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Lokal in Bonn gibt es seit 1846: Kneipe Nolden in Endenich ist Treffpunkt vieler Kegelclubs

Lokal in Bonn gibt es seit 1846 : Kneipe Nolden in Endenich ist Treffpunkt vieler Kegelclubs

Während immer mehr Traditionsgasthäuser schließen, blickt die Kneipe Nolden in Endenich zuversichtlich in die Zukunft. Dort kommen immer häufiger neue Kegelclubs und Stammtische hin.

Immer mehr Traditionsgasthäuser schließen. Die Gründe sind unterschiedlich: Mal ist die Konkurrenz zu groß, mal findet der Wirt keinen Nachfolger. Das haben auch die Kegler der „Joode Junge“ zu spüren bekommen. Ihre Kneipe in Lengsdorf hat geschlossen – und so mussten sie sich ein Ausweichquartier suchen. Das fanden sie, wie schon viele andere, im benachbarten Endenich. „Der Nolden“ ist bei seinen Gästen sehr beliebt, zeigen zum Beispiel die Bewertungen im Internet. Was macht dieses Gasthaus richtig? Ein abendlicher Besuch im Nolden sollte helfen, diese Frage zu beantworten.

Der Abend beginnt an einem der rustikalen Tische im vorderen Bereich des Gasthauses. Für das Gespräch nimmt sich Seniorchef Hans Nolden viel Zeit, wie bei jedem seiner Gäste. Immer wenn er sich im Lokal aufhält, versucht er, alle persönlich zu begrüßen. „Das sehen die Leute einfach gerne, und schließlich sollen sie sich hier wohlfühlen“, erklärt er das Ritual. Ob dies gelingt, werden später die Gäste beurteilen. Fest steht aber, dass Nolden es schafft, Menschen an sich zu binden. „Wir haben hier überwiegend Stammkundschaft“, so der Seniorchef. Gerade deswegen seien die Erwartungen an das Gasthaus aber auch sehr hoch: Die Qualität des Essens und des Service dürften nicht abnehmen, gleichzeitig fielen Preissteigerungen direkt auf.

Dies zeigt, dass es für jedes Traditionsgasthaus eine Gratwanderung ist, innovativ zu sein und gleichzeitig seine Stammkundschaft nicht zu verlieren. Das Nolden scheint hierfür den richtigen Weg gefunden zu haben: Immerhin existiert es schon seit 1846. Im Jahr 1904 kaufte Peter Nolden, der Großvater von Hans, das Lokal. Seitdem ist es im Familienbesitz. Geführt wird es inzwischen in vierter Generation von Hans Noldens Tochter Sabine Nerkorn. Für Hans Nolden, welcher selbst von 1963 bis 1996 Geschäftsführer war, bedeutet diese lange Tradition vor allem: „Verpflichtung und Respekt gegenüber dem Gast, aber auch gegenüber dem, was die Familie geschaffen hat.“

Seniorchef Hans Nolden hat das Gasthaus mittlerweile an seine Tochter übergeben. Es ist seit Jahrzehnten im Familienbesitz. Foto: Benjamin Westhoff

Nicht nur der Seniorchef selbst, auch viele seiner Gäste gehören inzwischen fest zum Nolden dazu. Ein Beispiel stellt der Kegelclub „Weißer Flieder“ dar, gegründet im Jahr 1969. Schon zu dieser Zeit aßen die Mitglieder, damals noch Studenten, regelmäßig im Gasthaus. Inzwischen treffen sich die neun Mitglieder dort alle 14 Tage auch zum Kegeln auf einer der vier Bundeskegelbahnen des Nolden. Das Ehepaar Schrooten nimmt hierfür extra den weiten Weg aus Moers auf sich. „Hier ist einfach alles bodenständig: Die Küche, das Personal und die Eigentümer“, sagen sie. Für die Mitglieder des Kegelclubs bedeutet diese Bodenständigkeit und Traditionalität vor allem Gemütlichkeit.

Kneipe Nolden in Endenich ist Treffpunkt für Stammtische

Dies fällt auch dem Kegelclub „Joode Junge“ positiv auf, als er an diesem Abend das erste Mal im Nolden zu Gast ist. Der Grund: Die Stammkegelkneipen des Clubs haben zwischenzeitlich dicht gemacht. Die Neuen sind zufrieden: „Hier wird sehr an unser Wohl gedacht“, so Mitglied Michael. Herbert kann dem nur zustimmen: „Hier wird sich gekümmert.“ So steht einem gemütlichen Kegelabend nichts im Wege. Damit dieser ein voller Erfolg wird, hat der Club eine Regel, auf die streng geachtet wird: Das Handy bleibt in der Hosentasche. „Für die Geselligkeit“, sagt Michael und lacht.

Der Weg führt nun zurück von den Kegelbahnen in den Gastraum zu einem Stammtisch, wie es viele im Nolden gibt. An diesem hat auch Seniorchef Nolden inzwischen Platz genommen. Bereits seit mehr als 40 Jahren wird hier alle sieben Tage in verschiedensten Konstellationen über eine große Bandbreite von Themen diskutiert, sei es Sport oder Politik. Teilnahmepflicht besteht jedoch nicht: „Wer kütt, der kütt, wer nich kütt, bleibt zu Haus“, sagt Mitglied Hartmut Degner nüchtern. Gern gesehen, aber auch nicht obligatorisch ist der rheinische Dialekt. „Man hat immer einen lustigen Abend mit rheinischem Humor“, so Reinhard Thelen, der ebenfalls zum Stammtisch gehört. Was der Stammtisch am Nolden schätzt? „Hier ist es persönlich“, bringt es Degner auf den Punkt.

Der Grund für die Beliebtheit des Nolden liege am guten Essen, dies allein sei aber kein Alleinstellungsmerkmal in Bonn. Dass sich die Kegelclubs und Stammtische im Traditionsgasthaus wohlfühlen, ist vor allem der persönlich-gemütlichen Atmosphäre zu verdanken, die es für seine Gäste schafft. So ist die Hoffnung der Gäste dieselbe wie die von Hans Nolden: „Wir hoffen, dass es noch viele, viele Jahre so weitergeht.“