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Haftbefehl gegen 18-Jährigen: Trauer um Toten im "Haus am Müllestumpe"

Haftbefehl gegen 18-Jährigen : Trauer um Toten im "Haus am Müllestumpe"

Ein geistig behinderter Mann (30) aus Graurheindorf ist in der Nacht zu Samstag nach einer Messerattacke seinen schweren Verletzungen erlegen.

Ein 30-jähriger Mann aus Graurheindorf ist am Wochenende nach einer Messerattacke gestorben. Der Täter hat den Bewohner eines betreuten Wohnprojekts im "Haus am Müllestumpe" der Polizei zufolge am späten Freitagabend mit einem Messer lebensgefährlich verletzt.

Während der Mann in einem Krankenhaus vergeblich um sein Leben kämpfte, nahmen Ermittler noch in der Nacht einen verdächtigen 18-Jährigen fest. Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen Haftbefehl gegen den mutmaßlichen Täter erlassen.

Wie die Polizei mitteilte, ereignete sich die Tat gegen 23 Uhr: Ein Betreuer des gemeinnützigen Wohnprojekts in der Straße "An der Rheindorfer Burg" hatte der Notrufleitstelle den augenscheinlich schwer verletzten Bewohner gemeldet. Er war durch mehrere Messerstiche im gesamten Körper verletzt worden und soll laut Augenzeugen blutend vor dem Eingangsbereich im Erdgeschoss der Einrichtung gelegen haben.

Im Haus stehen insgesamt zwölf betreute Wohnungen für erwachsene Menschen mit Behinderung bereit. Begleitet von einem Notarzt, brachte ein Rettungswagen den Verwundeten in ein Krankenhaus. Der 30-Jährige wurde notoperiert. Er erlag jedoch später seinen schweren Verletzungen.

Was sich zuvor in und vor der Erdgeschosswohnung des Opfers abgespielt hatte, war auch am Sonntag noch nicht klar: Wie der Geschäftsführer der Wohnanlage, Christian Storm, dem GA sagte, sei der unmittelbare Nachbar des Toten durch Lärm aufgeschreckt worden.

Als der Hausbewohner daraufhin seine Tür öffnete, habe er nur noch gesehen, wie ein Mann den Eingangsbereich fluchtartig verließ. Er könne nicht sagen, wie die Polizei auf den 18 Jahre alten Mann aufmerksam geworden sei, der laut Polizeipressestelle nur wenige Stunden nach der Tat in einer Wohnung in Graurheindorf festgenommen wurde.

Das Opfer, das erst wenige Monate in der Einrichtung lebte und tagsüber in einer Behindertenwerkstatt arbeitete, beschrieb der Geschäftsführer als einen "ganz fröhlichen, offenen Menschen". Zuvor habe der 30-Jährige in einem Pflegeheim gewohnt. In der Wohngemeinschaft sollte der geistig behinderte Mann nun lernen, selbstständig zu leben und Verantwortung zu übernehmen.

Trauer"Wen man hier auch fragt, er war unser Sonnenschein", so Storm weiter. Für ihn sei nur schwer vorstellbar, dass der Bewohner Streit mit jemandem gehabt haben könnte. Über mögliche Tatmotive und darüber, ob sich Täter und Opfer möglicherweise kannten, wollte er deshalb auch keine Vermutungen anstellen.

"Das bringt uns nicht weiter und ist nicht gut für die Gedanken", sagte der Geschäftsführer. In Aufregung versetzt hat die Tat auch die übrigen Bewohner des Wohnprojekts, das in einer grünen, idyllischen Gegend Graurheindorfs liegt. Neben den Wohnungen befindet sich ein Gastronomiebetrieb, in dem viele der Hausbewohner tagsüber arbeiten.

Wie Storm mitteilte, hätten sie sich am Wochenende immer wieder mit ihren Betreuern und Pädagogen zusammengesetzt. Auch ein Polizeipsychologe besuchte die Wohngemeinschaft noch Freitagnacht sowie am Sonntag.

"Das Böse ist auf einmal auch zu uns gekommen. Was geschehen ist, können wir nicht rückgängig machen. Aber das weitere Leben gestalten, das können wir schon", beschreibt Geschäftsführer Storm den Umgang aller im Haus mit der Situation.

Licht ins Dunkel sollen nun die weiteren Ermittlungen der Polizei bringen. Noch in der Tatnacht sicherte die Kripo mögliche Spuren am Tatort, zudem wurde eine Mordkommission gebildet.

Parallel zu den Vernehmungen des verdächtigen 18-Jährigen, über den bisher keine weiteren Informationen vorliegen, wird möglicherweise auch die derzeit versiegelte Wohnung des 30-jährigen Toten noch einmal untersucht werden müssen. Ein Richter erließ Haftbefehl wegen Totschlags.