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Rheinische Redensarten: Hück kütt et Kresnixkind

Rheinische Redensarten : Hück kütt et Kresnixkind

Wir stellen schöne und sinntiefe rheinische Redewendungen vor. Diesmal: Hück kütt et Kresnixkind.

Hat eigentlich schon mal jemand erforscht, warum in der Erziehung die Mildtätigkeit gegenüber Kindern, also das Beschenken des Nachwuchses, immer an dessen Wohlverhalten geknüpft ist? Zugegeben, inzwischen sieht man das in der Mainstream-Erziehung nicht mehr ganz so eng, aber früher war die Voraussetzung für ein Geschenk, dass das Kind auch brav gewesen ist. Am besten das ganze Jahr. Und wenn das nicht der Fall war, gab es halt nichts, oder der Hans Muff holte die Rute raus und es gab Senge, also Prügel.

Heute gibt nur noch selten Senge

Diese Zeiten sind Gott sei Dank vorbei, aber dennoch gab es in vielen Familien den rheinischen Satz: „Hück kütt et Kresnixkind.“ Zu gut Hochdeutsch: Heute kommt das Kriegstnichtskind. Es war die – zugegebenermaßen augenzwinkernde – Drohung, dass man dieses Mal an Heiligabend leider leer ausgehe. Mit dem unausgesprochenen Subtext: Du hast es nicht verdient! Mein Onkel, der bekannt war für große Geschenke, hatte einmal meine Reaktion testen wollen und mir ein Minimalgeschenk überreicht und so getan, als sei es das schon gewesen.

Hin und her gerissen

Als Kind ist war ich hin und her gerissen. Ich wollte nicht unhöflich sein und war mir bewusst, dass man sich auch über kleine Geschenke anständig freuen sollte, aber ich wollte mir auch nicht die Blöße geben, auf einen primitiven Trick hereingefallen zu sein. Ich glaube, ich habe mich damals einfach gedanklich totgestellt und gar nicht reagiert. Irgendwann kam das eigentliche Geschenk, und der Schreckmoment war fürs erste vergessen. Ich kann mich aber immer noch sehr gut an diesen Weihnachtsabend erinnern.

Wortherkunft Weihnachten

Apropos Weihnachten: Eine der frühesten Belege für dieses Wort stammt aus einer Handschrift des 12. Jahrhunderts. Dort war die „wihe naht“ genannt, also die geweihte Nacht im Sinne von Heiliger Abend. Weihnacht und Heiligabend sind also bedeutungsgleiche Synonyme. Im Zentralrheinland um Köln sagt man im Dialekt „Chresdag“, während in Aachen und weiter nördlich „Chresmes“ verbreitet ist. Welches Wort auch immer man benutzt, in den vier Wochen vor dem Fest ist es ein regelmäßiger Gast.

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