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Alexander Kraus: Radio-Observatorium Effelsberg könnte bei weiteren Marsmissionen helfen

Alexander Kraus : Radio-Observatorium Effelsberg könnte bei weiteren Marsmissionen helfen

Radioteleskop Effelsberg: Forscher aus der Region haben an der jüngsten Landung auf dem Mars mitgewirkt. Der Chef des Radio-Observatoriums Effelsberg erzählt im Interview, wie es dazu kam.

Alexander Kraus aus Swisttal-Buschhoven ist Abteilungsleiter des Radio-Observatoriums Effelsberg, das zum Bonner Max-Planck-Institut für Radioastronomie gehört. Bei der jüngsten Marsmission der Nasa spielten er und seine Kollegen eine entscheidende Rolle: Ihr Signal half dem US-Rover „Perseverance“ bei einer sicheren Landung auf dem roten Planeten. Der im Juli 2020 vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral aus gestartete Roboter setzte am Donnerstag mit einem riskanten und mehrminütigen Manöver in einem bislang noch nie vor Ort untersuchten ausgetrockneten See namens „Jezero Crater“ auf. Im Gespräch mit GA-Redakteur Sven Westbrock erzählt Kraus, wie der Kontakt zur Nasa entstanden ist und von der nächsten Mission, die schon geplant ist.

Herr Kraus, welche Funktion erfüllt das Radioteleskop Effelsberg?

Alexander Kraus: Was wir messen, sind Radiosignale natürlichen Ursprungs aus dem Universum. Wir betreiben Grundlagenforschung und wollen wie alle Astronomen verstehen, wie das Universum funktioniert. In unserem Fall passiert das, indem wir Radiowellen aus dem All messen.

Was war Ihre Aufgabe bei der Marsmission?

Kraus: Das war ein bisschen anders als sonst. Da ging es um ein künstliches Signal, das der Marssonde, die die Nasa abgesetzt hat auf dem Mars. Wir sind gebeten worden von der Nasa, das Telemetrie-Signal beim Abstieg zu messen. Das Signal wird bei einer Wellenlänge von 74 Zentimetern ausgestrahlt, aus technischen Gründen. Für diese Wellenlänge hat die Nasa, die eigene Antennen betreibt, keine Empfangssysteme. Aus dem Grund sind wir und die Kollegen aus Green-Bank in West Virginia in den USA, die ein ähnlich großes Radioteleskop haben, gebeten worden, das Signal zu verfolgen. Als das Signal pünktlich erschien auf dem Display, wusste man, die Sonde lebt, hat die Reise gut überstanden. Und: Die Verschiebung des Signals beim Abstieg gibt uns eine Idee über das Abbremsen in der Atmosphäre, also wenn die Fallschirme aufgehen.

So eine Anfrage der Nasa ist ja nicht alltäglich. Wie ist der Kontakt zustande gekommen?

Kraus: Der Kontakt ist per E-Mail entstanden, schon vor einigen Jahren. Das ist nicht das erste Mal, dass wir das machen. Tatsächlich haben wir vor gut zwei Jahren bei der Vorgängersonde, das war die Insight-Mission, geholfen. Das Ganze ist dann auf kollegialer Basis relativ informell gelaufen. Wir können das technisch relativ einfach umsetzen und haben uns gefreut, helfen zu können.

Gibt es Pläne für die Zukunft, sodass sich Ihr Einsatz für die Nasa vielleicht noch mal wiederholt?

Kraus: Ich gehe davon aus, dass das passieren wird. Ich weiß nicht, wie genau die Nasa-Pläne sind. Aber ich weiß, dass die ESA (Europäische Weltraumorganisation, Anm. d. Red.) im nächsten Frühjahr, glaub ich, eine Sonde auf den Mars schicken möchte. Zumindest grundsätzlich hatten wir da auch schon die Anfrage, ob wir helfen können.