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Kommentar zur Kontrolle von Lieferketten: Gut gemeint

Kommentar zur Kontrolle von Lieferketten : Gut gemeint

Drei Minister wollen größere deutsche Unternehmen gesetzlich zwingen, in ihren Lieferketten auf die Einhaltung von sozialen Arbeitsbedingungen und Umweltschutz zu achten. Das ist gut gemeint, kommentiert Birgit Marschall.

Kinderarbeit, Sklaverei, gesundheitsschädliche Arbeitsbedingungen – das sind Zustände in vielen ärmeren Ländern, die Unternehmen und Verbraucher im  reichen Industrieland Deutschland nicht mehr weiter dulden sollten. Dieser Zielsetzung der großen Koalition können sicher viele Bürger folgen. Umstritten ist nur der Weg, wie das Ziel der Einhaltung elementarer Menschenrechte im globalen Turbo-Kapitalismus erreicht werden kann.

Andere Industrieländer wie Frankreich, Großbritannien,  die Niederlande, Australien und selbst die USA haben eigene Gesetze erlassen, mit denen sie ihre Unternehmen verpflichten, beim Einkauf von Produkten auf die Wahrung von Menschenrechten und Umweltstandards zu achten. Denn freiwillige Selbstverpflichtungen der Unternehmen bringen aller Erfahrung nach nichts. Schließlich zieht ein Risikomanagement, das auch auf ethische Standards achten muss, deutlich mehr Kosten nach sich – daher verzichten viele darauf.

Wenn auch die Bundesregierung auf Fortschritte bei der Einhaltung der Menschenrechte in den Lieferketten drängt, ist das gut gemeint. Schließlich ist Deutschland nicht nur drittgrößter Exporteur, sondern auch drittgrößter Importeur der Welt. Deutsche Unternehmen haben deshalb großen Einfluss auf Produktionsbedingungen in Entwicklungsländern. Eine gesetzliche Sorgfaltspflicht  dürfte viele Unternehmen aber überfordern. Es wird ihnen in der Praxis kaum gelingen nachzuweisen, unter welchen Bedingungen ein Produkt hergestellt wurde. Oft sind Güter aus Hunderten Vorprodukten entstanden.  Nachzuweisen, dass jedes einzelne unter ethischen Bedingungen produziert wurde, ist kaum möglich. Und wo es möglich ist, bedeutete dies enormen bürokratischen Aufwand.