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Bonn-Beuel: Skatepark bekommt neue Hindernisse

Erweiterung beschlossen : Skatepark in Beuel bekommt neue Hindernisse

Der Bonner Stadtrat hat die Erweiterung des Skateparks beschlossen. 355.000 Euro fließen in die zweite Ausbaustufe. Mit zwei neuen Bowls und einer Niere wird die Anlage auch für ambitionierte Fahrer interessant.

Der Bonner Stadtrat hat die zweite Ausbauphase des bisher rund 900 Quadratmeter umfassenden Skateparks Bonn beschlossen. Das ging auch aus Sicht von Vertretern des Vereins SubCulture „überraschend schnell“, sagt dessen zweiter Vorsitzende Michael Simons (30). Neben der vorhandenen Street-Anlage, die Straßenelemente in der Betonlandschaft simuliert, steht nun die Erweiterung unter anderem um zwei Bowls („Schüsseln“) an.

Während die bisherige Anlage einen guten Einstieg in den Skatesport möglich macht und auch von BMX-Fahrern, Inlineskatern und Rolli-Fahrern gleichermaßen genutzt wird, mussten die nach sportlichen Herausforderungen suchenden Skater bislang mitunter bis nach Hagen oder Bremen fahren, um in Bowls zu fahren. Manche von ihnen verbrachten auch ihre Urlaube in den USA, wo in den Bowls genannten leeren Schwimmbecken das Skaten in den 1970er Jahren seinen Anfang nahm: schüsselförmige Pools, die im Gegensatz zu deutschen Schwimmbecken keine Ecken und Kanten besitzen.

Simons freut sich auf die beschlossene Erweiterung. „Das wird schon echt etwas Besonderes, was wir jetzt in Bonn bekommen“, sagt er. Für die Erweiterung mit zwei solchen Bowls – jeweils mit einem Durchmesser von etwa fünf Metern – und einem rund zwölf Meter langen Hindernis in Nierenform – werden 355.000 Euro veranschlagt. Dazu wird die Verwaltung Fördermittel des Landes NRW aus dem Sonderinvestitionsprogramm zur Förderung der Sportinfrastruktur für Städte und Gemeinden 2020/2021 beantragen. Zudem wird sich der Verein mit Eigenmitteln und -leistungen beteiligen. Der Baubeginn ist für das kommende Jahr geplant.

Skateboarden ist kaum mit etablierten Sportarten vergleichbar

Bevor im April 2018 auf dem Gelände der ehemaligen Jugendverkehrsschule am Landgrabenweg 150 der Skatepark eröffnet wurde, gab es über Bonn verteilt nur einige kleine Anlagen, die Simons allerdings als „unterste Schublade“ bezeichnet. Jedenfalls nichts, sagt er, was zum sportlichen Skaten getaugt hätte. Diese Möglichkeit eröffnete erst die 1987 gebaute Halfpipe in der linksrheinischen Rheinaue.

Das war auch das Gründungsjahr des SubCulture-Vereins, der sich seitdem mit Aktionen wie „Rettet die Rampe“ oder „Beton für Bonn“ für den Bau des Skateparks stark machte. Mit Erfolg. Und mit 340.000 Euro, die durch Zuschüsse aus den Förderrichtlinien der Bundesstadt Bonn und der Stiftung Jugendhilfe der Sparkasse sowie mit Eigenmitteln von SubCulture in Höhe von 70.000 Euro umgesetzt werden konnte.

Eine beachtliche Leistung, da Skateboarden kaum mit den etablierten Sportarten vergleichbar ist. Es fehlt an Ligen und Verbänden, die den Sport unterstützen und fördern könnten. Doch das Fehlen von Hie­rarchien wird im Selbstverständnis der Skater als Möglichkeit des individualisierten Lebensgefühls empfunden. Man ist der Aussteigermentalität von Surfern der Hippie-Kultur deutlicher verbunden als dem kommunalen Verbandssport. Zur Szene gehören auch Musik, Mode und Kunst. Und mit Graffiti werden nicht nur die Boards individualisiert. Im Skatepark schützt eine Wand den denkmalgeschützten Bau des Vereinsheims, um darauf das Sprühen mit der Farbdose zu erlernen.

Unterricht im Skate-College

Doch nicht nur Graffiti-Kurse gehören zum Angebot des Skateparks: Anfänger und Fortgeschrittene werden in einem Skate-College unterrichtet. Zudem gibt es Yogakurse, „Käpt’n Book“-Lesefeste und beispielsweise Flohmärkte auf der Anlage. Zudem teilt sich SubCulture das Vereinshaus mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC), der dort eine Fahrradwerkstatt unterhält.

Die Zusammenarbeit mit der Stadt beschreibt Simons übrigens als „super“. Das Lob gibt Markus Schmitz vom Bonner Presseamt aus Sicht des Sport- und Kulturdezernats zurück. „Mit dem Verein SubCulture ist es gelungen, die wachsende Sportart auch in Bonn stärker zu etablieren und den Bereich der ehemaligen Jugendverkehrsschule im Freizeitpark Rheinaue deutlich aufzuwerten“, teilt Schmitz mit.