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Interview mit Michael Scharf: Neuer Chef für den Bonner Sport gesucht

Interview mit Michael Scharf : Neuer Chef für den Bonner Sport gesucht

Michael Scharf gibt im Mai 2019 auf der nächsten Mitgliederversammlung des Stadtsportbundes Bonn den Vorsitz ab. Hintergrund ist sein Wechsel vom Olympiastützpunkt Rheinland in Köln zum Landessportbund nach Duisburg.

Herr Scharf, können Sie den Stadtsportbund alleinlassen?

Michael Scharf: Kann ich. Ich habe meine Mitstreiter vor zwei Monaten über meine Pläne informiert. Die Kollegen im Olympiastützpunkt übrigens auch. Der Stadtsportbund ist vorbereitet und hat bei der Suche nach einem Nachfolger genügend Zeit.

Sie sind doch eigentlich jemand, der seine Nachfolge selbst vorbereitet.

Scharf: Das wäre ein Fehler. Aber natürlich haben wir über ein Anforderungsprofil geredet.

Und?

Scharf: Es sollte kein Politiker sein, weil die immer irgendwie gebunden sind und keine Unabhängigkeit besitzen. Jemand aus der Wirtschaft, der zudem aus dem Bonner Sport kommt, wäre gut. Und ein Netzwerker sollte es sein.

Der eine oder andere Opern- oder Theaterfreund dürfte aufatmen, wenn Sie gehen.

Scharf: Ich bleibe Bonner und werde mich weiterhin zu Bonner Themen äußern. Wenn 2023 der Vertrag mit Generalintendant Bernhard Helmich ausläuft, ist die Oper sowieso out. Das ist doch nicht mehr zu bezahlen.

Sie ziehen also nicht nach Duisburg?

Scharf: Nein, vor allem wegen der Familie. Meine Eltern brauchen meine Hilfe.

Die Pendelei über die A3 kann quälend sein.

Scharf: Da bin ich schmerzfrei. Zur Not fahre ich morgens um 6 Uhr.

Beim Landessportbund führen Sie ab 1. September den Titel „Direktor Leistungssport“. Was hat man sich darunter vorzustellen?

Scharf: Das ist eine neue Position direkt unterhalb des Vorstands. Es geht zunächst darum, die drei Olympiastützpunkte Rheinland, Rhein-Ruhr und Westfalen unter das Dach des LSB zu führen.

Was heißt das für die Stützpunkte?

Scharf: Sie bleiben bestehen, werden aber künftig von Duisburg aus geführt. Es handelt sich um eine Umstrukturierung im Rahmen der Leistungssportreform.

Können Sie in wenigen Sätzen erklären, worum es sich bei der Leistungssportreform überhaupt handelt? Man ließt immer nur von „PotAS“.

Scharf: Potenzialanalysesystem – das ist das eine: eine wissenschaftliche Methode, die die Leistungssportförderung auf neue Füße stellt. Künftig werden die Verbände mehr zukunftsorientiert unterstützt. Das heißt, Fördergrundlage ist nicht mehr die Medaillenausbeute bei vergangenen Großereignissen, sondern die Erwartung für kommende. Das andere sind strukturelle Maßnahmen wie etwa eine neue Stützpunktstruktur.

Was tut ein Direktor Leistungssport den lieben langen Tag?

Scharf: Zuerst geht es für mich darum, 90 Mitarbeiter zu einem Team zusammenzufügen. Alles andere wird sich zeigen. Ich gehe das ergebnisoffen an.

Wäre es nicht möglich gewesen, den SSB-Vorsitz zu behalten?

Scharf: Ich höre ja nicht nur dort auf. Auch als Präsident der Modernen Fünfkämpfer, bei der Sparkassenstiftung, bei der Deutschen Olympischen Gesellschaft und und und. Ich möchte Situationen ausschließen, in denen ich im Prinzip an mehreren Seiten des Tisches sitzen könnte. Neudeutsch heißt das wohl Compliance.

Bestand diese Gefahr nicht auch als OSP-Leiter?

Scharf: Weniger. Ehe ich Fünfkampf-Präsident wurde, habe ich aber lange über diese Problematik nachdenken müssen. Der Unterschied ist, dass ich als OSP-Leiter ausschließlich Dienstleiter der Leistungssportler bin. Als Direktor Leistungssport beim LSB werde ich auch für diejenigen zuständig sein, die noch nicht im Leistungssport angekommen sind, von denen man das aber erwarten darf. Stellen Sie sich einen Eisberg vor: Noch arbeite ich nur an der Spitze, also über Wasser. Demnächst werde ich auch hinabtauchen müssen.

Wird der LSB Ihre letzte Station auf der Karriereleiter sein?

Scharf: Mir fehlt die Fantasie, um mir weitere vorzustellen. Ich bin jetzt 57 geworden.

Ihre Zeit beim Stadtsportbund ist noch nicht zu Ende – aber gibt es heute schon etwas, von dem Sie sagen: Darauf bin ich stolz?

Scharf: Dass wir den Sport in Bonn wieder zum Thema gemacht haben.