd Assenmacher kommt trotzdem auch im Herbst regelmäßig vorbei, denn er ist der Betreuer dieses einzigartigen „Gartens“, der seit 2006 vom Wissenschaftsladen Bonn betrieben wird. Dort arbeitet der 55-Jährige auch. Im Herbst und Winter pflegt der gelernte Geograf das Gelände, schneidet Weiden zurück, räumt auf, sammelt Müll auf und sorgt dafür, dass alles trotz widriger Bedingungen in Form bleibt. Indian Summer ist angesagt. Die Blätter sind braun, das Laub fällt. Der Wind pfeift. Gemütlich ist anders.

Ganz anders ist die Atmosphäre im Sommer, da ist die Grüne Spielstadt vor allem bei Familien mit Kindern bekannt und beliebt. „Von dieser Zielgruppe wird das total gut angenommen“, sagt Assenmacher. „Wir haben an den sechs Offenen Sonntagen in diesem Jahr rund 1200 Besucher gehabt, schätze ich.“ Auch Kitas und OGS-Gruppen schätzen immer mal einen Tag im Grünen, an dem Umweltpädagogen den Kindern dann die Natur vor Augen führen.

Das abgeschlossene Gelände bietet viele Vorteile. Für Kinder ist es spannend, sie finden ungewohnte Objekte wie den Lehmbackofen, in dem im Sommer Brot und Pizza gebacken wird, den Klangbogen, der unterschiedliche Töne erzeugt. Die Kinder können überall herumlaufen, die Objekte ausprobieren, etwas Neues entdecken und sich verstecken. Eltern können die Mischung aus Kunst und Natur genießen und dürfen ihre Aufsichtspflicht ein bisschen zurückschrauben.

Kein Insidertipp mehr

Kein Wunder, dass Assenmacher sagt: „Aus dem Status eines Insidertipps ist die Grüne Spielstadt schon raus.“ Das Areal wird sogar vermietet, und es gab sogar schon einmal eine Hochzeitsfeier hier im Grünen. „Allerdings müssen die Mieter schon einen Draht zur Natur haben, sonst würden sie das nicht tun“, sagt der 55-Jährige und spricht von einer intimen Atmosphäre. Strom gibt es nicht, Trinkwasser auch nicht, das Wasser zum Bewässern der Pflanzen wird über einen Schlauch von der nahe gelegenen Biologischen Station herangeschafft. Zwei Dixi-Klos sorgen dafür, dass Besucher es länger als eine Stunde aushalten können. Als Mietpreis für das Gelände werden 50 bis 150 Euro pro Tag berechnet, Termine an Freitagen oder Samstagen im nächsten Frühjahr sind aber jetzt schon keine mehr zu bekommen.

Den Sommer wird man in der Grünen Spielstadt allerdings nicht nur in bester Erinnerung behalten. „Er war zu trocken, deshalb sind einige Weiden kaputtgegangen. Aber zum Jahreswechsel sollen neue gesetzt werden.“ Für die Weiden ist es ohnehin nicht der beste Standort, die mögen lieber sumpfigen Boden. Aber sie sind das prägende Element dieses Grundstücks, das als Expo-Projekt 2000 „Aus Hecken werden Häuser“ begonnen hat.

Längst sind nicht mehr alle Objekte von damals vorhanden, einige Weidenskulpturen trockneten ein oder werden nicht mehr so gepflegt – wie das „Grüne Klassenzimmer“, dessen Äste nicht mehr in Kuppelform geschnitten werden, weil sie zu groß gewachsen sind. Auch andere, wie der „Rock'n Roll-Baum“, sind so hoch gewachsen, dass er kaum noch Ähnlichkeit mit früheren Bildern hat.

Lehmbackofen, Lagerfeuerplatz und Kuppel-Unterstand

Das Zentrum der Grünen Spielstadt bilden neben dem Lehmbackofen auch der Lagerfeuerplatz und der Kuppel-Unterstand, wo man bei Regen Schutz suchen kann. Daneben das „Dransdorfer Klangei“, eine sieben Meter hohe und fünf Meter breite Eischale aus Naturbeton, errichtet von dem damaligen Kunststudenten Hans-Peter Rottler. Oder der Summstein. Steckt man den Kopf in eines der beiden hineingebohrten Löcher und summt, soll man das Rauschen der Welt darin hören können. Es gibt einen Insektenturm, ein Tipi aus Weiden, dem der Sommer aber auch den Rest gegeben hat, und in einem Wäldchen den „Sprung ins Glück“ genannten Sandhügel.

Aber es wächst vieles zu, vor allem mit Brombeeren. Deshalb ist Assenmacher froh, wenn jeden Frühjahr beim Ford Volunteers Day ehrenamtliche Helfer anrücken, um das Grundstück beizuschneiden. Für ihn ist das Gelände ein Ort, der sich im Vorbeigehen auf dem Spazierweg im Meßdorfer Feld gar nicht erfassen lässt. „Deshalb wissen die meisten nicht, was sich hinter dem unscheinbaren Tor verbirgt.“

Manche kommen auch illegal. Phasenweise gab es Vandalismus. „Da steigen Leute durch den Zaun ein, merken aber schnell, dass hier nichts zu holen ist“, so Assenmacher. Dementsprechend gebe es mehr Ärger durch Zerstörung als durch Diebstahl.