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Oberkasseler ermöglichen Delfintherapie: Ehrenamtliche sammeln für Tochter ihres ehemaligen Paketzustellers

Oberkasseler ermöglichen Delfintherapie : Ehrenamtliche sammeln für Tochter ihres ehemaligen Paketzustellers

"Den kenne ich doch", dachte Rosi Linder, als sie im Mai den General-Anzeiger aufschlug. Darin stand der Bericht über die Friesdorfer Familie Cremer, deren Tochter Laura seit ihrer Geburt stark behindert ist und eine teure Delfintherapie brauchte.

Auch Lauras Vater Marcus Cremer war auf dem Bild zu sehen. "Herr Cremer hat jahrelang bei uns in Oberkassel Pakete ausgefahren", sagt Linder. "Er war immer so sympathisch und bei allen beliebt." Vor anderthalb Jahren dann bekam er einen anderen Bezirk zugeteilt.

Dass aber Cremers 14 Jahre alte Tochter an einer Entwicklungsstörung leidet, die ihre Sprachfähigkeit beeinträchtigt und ihre verkrampften Finger nur schwer bewegen kann, davon habe er nie erzählt. In dem Bericht warb Holger Liczner, ein Freund der Familie und Gründer der Facebook-Gruppe "Du kommst aus Bad Godesberg, wenn..." im Godesberger Netzwerk um Spenden für die Familie.

"Auch wenn wir alle nicht bei Facebook sind: Ein Netzwerk gibt es in Oberkassel auch", dachte sich Linder und ging - einen selbst formulierten Flyer und den GA-Bericht im Gepäck - von Haus zu Haus, genauso Karin Abend. Nicht nur viele Spenden, auch zahlreiche Anekdoten über den sympathischen Paketzusteller, der acht Jahre durch Oberkassel fuhr, sammelte Linder dabei ein. "Viele erinnerten sich noch sehr gut an ihn und haben gespendet." 1100 Euro kamen so zusammen. Auf ihrer Oberkasseler Terrasse haben Linder und Abend nun die gesammelten Spenden an die Familie Cremer übergeben. "Ich bekomme Gänsehaut, wenn ich das höre", sagte Marcus Cremer.

Doch diese Übergabe war kein leichtes Unterfangen. Wochenlang versuchte Linder zunächst die Telefonnummer des Initiators Liczner herauszufinden, dann ihn zu erreichen, doch Liczner war im Urlaub. "Ich hätte nie gedacht, dass es so schwierig ist, Geld loszuwerden", sagte sie lachend.

Dank der zahlreichen Spenden, die bereits durch die Facebook-Aktion und den Bericht im General-Anzeiger zusammengekommen waren, konnten Laura und ihre Familie vor drei Wochen ins türkische Marmaris zu den Delfinen reisen. "Wir haben uns extra einen Ort ausgesucht, an dem die Tiere sehr, sehr gut behandelt werden", sagte Mutter Daniela.

Das Geld für die Therapie war dank der Kampagne auf Facebook und zahlreicher Spender zusammengekommen, darunter auch die Bürgerstiftung Bonn und ein anonymer Spender, der gleich die fehlenden 3000 Euro auf einmal überwiesen hat. "Wir sind überrascht und extrem dankbar für die Hilfsbereitschaft", sagte Daniela Cremer. Und die Spenden aus Oberkassel können die Cremers für die nächste Delfintherapie gut gebrauchen.