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Seniorenheime in Bonn: "Das ist eine missliche Situation"

Seniorenheime in Bonn : "Das ist eine missliche Situation"

Eigentlich sind sich alle längst einig: Die Stadt Bonn soll auch in Zukunft städtische Seniorenzentren betreiben. Mit der Zukunft der Heime befassten sich jetzt erneut der Sozial- und der Finanzausschuss in einer gemeinsamen Sondersitzung.

Bereits im März 2013 hatte der Stadtrat aufgrund eines Gutachtens zum Bedarf an stationären Betreuungen in Seniorenzentren entschieden, die drei städtischen Heime - das Albertus Magnus Haus in Beuel, Haus Elisabeth in Ippendorf und das Wilhelmine Lübke-Heim in Duisdorf - in eigener Trägerschaft weiterzuführen und entsprechend den Vorgaben des neuen Landespflegegesetzes NRW zu sanieren.

Die Kosten werden derzeit auf rund 25 Millionen Euro geschätzt. Doch wie wirtschaftlich ist das ehrgeizige Projekt für die Stadt Bonn wirklich? Und in welcher Rechtsform sollen die Seniorenzentren künftig geführt werden? Diese und viele weitere Fragen beschäftigten die Mitglieder des Finanz- und Sozialausschusses in der Sitzung.

Dort stellte Unternehmensberater Roman Tillmann zunächst einen Businessplan für die Seniorenheime vor, der als Entscheidungsgrundlage dienen soll, was genau geschehen soll. Sein Fazit lautet unter anderem:

Ein Umbau oder eine umfassende Modernisierung der Heime ist nicht nur wegen der gesetzlichen Auflagen, sondern auch aufgrund des Erhalts der Marktfähigkeit der Einrichtungen vonnöten.

Die beiden in den 70er Jahren errichteten Häuser Magnus-Heim und Lübke-Heim sollten modernisiert, das aus Mitte der 1950er Jahre stammende Gebäude des Hauses Elisabeth durch einen Neubau ersetzt werden.

Ein Umbau sollte im laufenden Betrieb erfolgen, um die finanzielle Belastung so gering wie möglich zu halten.

Der Haken: Die Stadt hängt zurzeit mit weiteren Planungen in der Luft, weil die Durchführungsverordnung zum neuen Landesgesetz noch nicht auf dem Tisch liegt, die die Finanzierung der Seniorenhäuser regelt. "Das ist eine missliche Situation", sagte Birgitta Jackel (CDU), vor diesem Hintergrund fehle der Stadt Bonn jede Planungssicherheit.

Ihr Fraktionskollege Klaus Großkurth meinte sogar: "Wir stehen vor einem Scherbenhaufen." Zuversichtlicher zeigte sich Detmar Jobst (Grüne): "Es ist sicherlich ein ehrgeiziges Unterfangen, aber es gibt für uns keine Alternative dazu." Mit Blick auf die Schulden in Höhe von sechs Millionen Euro, die noch auf allen drei Häusern lasten, sagte er: "Das wird finanziell ein enger Weg".

Peter Kox (SPD) machte deutlich: "Seniorenzentren in kommunaler Hand sind wichtig und haben eine Zukunft." Werner Hümmrich (FDP) neigt dazu, das Haus Elisabeth zu verkaufen und sich auf die Pflegeheime in Duisdorf und Beuel zu konzentrieren.

Städtische Seniorenheime zu 98 Prozent ausgelastet

Die drei Seniorenpflegeheime der Stadt Bonn bieten rund 400 Plätze für Senioren an und beschäftigen rund 350 Mitarbeiter. Nach Angaben des Betriebsleiters der Seniorenzentren, Marc Biedinger, sind die Häuser zurzeit zu 98 Prozent ausgelastet. Biedinger geht davon aus, dass nach Sanierung sowie Um- und Neubau die Nachfrage nochmals deutlich steigen werde, weil es einen großen Bedarf an stationären Wohnplätzen in Bonn gebe. Der Betriebsleiter verweist darauf, dass bis zum Inkrafttreten des neuen Landespflegegesetzes das aktuelle Gesetzeswerk gelte und auf dieser Grundlage bereits einige Baumaßnahmen, etwa der Neubau von drei Blockheizkraftwerken, erfolgt seien.