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Voreifel-Strecke der RB 23: Neuer Haltepunkt an der Helmholtzstraße ist in Betrieb

Voreifel-Strecke der RB 23 : Neuer Haltepunkt an der Helmholtzstraße ist in Betrieb

In mageren Zeiten, in denen im Stadtbezirk Hardtberg neue Projekte eher Mangelware sind, darf diese Einweihung mit Fug und Recht als Meilenstein bezeichnet werden. Der neue Haltepunkt der Regionalbahn 23 an der Helmholtzstraße in Duisdorf ist in Betrieb. Wer hier einsteigt, braucht nur vier Minuten bis zum Bonner Hauptbahnhof.

Als gestern Morgen um Punkt 10.20 Uhr der symbolisch erste Zug dort hielt - der tatsächlich erste Zug hatte bereits in der Nacht um 0.40 Uhr Halt gemacht - standen beide Bahnsteige voller Menschen. Alle gekommen, um bei der Feierstunde dabei zu sein, was wiederum die große Unterstützung in der Bevölkerung zeigt.

Die Nachbarschaftsinitiative hatte ein Transparent ausgerollt: "Erfüllt wird unsere Bitte, ein Bahnhof für die Grüne Mitte." Und zur Feier des Tages gab's Glühwein und einen kleinen Imbiss. Die Bahn rechnet künftig mit fast 1700 Fahrgästen, die hier täglich ein- und aussteigen werden.

Als Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch sich mit Vertretern der Politik und der Bahn zum Foto am Bahnsteig aufstellte, war er in seinem Element. Mit roter Schaffnermütze und Haltesignal in der Hand ging er zunächst auf und ab und sagte theatralisch im Tone eines Zugbegleiters: "Bitte von der Bahnsteigkante zurücktreten." Mit Lokführer Ralf Berk hielt er dann noch ein kurzes Pläuschchen, dann fuhr der Zug pünktlich wieder ab.

Doch der Rückblick auf die Zeit des politischen Kampfes für den Haltepunkt zeigt auch: Es war nicht leicht gewesen, bis zu diesem Punkt zu kommen. Es begann, als 1988 die Bahnstrecke als solche gesichert wurde, damals waren gerade mal 7200 Reisende täglich unterwegs, die in alten "Silberlingen" fuhren, erinnerte Nimptsch in seiner Rede. "Im Jahr 2011 hatte sich dann die Zahl der Fahrgäste fast verdoppelt."

Bezirksbürgermeisterin Petra Thorand (CDU) vergaß nicht zu erwähnen, dass ihr Vorgänger Gerhard Lorth seit 1991 stets für diesen neuen Bahnhof gekämpft hatte: "Das ist immer sein Steckenpferd gewesen, aber auch das von Herrn Eckoldt von der SPD."

Ein in Betrieb genommener Haltepunkt muss aber noch nicht fertig sein: Noch wirkt alles kahl und öd, weil erst im Frühjahr die Bepflanzungen in Angriff genommen werden. Bahnsteige und die Personenunterführung sind zunächst nur über Treppen erreichbar. Die Rampen können aufgrund fehlender Handläufe noch nicht genutzt werden. Und die Beleuchtung wird während des Probebetriebs bis Ende Januar dauerhaft eingeschaltet sein. Auch das Fliesen der Unterführung wird noch nachgeholt.

Auch die Stadt ist noch am Zuge, wird die Zugänge beleuchten sowie einen Bike & Ride-Platz für 70 Fahrräder bauen. Da die Baufirma bis zum letzten Tag mit großen Fahrzeugen an die Baustelle musste, kann dies erst jetzt erfolgen. Auch die drei mickrigen Regenschutzdächer auf den Bahnsteigen werden noch verbessert.

Auf CDU/Grünen-Antrag wurde beschlossen, drei Haltepunkte (Duisdorf, Helmholtzstraße, Endenich-Nord) aus ÖPNV-Fördermitteln mit großzügigen Überdachungen wie in Witterschlick auszustatten. Weil dafür ein Planverfahren mit Bürgerbeteiligung nötig ist, rechnet Rolf Beu (Grüne) damit, dass die Realisierung erst in zwei Jahren möglich sein wird.

Es sagten . . .

  • Jürgen Nimptsch, Oberbürgermeister: "Das ist ein Tag der Freude. Die Arbeitsplätze und Schulen sind hier jetzt besser erreichbar. Und von hier aus in ein paar Minuten in die Bonner Innenstadt zu kommen, das hat was."
  • Martin Sigmund, NRW-Chef der Bahnhöfe: "Ich habe noch nie so eine große Menge an Bürgern bei einer Einweihung eines Bahnhofs gesehen. Und ich würde mir wünschen, dass die Station von Vandalen in Ruhe gelassen wird."
  • Norbert Reinkober, Geschäftsführer Nahverkehr Rheinland: "Ich hoffe auf viele neue Kunden und bin mir sicher, dass wir schnell wieder an der Kapazitätsgrenze ankommen werden. Hier sind genau so viele Leute zur Eröffnung gekommen wie am Tag zuvor am Heumarkt in Köln."
  • Petra Thorand, Bezirksbürgermeisterin: "Wir haben hier ganz bewusst auf eine Park & Ride-Anlage verzichtet, denn die haben wir am Duisdorfer Bahnhof. Ansonsten wünsche ich mir viele pünktliche Züge."
  • Florian Bonn, Projektleiter: "Einen Haltepunkt zu bauen ist eigentlich ganz einfach. Einfach eine Baufirma beauftragen und fertig. Nein, im Ernst. Die Firma Falkenhahn hat hier vieles möglich gemacht."
  • Wolfgang Groß, Sprecher der Nachbarn der Grünen Mitte: "Für viele von uns ist es ein Plus an Lebensqualität, ohne Stau zum Bonner Hauptbahnhof zu kommen. Die befürchteten Belastungen während der Bauphase traten in keiner Weise ein."
  • Gerhard Lorth, Ex-Bezirksbürgermeister/CDU: "Nachdem die Strecke von der Bahn über Jahrzehnte vernachlässigt worden war und die Aufgabe drohte, haben wir sie zu einer Erfolgsgeschichte gemacht. Den Haltepunkt Helmholtzstraße wollten wir von Anfang an, um die 3500 Arbeitsplätze und die Schulen mit 2500 Schülern sowie die Wohngebiete an die Bahn anzuschließen."
  • Heiner Eckoldt, Ex-Ratsherr/SPD: "Herr Lorth und ich haben in den Gremien damals immer gegen die Kölner zusammengehalten, um den Haltepunkt politisch durchzusetzen. So etwas gibt es heute nicht mehr."

Fahrplanwechsel: Die Neuerungen auf der Voreifelbahn

Die neuen Bahnhaltepunkte "Helmholtzstraße" und "Rheinbach Römerkanal" sind seit gestern in Betrieb. Die Haltepunkte Endenich-Nord (im Bau) und Alfter-Impekoven (Baubeginn im April) sollen im Dezember 2014 eröffnet werden.

Mit dem Fahrplanwechsel gilt jetzt an Werktagen wieder ein 15-Minuten-Takt in den Hauptverkehrszeiten morgens und abends. In den übrigen Zeiten fährt die RB 23 alle 30 Minuten bzw. stündlich.

Neue Spätfahrten erweitern das Angebot montags bis freitags - ab Bad Münstereifel bis nach 21 Uhr, ab Euskirchen bis nach 23 Uhr. Ab Bonn fahren Züge bis nach 0 Uhr, an Wochenenden sogar bis nach 1 Uhr.

Meckenheim und Odendorf verfügen über modernisierte Stationen. Die Arbeiten in Münstereifel dauern noch an. Montags bis freitags ist auf der Strecke Bad Münstereifel - Bonn vorübergehend ein Umstieg in Euskirchen notwendig.