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Jugendherberge Bad Honnef: Erste Flüchtlinge ziehen ein

Folgen der Corona-Pandemie : Flüchtlinge ziehen in die Jugendherberge Bad Honnef

In diesen Tagen ziehen die ersten Flüchtlinge in die Jugendherberge Bad Honnef ein. Das Land hat die zeitlich befristete Unterkunft bis Ende November angemietet.

Mehr als zehn Wochen stand die Jugendherberge Bad Honnef leer. Heute werden – erstmals seit Ausbruch der Corona-Pandemie – Zimmer des Hauses am Rande des Siebengebirges wieder bezogen. Aber nicht von Schülern, Jugendgruppen oder Wanderern vom nahen Rheinsteig, sondern von Flüchtlingen. Die Jugendherberge wird in den nächsten sechs Monaten als Flüchtlingsunterkunft des Landes Nordrhein-Westfalen dienen. Die Parkplätze vor dem Haus – rot-weiß abgeflattert, am Eingang Security, das sind die äußeren Zeichen dafür.

Die Bewohner auf Zeit kommen aus der Erstaufnahme Bonn und aus der Zentralen Unterbringungseinrichtung in Muffendorf. Derartige Liegenschaften wurden, nachdem wegen Corona für Kommunen ein Zuweisungsstopp einsetzte, voller. „Wir möchten eine Entzerrung vor Ort erreichen“, erläutert Jürgen Lubitz, Dezernent der Bezirksregierung Köln, um die Übertragung des Coronavirus zu minimieren. In die Jugendherberge ziehen Familien mit Kindern und Flüchtlinge mit Vorerkrankungen ein, bei denen eine Infektion mit dem Virus Sars-CoV-2 einen schweren Krankheitsverlauf nehmen kann.

Mietvertrag geht bis Ende November

Am Freitag vorvergangener Woche hatten die Herbergseltern, Uwe und Christiane Becker, erfahren, dass ihre Jugendherberge eine von fünf Einrichtungen des Jugendherbergsverbandes Rheinland ist, die das Land temporär als Flüchtlingsunterkunft nutzt. Montags informierte Becker die Belegschaft. Die Mannschaft war auf Kurzarbeit seit dem Corona-Aus am 13. März, sagt wie Becker auch Sven-Frédéric Zöller, Assistent der Herbergsleitung.

Alle 15 Mitarbeiter nahmen das Angebot an, für den Betreiber der Unterkunft zu arbeiten. Innerhalb einer Woche wurde die Herberge als Flüchtlingsunterkunft gerüstet. Becker: „Es ist der Wahnsinn, was wir geleistet haben. Das ist ja unbekanntes Terrain für uns. Aber das rettet uns auch ein Stück. Zehn der insgesamt 33 Jugendherbergen des Verbandes öffnen am Donnerstag vor Pfingsten, fünf werden Flüchtlingsunterkunft. Unsere Einnahme geht in das Solidarsystem unseres Jugendherbergsverbandes.“ Bis 28. November sei an die Bezirksregierung vermietet.

Jugendherberge ist als Flüchtlingsunterkunft gut geeignet

Bereits bei der Flüchtlingskrise 2015 wurde mit dem Jugendherbergswerk zusammengearbeitet. „Wir haben einen Rahmenvertrag geschlossen. Bad Honnef ist sehr gut geeignet – von der Größe und der Ausstattung her. Jedes Zimmer hat ein eigenes Bad im Unterschied zu zentralen Unterbringungseinrichtungen des Landes“, so Lubitz. Am Montag war die Abnahme. Sollten Schäden entstehen, werden die Kosten erstattet.

Aber nicht nur das Objekt punktet bei Lubitz. „Mitarbeiter von Jugendherbergen haben Erfahrung mit Unterbringung. Das Bestandspersonal kann sehr gut eingebunden werden, es wäre unfair, es auszubooten. Das Personal kennt das Haus am besten“, so der Dezernent. Bei einem Ortstermin wurden auch Vertreter der Stadtverwaltung und der Polizei informiert. Ein ausgeklügeltes Hygienekonzept wurde arrangiert. In Zimmern und Fluren wurden Bilder und alle Dekoration entfernt, Desinfektionsmittelspender aufgestellt. Die größte Veränderung zeigt sich im Speisesaal. „Wir haben die Lampen hochgezogen.“ Die Tische wurden auf Abstand gerückt. Auch auf der Terrasse stehen weniger Tische mit jeweils nur noch zwei Stühlen.

Die Essenausgabe hat sich komplett verändert. Becker: „In fünf, sechs Tagen haben wir das komplett umgebaut. Die künftigen Bewohner gehen einzeln ans Büffet nach einer bestimmten Zeitregelung.“ In einem gesonderten Raum hinter Plexiglaswänden werden Speisen zur Auswahl stehen. Der Mitarbeiter der Küche, mit Maske und Handschuhen ausgerüstet, legt die Speisen auf den Teller, der dann durch eine Luke geschoben wird.

Im Bistro stehen Spielsachen für die Kinder

„In die Regale des Bistros haben wir Spielsachen für die Kinder geräumt“, so Becker. Das Bistro wurde aufgelöst. „Die Rezeption gibt es nicht mehr“, die Mitarbeiter werden andere Aufgaben übernehmen. Nur die drei Kochfrauen bleiben in ihrer Profession. Beckers Frau Christiane, von Beruf Betriebsleiterin, Hauswirtschafterin und Pädagogin, ist seit zweieinhalb Jahren Küchenleiterin. „Wir wissen noch nicht, woher unsere Flüchtlinge stammen. Aber wir haben in den Schulklassen auch viele Nationalitäten und sind mit anderen Essensgewohnheiten vertraut.“

Ein wohlwollender Umgang ist Becker wichtig – auch bei Problemen. „Wir sind bunt aufgestellt. Sven-Frédéric Zöller spricht neben Englisch auch Französisch, ein Mitarbeiter Türkisch“, sagt er. Aber Sprachmittler sind ohnehin im Haus wie auch medizinische Betreuung. Jürgen Lubitz: „Die Menschen werden hier nicht alleingelassen.“

Der Sicherheitsdienst für das Übergangsheim ist eingerichtet

Auf einem Tisch im Foyer legt eine Mitarbeiterin Blätter mit Hygieneinfos und Fahrplänen für Bus und Bahn aus. Das Rauchverbotsschild am Eingang bleibt – Rauchen ist nur in der überdachten Grillhütte erlaubt, neben dem Büro der Security, die auch den Eingang überwacht. Lubitz: „In Corona-Zeiten darf hier keiner rein außer den Mitarbeitern und Flüchtlingen.“ Das Gelände mit den vielen Sitzgelegenheiten und dem prallen Grün überall ist umzäunt. Im hinteren Bereich wird der Zaun um einen Bauzaun verstärkt, damit Kinder beim Spielen nicht darüber klettern können. „Die Leute sind nicht eingesperrt, aber wir müssen wissen, wie viele im Haus sind, zum Beispiel bei einem Feuerwehreinsatz. Deshalb gibt es nur einen Eingang“, erläutert Lubitz. Becker: „Unser Ziel ist es, dass die Flüchtlinge, wenn sie gehen, sagen: ,Es war super hier!‘“ Der Herbergsvater wird in den nächsten Monaten aber auch von 9 bis 13 Uhr das Jugendherbergstelefon betreuen – und hoffentlich viele Buchungen für 2021 entgegennehmen.