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Bonn-Oberkassel: Powerfrau Rosi Linder ist bei vielen bekannt

GA-Serie: „Die andere Perspektive“ : Rosi Linder ist bei vielen in Oberkassel bekannt

Rosi Linder ist eine Powerfrau. Viele Aktionen in Oberkassel gehen auf ihr Konto. In der Schulzeit steht sie vormittags im Kiosk des Kalkuhl-Gymnasiums.

Es gibt viele Gründe, weshalb Roswitha Linder, die von allen nur liebevoll Rosi genannt wird, bei Tausenden Menschen in und um Oberkassel bekannt ist. Ein Grund ist das Ernst-Kalkuhl-Gymnasium, ein anderer hat mit Kultur in Oberkassel zu tun. Doch dazu gibt es zahlreiche Vorgeschichten.

Als 1995 zwei der Linder-Kinder die Gottfried-Kinkel-Schule in Oberkassel besuchten, kam sie auf die Idee, einen Flohmarkt mit Fahrradbasar auf dem Schulgelände zu organisieren - sie vorneweg mit der Idee, zahlreiche Helfer im Schlepptau. Dieser Flohmarkt zugunsten des Fördervereins war so erfolgreich, dass sie ein Jahr später, eins ihrer  Kinder besuchte inzwischen das Kalkuhl-Gymnasium, dort einen Flohmarkt mit Skibasar auf die Beine stellte. „Skibasar deshalb, weil es im Kalkuhl schon damals regelmäßig eine Skifreizeit gab“, erinnert Linder sich. Beide Basare wurden sehr gut angenommen, der eine, Gottfried-Kinkel-Schule, im Sommer, der andere, Kalkuhl, im Winter.

Weil es in der Gottfried-Kinkel-Schule noch keine Mittagsbetreuung gab, hat Rosi Linder sie 1996 mit drei weiteren Müttern gegründet. „Wir haben gestrichen, wir haben genäht, wir haben Spielzeug auf Flohmärkten besorgt und wir hatten sehr gute Unterstützung durch Schulleitung und Hausmeister“, berichtet sie. So ist dann auch der erste Weihnachtsmarkt in dieser Grundschule 1997 auf ihre Initiative zurückzuführen. „Aber ohne Unterstützung der Mütter und Väter wäre das nicht gegangen.“ Als ihre Kinder die Schule Richtung Kalkuhl verlassen hatten, schlief der Weihnachtsmarkt allerdings wieder ein.

Ideen, Organisationstalent und Mitstreiter

Ideen, Organisationstalent und begeisterte Mitstreiter hatte Rosi Linder jedoch immer. So, als sie 2008 in der Bücherei „Max und Moritz“ in Oberkassel, wiederum zusammen mit anderen Müttern, Glühwein für das Weihnachtslicht des General-Anzeigers verkaufte. Als sie 2014 im GA las, dass eine Familie Cremer aus Friesdorf dringend Geld für eine teure Delfintherapie für ihre behinderte Tochter benötigte, machte sie einen Köttzug durch Oberkassel. Denn Cremer war der beliebte Paketzusteller im Beueler Süden. Und noch eine Aktivität soll nicht verschwiegen werden: 2016 organisierte sie einen Weihnachtsmarkt auf ihrem eigenen Grundstück an der Langemarckstraße. Den Gewinn verteilte sie zu gleichen Teilen an den Fußballverein, an Radio Bonn/Rhein-Sieg und an das Haiti-Projekt des Kalkuhl-Gymnasiums.

„Und wieder haben alle, Bekannte und Freunde, mitgeholfen“, schwärmt sie noch heute. „Doch mich beschäftigten so viele andere Sachen, deshalb gab es keine Wiederholung.“ Erstmals im Protokoll der Vorbereitungsgruppe für die Oberkasseler Kulturtage erwähnt wird Roswitha Linder 1998. Klaus Großjohann, Franz-Erich Schmitz und Klaus Busch haben Rosi von Anfang an eingebunden, Kunst war ihr Thema. „Ich betreue die Künstler, die sich bei uns bewerben und bringe die richtigen Künstler mit den richtigen Räumlichkeiten in den Geschäften zusammen“ beschreibt sie ihre Tätigkeit. Weit über 100 Künstler hat sie in den Jahren kennengelernt und vermittelt.

Die 15. Kulturtage sind in Vorbereitung

Die mittlerweile 15. Kulturtage im kommenden Jahr, die im zweijährigen Turnus stattfinden, sind bereits in Vorbereitung. Ein Leben ohne Kultur könne sie sich nicht vorstellen. „Die Planung ist viel Arbeit, macht aber auch immer großen  Spaß“, resümiert Linder. Viel Arbeit hat Rosi Linder auch im „Lädchen“, dem Schulkiosk im ehemaligen Hühnerstall des Ernst-Kalkuhl-Gymnasiums, gefunden, in dem sie seit 2004 tätig ist. Antje Fingerhuth–Spindler, Chemie- und Mathematik-Lehrerin an der Schule, ist die offizielle Chefin des Lädchens, bei dem sich Schülerinnen und Schüler versorgen können. Rosi, genannt „Lädchen-Mutter“ oder „Frau Lädchen“ hat im Laufe der Jahre viele Jugendliche kennengelernt. „Einige kommen sogar nach ihrer Schulzeit noch vorbei, sodass ich einen großen Teil ihrer Entwicklung mitbekomme“, berichtet sie.

Auch als Beichtmutter oder als Seelsorgerin hat sie, genau wie ihre Mitstreiterinnen, eine wichtige Funktion. „Wir haben immer ein Ohr für die Schüler.“ Welche Anerkennung sie genießt, konnte sie im vergangenen Jahr bei ihrem 70. Geburtstag erfahren, denn nahezu alle Schülerinnen und Schüler haben ihre Geburtstagskarte unterschrieben. Einen Traum hat Rosi Linder noch: Sie würde gerne ein kleines Café in Oberkassel aufmachen, eines, bei dem es ein hervorragendes Frühstück und eine Plüscheinrichtung gibt. Ein entsprechendes Vorbild hat sie in Bad Godesberg gefunden. Auf das passende Haus an der Königswinterer Straße hat sie bereits ein Auge geworfen.