1. Bonn
  2. Stadt Bonn

Uniklinik Bonn: Personalie um Posten des kaufmännischen Direktors entschieden

Posten des kaufmännischen Direktors : Machtkampf in der Bonner Uniklinik scheint entschieden

Der Aufsichtsrat des Bonner Universitätsklinkums (UKB) hat beschlossen, Gespräche mit internem Kandidaten für den Posten des kaufmännischen Direktors zu führen. Es wäre der Bewerber, für dessen Einstellung sich der Vorstandsvorsitzende Wolfgang Holzgreve stark gemacht hatte.

Es ist wahrscheinlich, dass der Posten des kaufmännischen Direktors am Uniklinikum Bonn (UKB) mit einem UKB-internen Mitarbeiter besetzt wird. Es wäre der Bewerber, für dessen Einstellung sich der Vorstandsvorsitzende Wolfgang Holzgreve stark gemacht hatte. Wie der GA aus verlässlicher Quelle erfuhr, hat der Aufsichtsrat am Montag beschlossen, auf den Mitarbeiter zuzugehen und mit ihm Gespräche zu führen. Es ist jener Kandidat, der beim Auswahlverfahren bis in die letzte Runde gekommen war.

Den Zuschlag hatte im Februar allerdings die frühere Generalsekretärin der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Dorothee Dzwonnek, bekommen. Den Einstellungsbeschluss des für die Besetzung des Vorstands zuständigen Aufsichtsrats beanstandete der Vorstandsvorsitzende damals allerdings gegenüber dem zuständigen Ministerium für Kultur und Wissenschaft. Das geht aus einer Mail und einem Gutachten hervor. Die Dokumente kennt der GA.

Holzgreve bat demnach um Rechtsprüfung und nannte als mögliche Argumente, Dzwonnek habe keine Erfahrung im operativen Geschäft einer Uniklinik vorzuweisen, außerdem sei ihr Ehemann Helmut Rubin in der Findungsphase Aufsichtsrats-Mitglied gewesen. Das Ministerium beanstandete in seinem Gutachten zwar nicht die Rolle Rubins. Er hatte sein Mandat niedergelegt, nachdem ein Headhunter seine Frau auf Wunsch des Aufsichtsrats angesprochen hatte.

Befangenheits-Vorwürfe gegen Uni-Rektor Michael Hoch

Wohl aber beanstandete Düsseldorf, dass Unirektor Michael Hoch und Unikanzler Holger Gottschalk bei der Wahl befangen gewesen sein könnten. Hintergrund ist Dzwonneks Mitgliedschaft im Uni-Hochschulrat. Sie habe auch nicht allen Anforderungen der Stellenausschreibung entsprochen, da sie nie operativ in einem Uniklinikum gearbeitet habe.

Ein Gegengutachten des Aufsichtsrats kam zu dem Ergebnis, die Einwände des Ministeriums seien haltlos. Hoch und Gottschalk hätten in keinem Abhängigkeitsverhältnis zu Dzwonnek gestanden, weil Dzwonnek bloß einfaches Hochschulratsmitglied sei. Eine Unternehmensberatung habe die Einstellung der ehemaligen DFG-Generalsekretärin, Unikanzlerin und Staatssekretärin seinerzeit empfohlen, weil sie als Top-Managerin sehr erfahren sei, vor allem in der Forschung. Die Mehrheit des Aufsichtsrats sah in Dzwonnek eine Führungspersönlichkeit auf Augenhöhe mit dem Vorstandsvorsitzenden Holzgreve. Der UKB-interne Kandidat schnitt zwar nach Einschätzung der Headhunter ordentlich ab, ihm fehle es aber an Erfahrung in der Führung einer großen Mitarbeiterschaft.

Dzwonnek soll sich mit dem UKB geeinigt haben

Dzwonnek, die zum 1. April als Direktorin beginnen sollte, hat sich nach Kenntnis des GA mittlerweile mit dem UKB geeinigt. Sie erhält dem Vernehmen nach eine Entschädigung in sechsstelliger Höhe und eine öffentliche Ehrenerklärung.

In der Besetzung des UKB-Aufsichtsrats hat die Auseinandersetzung der vergangenen Monate zwischen Aufsichtsrat und Vorstandsvorsitzendem Spuren hinterlassen: Alexandra Gräfin Lambsdorff bestätigte auf Nachfrage, dass sie zum 3. November NRW-Ministerpräsident Armin Laschet mitgeteilt habe, mit sofortiger Wirkung von ihrem Posten als Aufsichtsratsmitglied zurückzutreten. Gründe nannte sie dem GA nicht. Uni-Rektor Hoch ist nicht mehr Vize-Vorsitzender, sondern einfaches Mitglied. Damit erfüllt er noch die Besetzungsvorgaben des Hochschulgesetzes. Hoch wollte sich ebenfalls nicht äußern. Zu einer GA-Anfrage an den Vorstandsvorsitzenden teilte UKB-Sprecherin Ute-Andrea Ludwig mit, dass Beratungen und Beschlüsse des Aufsichtsrats vertraulich seien. Die Weiterführung des laufenden Besetzungsverfahren sei rechtlich zulässig, hieß es aus dem Ministerium.