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Blumenmädchen für die Queen: Wie eine achtjährige Bonnerin den Empfang der Queen rettete

Blumenmädchen für die Queen : Wie eine achtjährige Bonnerin den Empfang der Queen rettete

Vor 55 Jahren überreichte Gevinon Gräfin von dem Bussche-Kessell in Bonn der britischen Königin Elizabeth II. Blumen. Am Freitagabend berichtet sie in einem WDR-Film über die Ereignisse aus dem Jahr 1965.

Vor 55 Jahren besuchte Queen Elizabeth II. Bonn. „Es war der erste Staatsbesuch eines britischen Oberhauptes in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Also ein sehr bedeutsames Ereignis", sagt Gevinon Gräfin von dem Bussche-Kessell (63) über jenen 18. Mai 1965, als sie der Königin Blumen überreichen durfte. Am Freitagabend erzählt sie in der WDR-Reihe „Unser Land in den 60ern“ von den Ereignissen damals.

Etwa 50 Stunden Live-Berichterstattung liefen im deutschen Fernsehen, als die Queen ihre circa 3000 Kilometer lange Reise durch die Bundesrepublik vollzog. Dabei sollte sie am Hauptgebäude der Universität Bonn vom damaligen Rektor sowie dem Universitätskanzler Eberhard Freiherr von Medem empfangen werden, dem Vater der damals achtjährigen Gevinon. Da die Queen und ihr Gefolge allerdings zu früh erschienen, war der Rektor noch nicht fertig bekleidet. „Um die Zeit zu überbrücken, schickte mein Vater also mich mit den Blumen vor", erzählt Gräfin von dem Bussche-Kessell. Sie war allerdings nicht komplett unvorbereitet, da sie die Queen sowieso treffen sollte. „Mein Vater hatte die Idee, dass ich ihr den Blumenstrauß überreiche. Ich habe gesagt: Ich mache das nur, wenn ich ihr keinen Handkuss geben muss“, erinnert sie sich und schmunzelt. Für den Empfang bekam sie ein „wunderschönes Spitzenkleid genäht“, zudem brachte ihr eine Ballettlehrerin den Hofknicks und das sogenannte Schreiten bei. „Ich weiß noch, wie ich zum Üben eine leere Flasche und keinen Blumenstrauß in die Hand bekam“.

Doch wie ist es eigentlich für ein achtjähriges Mädchen, eine Königin zu treffen? „Das Erstaunliche ist: Vorher klopfte zwar mein Herz, in dem Moment hatte ich aber einen kühlen Kopf“, beschreibt sie heute die Situation im Hauptgebäude der Universität – das ihrer Meinung nach „damals besser aussah als heute“. Geredet hat sie mit der Queen übrigens nicht, „ich konnte ja auch kein Englisch, sie hat mich allerdings mit ihrem charmanten Lächeln angesehen“. Sie sei sich allerdings auch nicht sicher, ob sie als Achtjährige die Tragweite der Begegnung verstanden hatte.

Dennoch habe sie die Aufgabe aber wohl gut hinbekommen. Es sei zudem ein „schönes Gefühl, wie lange das Ganze noch nachwirkt“, sagt sie. Nicht nur in der Schule, auch in den Medien werde die Geschichte ja immer wieder zum Thema. So ist sie an diesem Freitag um 20.15 Uhr im WDR-Film „Weg mit dem Grauschleier – Unser Land in den 60ern“ zu sehen. Dort erzählt sie ausführlich über die „Rettung“ des Empfangs zu Ehren der Queen. Dass sie nun darüber im Film erzählt, freue sie sich sehr: „Meine Töchter sind schon informiert, dann können wir das wenigstens digital gemeinsam verfolgen“.

Zwar wohnt Gräfin von dem Bussche-Kessell mit ihrem Mann mittlerweile am Bodensee. Der Stadt Bonn fühle sie sich allerdings noch immer sehr verbunden, auch weil ihr Bruder und seine Kinder hier wohnen. Sie selbst wuchs im Lennéhaus auf, dem damaligen Sitz des Universitätskanzlers.

Die Queen verfolge sie zudem noch heute: „Ich gehöre zu den großen Bewunderern der Queen, es ist unbeschreiblich mit welcher Haltung und Contenance sie trotz ihres hohen Alters ihre Aufgabe erfüllt“, findet sie. Sie würde sich zudem wünschen, dass die Königin all ihre Erfahrungen niederschreibt, immerhin sei sie eine „echte Konstante“ in unserer Welt.