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Wetlmusik-Festival "Over the Border": So war das Konzert der Local Ambassadors

Wetlmusik-Festival "Over the Border" : So war das Konzert der Local Ambassadors

Party mit Unterbrechungen: Die Band spielte im Brückenforum das einzige Konzert von „Over the Border“ in diesem Jahr. Getanzt wurde im Sitzen.

Die Welt ist ins Brückenforum gekommen, zumindest musikalisch. Kubanische Klänge mischen sich mit syrischem Rap, afrikanische Rhythmen mit deutschen Texten, krachende Gitarren mit sakralem Gesang: Wenn die Local Ambassadors aufspielen, ist (fast) alles möglich. Die Band um den Fanta-Vier-Perkussionisten Roland Peil hat sich in den vergangenen Jahren einen Namen damit gemacht, alle Grenzen zu überwinden.

Und so ist es nur konsequent, dass die Local Ambassadors auch das einzige Konzert des Weltmusik-Festivals „Over the Border“ in diesem Jahr gestalten sollten – alle anderen Veranstaltungen wurden Corona-bedingt ins nächste Jahr verschoben. Schade nur, dass die Musik an diesem Abend immer wieder unterbrochen wurde. Und die Spannung somit Achterbahn fuhr.

Letztlich fiel es den Veranstaltern auf die Füße, dass sie zu viel auf einmal wollten: Möglichst viele Künstler mit möglichst vielen Stilistiken, dazu aber auch mahnende und aufklärende Worte über die Flüchtlingssituation und die Gründe dafür. Das Grußwort von Sascha Eskandari, dem stellvertretenden Geschäftsführer der UNO-Flüchtlingshilfe, hätte für letzteres allerdings völlig ausgereicht, doch stattdessen kam auch der Historiker Serge Palasie zu Wort, der in einem sprachlich anspruchsvollen und inhaltlich skelettierten Vortrag den Bogen von Kolonialismus zu Rohstoff-Ausbeutung und anderen Flucht-Ursachen schlug. Grundsätzlich wichtig, keine Frage – aber in dieser Form unpassend für ein Konzert.

Zwei Sängerinnen der Extraklasse

Trotz dieser Intermezzi gelang es den Local Ambassadors und ihren Gästen immer wieder, die Stimmung zu retten. Vor allem die beiden Sängerinnen Melane Nkounkolo und Mirta Junco rissen das Publikum ein ums andere Mal von den Füßen – oder hätten es getan, wenn dieses denn hätte aufstehen dürfen. „Tanzt ruhig auf den Stühlen, aber bleibt bitte sitzen“, musste Roland Peil irgendwann sagen, nachdem Rapper Murder Eyez im Eifer des Gefechts alle im Saal dazu aufrief, sich zu erheben und damit die Sicherheitsleute auf den Plan rief.

Ging ja auch anders, ob nun der Kubaner Ney Portales Erinnerungen an den Buena Vista Social Club weckte oder Pape Samory Seck mit seiner Band African Melody ein perkussionistisches Feuerwerk entfachte.Einzig das Duo Byrd & Ward, das  Anfang des Jahres den Wettbewerb „Dein Song für eine Welt“ gewann, konnte mangels Ausstrahlung nicht überzeugen.

Am Ende, nach gut zweieinhalb Stunden ohne Pause, war das Publikum dennoch glücklich und zufrieden. Für einen anderen Eindruck sind die Local Ambassadors dann doch einfach zu gut.