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Dicker-Pulli-Tag: Bonner machen auf den Klimawandel aufmerksam

Internationaler Dicker-Pulli-Tag : Zu Hause warm einpacken und ein Stück weit die Welt retten

Zum dritten Mal gibt es am 11. Februar den Dicker-Pulli-Tag - ein Aktionstag, bei dem zum Energiesparen aufgerufen wird. Menschen ziehen sich warm an und lassen nach Möglichkeit die Heizung aus. Die Bonner Woll-Verkäuferinnen freut es.

Dick anziehen und dabei den Klimawandel verlangsamen. Geht das? Die Welt retten kann der Einzelne gewiss nicht. Jede Konsumentscheidung wirkt sich jedoch direkt auf das Klima aus. Gerade zu Beginn der Pandemie hat sich gezeigt, dass weniger Fahrerei einen nachweisbar positiven Effekt auf global gemessene CO2-Werte hat. Deshalb wurde der „Dicker-Pulli-Tag" in den Niederlanden ins Leben gerufen. Auch in Belgien und seit drei Jahren in Deutschland hat die Aktion Anklang gefunden.

Dann rufen die Initiatoren von www.dickerpullitag.de – die Bonner Corinna Nitsche und Lukas Zimmermann – zur Energie-Enthaltsamkeit auf. Einfach die Heizung etwas runterdrehen, das ist alles, worum die Ehrenamtler bitten. „Vielleicht fühlt sich die leicht reduzierte Temperatur ja gar nicht so falsch an?  Und vielleicht bleibt ja nach dem Dicken-Pulli-Tag die Heiztemperatur in dem einen oder anderen Raum dauerhaft etwas gesenkt?", schreibt Nitsche auf der Homepage der Aktion. Bei den zurzeit ohnehin sehr hohen Heizkosten sei dies ein Gewinn für alle Beteiligten. In den Niederlanden nehmen jährlich Zehntausende an der Aktion teil.

Woll-Verkäuferin Bärbel Dähling: Wolle und Stricken liegen im Trend

Trotz mehrerer Berichte im General-Anzeiger scheint die Aktion noch nicht überall bekannt zu sein. Bärbel Dähling betreibt ein Woll-Geschäft in Oberdollendorf, nahe an der Stadtgrenze zu Bonn. Hätte sie vorher von der Aktion gewusst, hätte sie diese gern unterstützt. Aber auch ohne den Aktionstag scheinen dicke Wollpullover bei Dähling gefragt zu sein. „Das Geschäft läuft gut, Wolle ist im Trend", sagt sie. Stricken sei hipp. In den 1970ern sei es wieder in Mode gekommen, in den 80er-Jahren ebbte der Hype ab. Seit einigen Jahren sei der Trend wieder ansteigend, auch im Sinne der Nachhaltigkeit. Dähling: "Man schafft etwas Wertiges, wenn man strickt."

 Am Freitag ist "Dicker-Pulli-Tag", ein Aktionstag für das Weltklima. Bärbel Dähling mit ihrem Woll-Geschäft ist bestens gerüstet.
Am Freitag ist "Dicker-Pulli-Tag", ein Aktionstag für das Weltklima. Bärbel Dähling mit ihrem Woll-Geschäft ist bestens gerüstet. Foto: Benjamin Westhoff

Besonders beliebt sei aktuell Sockenwolle. Auch immer mehr junge Männer nähmen an Dählings Strick-Kursen teil. Nicht zuletzt  die Pandemie habe dies befeuert: Man sitzt viel öfter zu Hause, die Lust und das Interesse an Handarbeiten flammen auf. „Überwiegend kommen jedoch ältere Damen. Manche möchten dieses Hobby nach vielen Jahren wieder für sich entdecken, glauben aber, es verlernt zu haben. Denen sage ich: ‚Nehmen Sie einfach Nadel und Garn in die Hand, der Kopf wird sich an die Schritte erinnern.'" Und das funktionert dann auch.

Heizen macht 73 Prozent des Haushalts-Energieverbrauchs aus

Eine Verkäuferin von Wolle Rödel in der Bonngasse bestätigt diesen Trend. Stricken stehe derzeit hoch im Kurs, vor allem seit Corona. Auch abseits der Pandemie habe die Lust an der eigenen Kleidungsproduktion seit einigen Jahren merklich zugenommen. Den Wert, der beim Stricken entstehe, werde jedoch selten gebührend entlohnt, sagt Dähling. Eine Socke schaffe sie selbst nicht an einem Abend. Wenn auf Weihnachtsmärkten dann selbstgestrickte Paare für 15 Euro angeboten würden, sei das unter Wert verkauft. Für manche Paare müsse man eigentlich 100 Euro verlangen.

Für den Dicker-Pulli-Tag wirbt auch Bernhard Misof, Direktor des Leibniz-Instituts in Bonn. Zum 11. Februar werden seine Mitarbeiter gebeten, die Heizungen in den Büroräumen nur so hoch zu drehen wie nötig. Gerade in den Zeiten des Home-Office unter Corona können Arbeitsräume gegebenenfalls längerfristig kühler gehalten werden. "Aber Vorsicht: Gekonntes Heizen will gelernt sein, damit nicht hinterher mehr Energie verbraucht wird als gedacht. Oder sich gar Schimmel bildet", mahnt Misof.

Heizen verbraucht im Haushalt am meisten Energie. Davon berichtet das Umweltbundesamt. Von durchschnittlichen 18.147 Kilowattstunden Energie je Haushalt macht das Heizen beachtliche 73 Prozent aus. Wer an dieser Schraube dreht, sorgt nicht nur für weniger Energieemissionen, sondern spart auch gutes Geld. Das Bundesamt rät hierzu, regelmäßig zu lüften, um Schimmelbildung zu vermeiden. Nachts die Rollläden schließen hilft, die Wärme am Fenster zu behalten. Bis zu 20 Prozent Wärmeenergie kann so gespart werden. Außerdem ist die richtige Temperatur einzustellen: Im Wohnbereich reichen etwa 21 Grad, in der Küche 18 Grad, im Schlafzimmer 17 bis 18 Grad.

Kollektiv das Klima schützen kann man auch am „Earth Day". Am 22. April nehmen alle Länder der Welt mit vielfältigen ökologischen Aktionen teil. Den Aktionstag gibt es seit über 50 Jahren. Die UNO ruft angesichts der klimatischen Situation dazu auf, „jeden Tag zu einem Earth Day zu machen".