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Bonner Verein für Gefährdetenhilfe: 1,5 Millionen Euro Förderung für 2020

Drogenhilfe als Erfolgsmodell : Bonner Verein für Gefährdetenhilfe wird mit 1,5 Millionen Euro gefördert

Das Betreuungszentrum des Vereins für Gefährdetenhilfe erwartet 2020 eine Förderung von knapp 1,5 Millionen Euro. Das ist mehr als im Vorjahr, denn die Kosten sind gestiegen.

Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen und aus dem sozialen Netz herauszufallen drohen, gehören zu den Klienten des Bonner Vereins für Gefährdetenhilfe (VfG). Für rund 1400 dieser Menschen ist das Betreuungszentrum mit drogentherapeutischer Ambulanz und angegliedertem Drogenkonsumraum an der Quantiusstraße eine Gesundheits-, Überlebens- und Ausstiegshilfe. Nur eins der Angebote des VfG, der in diesem Jahr eine Förderung von maximal 1,477 Millionen Euro erhält.

Neben dem gesundheits- und klientenorientierten Ansatz hat das Betreuungszentrum auch eine ordnungspolitische Funktion, in dem sich der Drogenkonsum von öffentlichen Plätzen in eine beschützende Einrichtung verlagert und sich damit auch die Gefährdung durch liegengelassene Spritzen für die Allgemeinheit reduziert. In einem Beschlussvorschlag des Ausschusses für Soziales, Migration, Gesundheit und Wohnen sind 2020 für den VfG zu den nachgewiesenen, anerkannten und ungedeckten Personal-, Sach- und Overheadkosten des Betreuungszentrums Quantiusstraße nun die Zuschüsse vorgesehen. 2019 waren es 1,35 Millionen Euro. Die Entscheidung darüber soll bald folgen.

Es gibt mehr Klienten, was die Kosten steigen lässt

Gründe für den Kostenanstieg beim VfG sind höhere Nutzung des Drogenkonsumraums und die sich über mehrere Jahre sukzessive erhöhten Sachausgaben in diesem Bereich. Hinzu kam die Beschäftigung eines Sicherheitsdienstes auf dem Gelände des Betreuungszentrums.

Seit 34 Jahren ist Nelly Grunwald Geschäftsführerin der VfG Betriebsgesellschaft für Soziales und Rehabilitation. „Ich kann mich an die Anfänge erinnern“, sagt die 60-jährige Sozialarbeiterin, „da waren die Drogenabhängigen mit 30 entweder tot oder clean“. Das habe sich auch durch die niederschwelligen Angebote des Vereins sowie weiterer Hilfseinrichtungen drastisch verändert. Die Drogenhilfe sei heute bundesweit ein Erfolgsmodell, so Grunwald: „Hätten heute alle Menschen im Stadtbild einen roten Punkt auf der Stirn, die einmal abhängig waren, würde man sich wundern.“ Man sehe immer nur die Menschen, die es noch nicht geschafft hätten. Und dass sich deren Lebenssituation ständig verbessere und sie damit immer älter würden, führt sie sowohl auf die innovative, pragmatische und bedarfsgerechte Arbeit des VfG sowie der mit dem Verein eng vernetzte Hilfesysteme zurück. Zudem gebe es eine „sehr gute Kooperation“ mit der Sozialverwaltung und dem Wohnungsamt.

Um die Hilfe des Vereins in Anspruch nehmen zu können, muss man Bonner sein und zum Zielpersonenkreis gehören – das heißt, wohnungslos zu sein oder zu werden, zur offenen Szene zu gehören und illegale Drogen zu konsumieren oder ein massives Alkoholproblem zu haben, mit dem man im Stadtgebiet auffällt. „Menschen die noch relativ sesshaft sind, würden sich bei uns auch nicht wohlfühlen“, so Grunwald. Geholfen wird individuell. Dahinter steht das Interesse, die Menschen in einen Leistungsbezug zu bringen: „Sie müssen krankenversichert werden, und ihr Lebensunterhalt sollte gesichert werden“, sagt Grunwald. Zudem brauchten die Menschen einen Unterbringungsplatz, müssten medizinisch optimal versorgt werden und letztlich eine Lebensperspektive bekommen.

Dafür gibt es innerhalb des VfG bereits niederschwellige Angebote für erwerbslose Personen: Da wären die Bonner Feger, die in Zusammenarbeit mit Bonnorange dafür sorgen, dass Spuren des Drogenkonsums im Stadtgebiet beseitigt werden, oder der Arbeitsbetrieb Rund ums Haus mit dem von Bauarbeiten über Garten- und Landschaftsbau bis zur Innenraumgestaltung viele Dienstleistungen angeboten werden. Und da wäre noch die Kfz-Werkstatt, wo man eine Ausbildung zu machen kann.