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Verdruss bei Bonner Politikern: Stadt lehnt vorläufiges Begegnungszentrum ab

Verdruss bei Bonner Politikern : Stadt lehnt vorläufiges Begegnungszentrum ab

CDU, FDP, Volt und Rhein-Grün ärgern sich, dass die Stadt ein vorläufiges Begegnunszentrum in der Auerberger Mitte ablehnt. Dabei wäre es möglich, einen hohen Zuschuss vom Land zu erhalten.

Für Verärgerung im Vorfeld der nächsten Sitzung der Bezirksvertretung Bonn an diesem Dienstag sorgte in mehreren Fraktionen eine ablehnende Stellungnahme der Verwaltung. Dabei geht es um einen CDU-Antrag, ein leerstehendes Ladenlokal in der Auerberger Mitte als vorläufiges Begegnungszentrum für den Bonner Norden anzumieten.

„Wir vertun hier eine tolle Chance, einen idealen Raum zu nutzen und gleichzeitig die Auerberger Mitte aufzuwerten“, sagt die CDU-Stadtverordnete Bettina Fischer-Starcke. So reagieren CDU, FDP, Volt, Rhein-Grün und der fraktionslose Thomas Fahrenholtz nun mit einem Änderungsantrag. Darin fordern sie die Verwaltung auf, zur Mitfinanzierung der Miete einen Förderantrag zu stellen. Geld soll aus dem NRW-Sofortprogramm „zur Stärkung unserer Innenstädte und Zentren“ kommen. Das ist noch bis 30. April möglich. Zudem möchten sie, dass die Verwaltung das restliche Geld zur Verfügung stellt.

„Die Raummiete für die kommenden zwei Jahre könnten bei einer Förderzusage zu 70 Prozent übernommen werden“, meint Fischer-Starcke. Die Miete des 245 Quadratmeter großen ehemaligen Beauty-Studios liegt bei 2500 Euro (plus 500 Euro Nebenkosten) – 800 Euro davon trägt ein Friseur als Untervermieter, der bleiben wird. Blieben abzüglich der 70 Prozent 660 Euro, die die Stadt zu tragen hätte. „Das ist doch machbar“, so Nicole Bonnie (CDU). Gert-Michael Schwaegermann, Vorsitzender des Ortsausschusses Auerberg, hat zudem bereits abgeklärt, dass sich der Vermieter eine solche Nutzung vorstellen könnte. „Ein tolles Signal“, meinen Bonnie und Fischer-Starcke.

Das Sozialamt weist jedoch in seiner Stellungnahme darauf hin, dass bis zur Fertigstellung des geplanten Begegnungszentrums für Auerberg und Graurheindorf an der Josefshöhe die Nachfrage nach Räumen – so das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie aus 2019 – innerhalb bestehender Einrichtungen abgedeckt werden könnte. Jetzt etwas zu mieten, sei „nicht zielführend“.

„Diese Antwort der Verwaltung ist eine Frechheit“, sagt Bonnie, „das geplante Begegnungszentrum wird frühestens in sechs bis acht Jahren fertig sein. Und bis dahin soll es nichts geben?“ Fischer-Starcke: „Es ist schade, dass die Stadtverwaltung ihre Ablehnung auf alten Daten begründet.“ Tatsache sei, dass keine kirchlichen Räume mehr zur Verfügung stünden, es im Quartiersmanagement lediglich einen Raum gäbe, in dem auch schon eine Tischtennisplatte stehe, und im Studentenwohnheim an der Pariser Straße zwar ein Raum existiere, der jedoch seit dem der Abriss der Nasse-Mensa vom Studierendenwerk selbst genutzt werde. „Es gibt auch keine Gaststätte mit Saal. Und das Jugendzentrum für Begegnungen aller Altersgruppen zu öffnen, konterkariert dessen Aufgabe“, so Fischer-Starcke.

Das Ladenlokal in der Auerberger Mitte steht bereits leer und ist barrierefrei. So könnte laut CDU auch ein Integrationstreffpunkt für die 120 Nationen im Ort entstehen, was dem Integrierten Entwicklungskonzept entspräche. Die Politiker denken, dass es bis Ende April gut möglich sei, den Förderantrag zu stellen.