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Bonner Dschihadist stirbt: Tod als "Märtyrer" in Syrien

Bonner Dschihadist stirbt : Tod als "Märtyrer" in Syrien

Immer häufiger kommen mittlerweile die Todesnachrichten deutscher Dschihadisten aus den syrischen Kampfgebieten. Die jüngste, von der der General-Anzeiger erfuhr, ist die, dass ein Bonner Extremist, dessen Name der Redaktion bekannt ist, in Syrien ums Leben gekommen ist.

Der Sohn von Einwanderern war bereits im Frühjahr 2009 als damals 24-Jähriger spurlos verschwunden, wie der GA seinerzeit berichtete. Daraufhin meldeten seine Eltern ihn als vermisst. Ihre Suche sollte zunächst ohne Erfolg bleiben. Einerseits sah die Polizei damals keine Handhabe, weil der junge Erwachsene ihrer Einschätzung nach aus freien Stücken abgetaucht war - zumal gegen den Mann polizeilich nichts vorgelegen hatte. Andererseits verfügten die Sicherheitsbehörden schon damals über Erkenntnisse, wonach der Bonner Kontakte ins islamistisch-terroristische Milieu gehabt haben könnte.

Laut einer Islamismusexpertin, mit der der GA gestern sprach, hatte sich der junge Mann, nachdem er sich in der Bonner Islamistenszene radikalisiert hatte, nach Pakistan abgesetzt - einem damals bei kampfeswilligen Radikalen, sogenannten Dschihadisten, noch beliebten Einsatzgebiet. Bereits bei der Einreise im April 2009 wurde er jedoch von den Behörden verhaftet und für sechs Monate inhaftiert. Dann wurde er mit anderen Deutschen in seine Heimat abgeschoben. Zunächst soll er in Bonn gewohnt haben, bevor er nach Aachen umzog und dort heiratete. Wann genau er nach Syrien ausreiste, ist bislang unklar, ebenso wie er dort genau ums Leben gekommen ist.

Bevor der Bürgerkrieg 2011 in Syrien ausbrach, war das pakistanisch-afghanische Grenzgebiet ein beliebtes Ziel deutscher Dschihadisten. Dort wollte man sich den Taliban und Al-Quaida im Kampf gegen die ISAF-Truppen anschließen, manch einer wollte auch nur ein gottgefälliges Leben in den abgeschiedenen Gebieten Waziristans im Nordwesten Pakistans führen. Zunehmende Drohnenangriffe der Amerikaner jedoch setzten den Islamisten in dem vermeintlichen Scharia-Paradies zu. Immer wieder fielen auch deutsche Gotteskrieger diesen Angriffen zum Opfer.

Es waren auch die Videos der Bonner Dschihadisten Bekkay Harrach und der Brüder Yassin und Mounir Chouka, die 2009 zu einer Ausreisewelle kampfeswilliger Islamisten aus Deutschland an den Hindukusch führten. In mehreren Gruppen, teilweise auch alleine, seien Extremisten in die Terrorcamps in den Bergen Waziristans gereist und dort von den Choukas empfangen worden, schreibt der Islamismusexperte der "Welt", Florian Flade. Harrach starb 2010 nach Gefechten. Später hieß es, dass auch Mounir Chouka getötet worden sei. Flade geht davon aus, dass beide Brüder noch leben, weil sie - wenn auch selten - Videobotschaften senden.

Mittlerweile zieht es Dschihadisten aus Europa und dem Orient bevorzugt nach Syrien. Dort versuchten sie zunächst, sich islamistischen Kämpfern der Nusra-Front und ihrer Verbündeten anzuschließen, mittlerweile den Truppen, die Abu Bakr al-Baghdadi folgen, dem Anführer der irakischen Al-Quaida, der den "Islamischen Staat im Irak und Syrien" (ISIS) anstrebt. 270 Islamisten aus Deutschland sollen dem Bundesamt für Verfassungsschutz zufolge seit 2013 nach Syrien ausgereist, zwischen 15 und 20 ums Leben gekommen sein.

Dschihadisten, die in den vergangenen Monaten starben

  • In seiner aktuellen Ausgabe berichtet der "Spiegel", dass der 26-jährige Robert B. aus Solingen als Dschihadist gestorben ist. Wie im aktuellen Bonner Fall sind auch bei ihm die genauen Todesumstände unklar. Im Internet schrieben Kampfgefährten, der deutsche Konvertit habe bei einem Selbstmordattentat 50 Milizionäre der "Ungläubigen" mit in den Tod gerissen. Ein solcher Anschlag wird aber von niemandem bestätigt.
  • Aufsehenerregend sind auch die Fälle, in denen ganz junge Dschihadisten in Syrien gestorben sein sollen. Gerade einmal 19 Jahre war der Islam-Konvertit David G. aus Bayern, als er in den Reihen der Islamisten im Kampf starb, heißt es. Flade berichtet zudem von einem noch jüngeren Kämpfer: Ein Deutsch-Türke soll im Dezember mit 16 Jahren als gefeierter Märtyrer gefallen sein.
  • In die Schlagzeilen geriet im Oktober der frühere Fußballer und U 17-Nationalspieler Burak K. aus Wuppertal. Er starb 26-jährig bei Kämpfen in Syrien. Bevor er seine Karriere 2010 beendete, spielte er für Alemannia Aachen.