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Bad Godesberger wäre jetzt 100 Jahre alt: Architekt Peter Rieck prägte Bad Godesberg

Bad Godesberger wäre jetzt 100 Jahre alt : Architekt Peter Rieck prägte Bad Godesberg

Er schaffte es, auf einem abschüssigen Gelände eine neue Kirche zu bauen. Zudem ist er für zahlreiche Bauten in Bad Godesberg und auch anderen Teilen Bonns bekannt. Am 26. Februar wäre der 2001 verstorbene Architekt Peter Rieck 100 Jahre alt geworden.

Wie wohl auf einem so ungünstig geschnittenen Bauplatz wie dem am Lannesdorfer Kirchberg ein solides katholisches Gotteshaus errichtet werden konnte? Darüber zerbrachen sich die örtlichen Katholiken Anfang der 1960er Jahre den Kopf. Ihre bisherige Herz-Jesu-Kirche konnte wegen eklatanter baulicher Mängel nicht mehr instandgesetzt werden. Ein neues Herz Jesu musste auf dem abfallenden Gelände her, das zudem noch den Glockenturm integrieren sollte. Aber man hatte in der Gemeinde ja den geeigneten Architekten gleich an der Hand: den weit über Godesberg hinaus bekannten Diplomingenieur Peter Rieck, der sich der Gemeinde durch seine jahrzehntelange Kirchenvorstandsarbeit ohnehin eng verbunden fühlte.

Rieck, der vor genau 100 Jahren am 26. Februar 1921 nur einen Katzensprung entfernt in Muffendorf geboren wurde, packte also an: 1977 stand die eindrucksvolle neue Herz-Jesu-Kirche und mit ihr vis-à-vis das neue Pfarrheim, der Kindergarten, das Pfarrhaus und die Bücherei gleich dazu. Rieck ließ in Sichtbeton bauen und einen breiten Kircheninnenraum mit Empore für 370 Gläubige sowie eine Unterkirche entstehen. Die Herzen nicht nur der Lannesdorfer hatte er damit auf jeden Fall für sich eingenommen. Im März 1998 konnte Rieck als 76-Jähriger im Pfarrheim für seine herausragenden Gemeindedienste denn auch gerührt den päpstlichen Orden Pro Ecclesia et Pontifice entgegennehmen.

Dabei war der Mann, der am Aschermittwoch 2001 kurz nach seinem 80. Geburtstag sterben sollte, in der gesamten Erzdiözese für seine Architektur bekannt. Rieck hatte nach dem Abitur am Aloisiuskolleg an der Technischen Hochschule Aachen studiert und sich 1951 in seiner Heimatstadt selbstständig gemacht. Besonders interessierte ihn schon immer der Sakralbau. Und so schenkte oder restaurierte er Godesberg in seinen arbeitsreichen Architektenjahrzehnten zahlreiche Bauten. Vor Herz Jesu in Lannesdorf hatte er den Pennenfeldern bis 1967 schon in rotem Ziegelstein ihre Kirche St. Albertus Magnus nebst Pfarrheim, Kindergarten und Bücherei hingestellt. Bis 1973 folgte passend dazu die Errichtung der ehemaligen Missionszentrale der Franziskaner gleich gegenüber.

Rieck schaffte die überaus komplizierte Umgestaltung und Erweiterung der Herz-Jesu-Kirche an der Beethovenallee. Er ließ das neugotische St. Martin in Muffendorf ebenso restaurieren wie St. Andreas in Rüngsdorf und St. Marien im Zentrum. Dessen von einem Erdbeben gefährdeten Turm konnte er sogar in einer spektakulären Aktion retten.

Auf Riecks Konto gingen zahlreiche Profanbauten wie die heutige Friedrich-List-Berufsschule, Kindergärten und Privathäuser. Er war aber auch außerhalb Godesbergs in Ippendorf, Dottendorf und Beuel, in Wachtberg und letztlich in der gesamten Region architektonisch unterwegs. Neben seiner Gemeindekirche war ihm laut Auskunft seines Sohnes Michael Rieck aber auch ein weiteres Projekt besonders wichtig: Rieck durfte die gründliche Wiederherstellung der berühmten Klosterbasilika Maria Laach leiten.