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Muffendorf und Heiderhof: „Schlangenbus“ und „Freio“

Muffendorf und Heiderhof : „Schlangenbus“ und „Freio“

Wer Gelenkbusse als „Schlangenbusse“ bezeichnet, ist wahrscheinlich noch jugendlich, lebt in Heiderhof und würde über sich selbst sagen, er wohne „auf dem Heiderhof“.

Das sind zwei Ergebnisse des Vortrags „Heiderhof und Muffendorf – zwei rheinische Sprachgeschichten“ von Georg Cornelissen, Leiter der Abteilung Sprachforschung beim LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte, der am Mittwochabend rund 50 Zuhörer in die Immanuelkirche gelockt hat. Cornelissen, GA-Lesern bekannt aus der Serie „Sprechen Sie rheinisch?!“, ist selbst langjähriger Heiderhofer und begründete sein wissenschaftliches Interesse mit der aktuellen Forschungslage: „Bislang hat niemand versucht, eine Sprachgeschichte des Rheinlands zu schreiben.“

Während in früheren Zeiten Konsens über dessen Ausdehnung bestanden habe – alles, was zur preußischen Rheinprovinz gehörte – seien die regionalen Selbstbezeichnungen heute vielfältiger, etwa Niederrhein, Bergisches Land und Ruhrgebiet. Die Muffendorfer hätten zum Rheinländertum keine Alternative, die Heiderhofer hingegen könnten sich schon der Voreifel als zugehörig betrachten: „Wenn Sie die Steigung nicht mehr ohne E-Bike schaffen“, schlug Cornelissen scherzhaft als Abgrenzungskriterium vor.

Das ist nicht der einzige Unterschied, den der Linguist zwischen den beiden Dörfern herausstellte: Im Gegensatz zu den Heiderhofern hätten die Muffendorfer einen eigenen Dialekt. Schon der Name füge sich in das traditionelle rheinische Schema, einen Personennamen mit dem Begriff für „Gehöft“ zu verbinden, dessen früheste bekannte Form „thorp“ laute.

Schon im Jahr 888 finde „Moffendurp“ urkundliche Erwähnung, auf den Heiderhof sei erstmals 1550, als Heimat des Abts von Siegburg („uff des abts house“), schriftlich referiert worden, 1737 dann als „Heydenhof“. Cornelissen warnte davor, Ortsnamen in Anlehnung an moderne Begriffe zu erläutern, diese seien oft irreführend. Weder hätte das Bauteil „Muffe“ etwas mit Muffendorf zu tun, noch Ungläubige mit „Heydenhof“, im letzteren Fall sei vielmehr die Landschaftsform gemeint.

Die Benennung der Gemeinde und der örtlichen Straßen stieß auf Kritik, in den Sechzigerjahren habe man „mit Gewalt in die Moderne“ gewollt: „Der Name Heiderhof war eine bescheidene Idee, total einfallslos“, monierte Cornelissen und regte als Alternative an, lokale geografische Bezeichnungen, traditionelle Familiennamen und Dialektbegriffe als Inspirationsquelle heranzuziehen. Heiderhof solle demnach besser „Lüngsberg“ heißen, auch wenn dessen genaue Lage nicht leicht zu bestimmen sei.

Beim Vortrag brachten sich viele der heimatkundlich beschlagenen Besucher lebhaft ein, es gab Diskussionen und auch der Sprachwissenschaftler konnte noch etwas dazulernen. Der hiesige Begriff für den sicheren Ort beim Fangenspielen war wiederum den Zuhörern weitgehend unbekannt: „Freio. Das ist ein einmaliges rheinisches Wort“, schwärmte Cornelissen.