Kommentar : Parkgebühr

Die Europäische Zentralbank hat auf ihrer jüngsten Sitzung negative Zinsen ins Gespräch gebracht. Die könnte sie von Banken verlangen, die Geld bei der EZB parken.

Die Pläne für einen Minuszins der Zentralbanker um Mario Draghi erscheinen zwar ungewöhnlich. Tatsächlich würden die Währungshüter damit auch Neuland betreten. Andererseits fügen sie sich nahtlos in die bisherige Währungspolitik der Frankfurter.

Die Politik der Zentralbank ist seit mehr als fünf Jahren darauf ausgerichtet, die Märkte mit billigem Geld zu versorgen, um die Konjunktur in den Krisenstaaten wieder ans Laufen zu bringen und deren Schuldenprobleme zu mildern. Die Währungshüter stören sich schon lange daran, dass viele Banken die Milliarden aber lieber zur EZB zurückfluten als sie untereinander auszuleihen oder in den Wirtschaftskreislauf zu speisen. Deshalb liegt der Zinssatz für dieses bei der EZB freilich auch sicher geparkte Geld, der sogenannte Einlagensatz, auch schon bei null. Ein Minuszins wäre der nächste Schritt und käme einer Art Aufbewahrungsgebühr gleich.

Warum auch nicht? Die Zinsen sind der Preis fürs Geld. Wer Geld will, bietet Zinsen. Die Zentralbank will aber das Geld loswerden. Ein Negativzins ist da nur die logische Konsequenz.

Die Kernprobleme werden damit allerdings nicht gelöst: Das Vertrauen der Banken untereinander bleibt gestört. Und die Krisenstaaten benötigen weitaus mehr Wachstumsimpulse als bloß die Bereitstellung von billigem Geld.