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Trauer um Heide Pawelzik: Kunst braucht die Stille

Trauer um Heide Pawelzik : Kunst braucht die Stille

Die Bonner Kunstpreisträgerin von 1987 Heide Pawelzik ist im Alter von 79 Jahren gestorben. Große Ausstellung zum Beethovenjahr im Frauenmuseum.

Ein zauberhafter Raum. Auf dem Boden liegen unzählige blaue, aufgeworfene, zerknittert wirkende Wachshäute. Sind es Meer, Wasser, Wellen, darauf treibende Kleidungsstücke, stumme Zeugen einer Katastrophe auf hoher See, Überreste eines gekenterten Flüchtlingsbootes? Heide Pawelziks Installation in St. Elisabeth in der Berliner Invalidenstraße löst sofort gedankliche Kettenreaktionen aus, wie alle ihre Installationen. Auf ihrer Homepage stellte sie der Dokumentation der Berliner Arbeit „Ohne Sprache“ (2018) eine Warnung zur Seite: „Wer immer sich dem Werk dieser Künstlerin widmet, wird Worte und schon gar Begriffe am besten außen vor lassen. Sonst verpasse man vielleicht das Beste, das Eigentliche.“

Wortlos staunen ist vielleicht der beste Zugang zu einem Werk, das mit Alltagsdingen operiert, die, von der Künstlerin in eine Ordnung gebracht und in ausgewählte Räume gestellt, ihre Wirkung entfalten.

Ausstellung zum Beethovenjahr

Wie jetzt bekannt wurde, ist Heide Pawelzik am Sonntag 79-jährig gestorben. Zuletzt lebte sie in Berlin und Frankreich. Ihre tiefsten Spuren aber hat Pawelzik in Bonn hinterlassen. „Die Kunst stirbt zuletzt“, war eine ihrer letzten Gruppenausstellungen – 2019 im Haus an der Redoute – überschrieben. In bester Erinnerung aber ist ihr Auftritt in der Schau „Beethoven und die Frage nach den Frauen“ im vergangenen Jahr im Bonner Frauenmuseum: Mit unzähligen verkohlten Geigen verarbeitete sie etwa frühkindliche negative Musikerfahrungen.

Marianne Pitzen, Chefin des Museums, erinnert sich, wie Pawelzik für ihre Installation „Wenn Geigen schweigen“ im Hof des Frauenmuseums einen Berg von Geigen verbrannte, „als hätte sie es geahnt, dass in Corona-Zeiten die Gesänge und Geigen verstummen würden“. Pitzen: „Sie traf in ihren Werken und mit der ihr eigenen Klarsichtigkeit eigentlich immer den Nerv der Zeit.“ Ihre Wachsamkeit habe in ihrer Arbeit aber nie zu Überfrachtung geführt: „Man könnte sagen, was in der Musik das absolute Gehör ist, das hatte sie in der Kunst: den absoluten Blick.“ Als typisches „Heide-Wort“ falle ihr ein: „Kunst braucht die Stille.“

Kunstpreis der Stadt Bonn

1987 war ein wichtiges Jahr in der Karriere der Künstlerin, die von 1963 bis 1970 an der Hochschule der Künste studiert hatte und Meisterschülerin des Malers Hann Trier war: Sie wurde mit dem Kunstpreis der Stadt Bonn ausgezeichnet. Seit der Zeit war sie sehr aktiv in Bonn, hatte viele Ausstellungen im Frauenmuseum und Kunstmuseum Bonn, im Künstlerforum und Bonner Kunstverein. Aber auch überregional war Pawelzik unterwegs. Immer wieder präsentierte sie sich mit der Ateliergemeinschaft „zart & zackig“.

2004 bekam sie die August Macke Medaille der Stadt Bonn fürs Lebenswerk. 2017 drehten Annelie Runge und Andreas Michels eine tolle Doku über die quirlige Gruppe „zart & zackig“. Pawelzig beschwört im Interview: „Ich hoffe, dass wir weitermachen – so lange wir leben, machen wir weiter.“ Am 28. März eröffnet „zart & zackig“ eine neue Ausstellung im Künstlerforum, das Frauenmuseum will Pawelzik eine eine Gedenkausstellung widmen.