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Brand in Schreinerei Ungerathen in Bad Godesberg: 15-Jähriger verurteilt

Brand in Schreinerei : 15-Jähriger nach Brandstiftung in Bad Godesberg verurteilt

Durch seine Tat im August 2019 wurde die Schreinerei Ungerathen in Bad Godesberg ein Raub der Flammen. Jetzt verurteilte das Bonner Amtsgericht den 15-jährigen Brandstifter.

Dreizehn Monate nach dem Großbrand des Schreinereibetriebes Ungerathen in Bad Godesberg, hat das Bonner Amtsgericht einen 15-jährigen Schüler wegen fahrlässiger Brandstiftung zu 80 Sozialstunden verurteilt. Darüber hinaus wird dem Jugendlichen ein Jahr lang ein Betreuungshelfer zur Seite gestellt, der ihn engmaschig begleiten soll, wie Amtsgerichtsdirektorin Birgit Niepmann auf Nachfrage mitteilte. Das Verfahren um die tragische Zerstörung eines Familienbetriebs hatte komplett unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden.

Das ganze Inferno war nur durch leichtsinniges Verhalten des 15-Jährigen ausgelöst worden, der offenbar keine Sekunde über die möglichen Folgen seiner bedenkenlosen Zündelei nachgedacht hatte: Am 3. August 2019 – nach einer Serie von über 30 Grad heißen Tagen – hatte der Schüler auf dem Weg zur Bushaltestelle Rheinallee im Vorbeigehen eine Matratze, die für den Sperrmüll an einer Mauer gelehnt war, mit einem Sturmfeuerzeug angezündet. Das Feuer hatte sofort auf eine trockene Hecke und schließlich über einen Verschlag auf die Schreinereiwerkstatt mit angrenzendem Familien-Wohnhaus übergegriffen.

Trotz Intelligenzminderung voll schuldfähig

Das Schöffengericht ging davon aus, dass der Jugendliche das Haus nicht vorsätzlich in Brand setzen wollte. Als er die Matratze angezündet hat, habe er – laut Urteil – nicht damit rechnen können, dass damit der gesamte Familienbetrieb lichterloh brennen würde. Der Schüler hatte bereits kurz nach der Tat beteuert, dass er niemals ein solches Feuer gewollt habe, auch hatte er sich bei der Familie entschuldigt, die bis heute in den Brandruinen lebt. Eine Gutachterin hat dem Schüler – trotz einer leichten Intelligenzminderung – sowohl volle Schuldfähigkeit als auch Verantwortungsreife attestiert.

Der Staatsanwalt jedoch geht weiterhin von einem Vorsatz aus; nicht zuletzt, weil der 15-Jährige auf der Flucht sich noch umgeschaut und die Flammen gesehen hat. Anstatt Alarm zu schlagen, war er mit dem Bus davon gefahren. Erst Tage später hatte er sich der Polizei gestellt. Wegen besonders schwerer Brandstiftung hatte der Ankläger neben Sozialstunden auch zwei Freizeitarreste gefordert.

Unabhängig vom dem Urteil muss der Schüler für den Schaden des Großbrandes zivilrechtlich haften. Er beläuft sich auf über eine halbe Million Euro.