1. Bonn
  2. Stadt Bonn

Rat der Muslime in Bonn: Wie tief ist der Sprecher in der Salafistenszene verstrickt?

Rat der Muslime in Bonn : Wie tief ist der Sprecher in der Salafistenszene verstrickt?

Karim "Abu Ridwan" Lakhal ist nach GA-Informationen nicht allein deshalb in den Blick der nordrhein-westfälischen Sicherheitsbehörden geraten, weil er im Vorfeld einer vermeintlichen Benefizaktion für Syrien in Köln am Tag der Deutschen Einheit für die Veranstaltung öffentlich geworben hatte.

Einträge im Internet belegen zudem, dass er als einziger Ansprechpartner wenn nicht Hauptorganisator, dann zumindest Mitorganisator war. Auch hat Lakhal nach GA-Informationen eine offizielle Funktion im Vorstand des Vereins "Helfen in Not" inne, der zuletzt als offizieller Veranstalter der "Hilfsgalas" am 29. September in Herne und am 3. Oktober in Köln aufgetreten war.

Den Sicherheitsbehörden zufolge dienen die Veranstaltungen neben dem Spendensammeln auch der Pflege salafistischer Netzwerke. Gäste sind regelmäßig radikale Prediger wie Pierre Vogel. Wobei ein Islamismusexperte dem GA sagte, dass zwei Prediger, die in Köln angekündigt waren, den "Dschihad", den "Heiligen Krieg" propagieren.

Während auch am Montag Lakhal auf GA-Anfragen nicht reagierte und auch sonst kein Vertreter des Rats der Muslime zu erreichen war, forderte Oberbürgermeister Nimptsch öffentlich das muslimische Gremium, in dem unter anderem arabische Moscheen, die Deutsche Muslim-Liga Bonn und die Islamische Hochschulvereinigung Bonn vertreten sind, auf, sich von allen radikal-muslimischen, salafistischen Akteuren und Gruppen zu distanzieren.

Zudem, so erfuhr der GA, lud die Stadt Lakhal als Vertreter des Muslimrats von einem Treffen am Dienstag aus. Vertreter der einzelnen Moscheegemeinden und muslimischer Vereine aber seien - neben interreligiösen Dialogkreisen - zu der Vorstellung des neuen Präventionsprogramms "Wegweiser" durch das NRW-Innenministerium eingeladen.

In Justizkreisen wurde gestern der Bericht der WDR-Sendung "Westpol" bestätigt, wonach drei polizeibekannte Extremisten vom Rat der Muslime für die Seelsorge muslimischer Gefangener in der Justizvollzugsanstalt Rheinbach ausgesucht worden seien.

Vor dem Verein "Helfen in Not mit Sitz in Neuss hatte der Verfassungsschutz bereits vor einigen Wochen gewarnt. Der Behörde liegen Anhaltspunkte darüber vor, dass es sich bei "Helfen in Not" um eine extremistisch-salafistische Bewegung handelt, deren Zweck neben der Verbreitung islamistischer Propaganda auch die Rekrutierung von potenziellen Kämpfern für den "Dschihad" ist.

"Dies zeigt sich unter anderem deutlich in den bisherigen und angekündigten Benefizveranstaltungen, bei denen regelmäßig bekannte salafistische Prediger vortragen", sagte Burkhard Freier, Leiter des NRW-Verfassungsschutzes, dem GA. Der bekannt gewordene Inhalt der Vorträge sei teilweise nicht nur verfassungsfeindlich, "sondern auch geeignet, zu radikalisieren, indem er Gewalt befürwortet".

Der Vorstand des Vereins "Helfen in Not" sei dem Verfassungsschutz seit geraumer Zeit als Anhänger einer extremistischen Ideologie bekannt, so Freier. Darüber hinaus seien auch die Personen, die die vom Verein organisierten Hilfskonvois nach Syrien begleitet hätten, zum größten Teil fest eingebunden in die von den Behörden beobachteten salafistischen Szenen.

"Bei einigen von ihnen", so Freier, "ergaben sich sogar Hinweise auf die Absicht, sich an den Kämpfen auf Seiten salafistischer Rebellen zu beteiligen, was zu Ausreiseuntersagungen durch die Passbehörden geführt hat". Mit den Konvois würden zum Teil militärische Ausrüstungsgegenstände wie Schutzwesten und Nachtsichtgeräte in die syrischen Kampfgebiete der Salafisten transportiert.