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Bonner Fahnenfabrik: Flagge zeigen

Bonner Fahnenfabrik : Flagge zeigen

Die Bonner Fahnenfabrik wird in diesem Jahr 150 Jahre alt. Ihr Besitzer Jean-Bernard Doublet hat noch große Ziele für das Traditionsunternehmen und träumt von einer Pyramide am Rhein.

Einen Steinwurf von der Bonner Nordbrücke entfernt wehen drei Fahnen im Wind. Neben den deutschen und europäischen Farben ist dort auch die französische Flagge gehisst. Das hat einen guten Grund. Die traditionsreiche Bonner Fahnenfabrik (Bofa) ist seit 2012 im Besitz der aus Frankreich stammenden Unternehmerfamilie Doublet. Seit der Übernahme vor vier Jahren, die eine Insolvenz der 1866 gegründeten Bofa verhinderte, herrscht auf dem Fabrikgelände in der Römerstraße französische Gelassenheit und ein gewisser Charme. Juniorchef Jean-Bernard Doublet, der zuvor in Frankreich als Produktionsleiter tätig war, wurde von seinem Vater nach Bonn entsandt, um vom Rhein aus den Familienbetrieb auszubauen.

„Wir haben zunächst die Menschen ins Zentrum der Firma gerückt“, sagt Doublet, der sich gerade wie üblich im Werk umgeschaut und mit seinen Mitarbeitern geplaudert hat. Nach der Übernahme wollte er zunächst das Vertrauen der rund 60 übrig gebliebenen Mitarbeiter gewinnen und für eine bessere Kommunikation untereinander sorgen. „Wir wollten den Vertrieb strukturell umbauen und dafür die Kernkompetenzen der langjährigen Angestellten perfekt nutzen“, sagt der Firmenchef. „Wer sich gut fühlt, ist auch produktiver“, fügt er hinzu. Schaut man sich in den einzelnen Produktionshallen um – von der Farbmischung über die Druckerei und Wäscherei bis zur Näherei – der trifft auf freundlich grüßende und fleißige Mitarbeiter.

Doublet, dessen Vorfahren in Nordfrankreich 1832 eine Firma gründeten und zu dessen Familienbesitz Niederlassungen und Tochterfirmen in den USA, Polen, Spanien, Portugal, England, Skandinavien und den Beneluxländern gehören, erkennt einen Wandel. „Wir entwickeln uns immer mehr vom klassischen Fahnenhersteller zum Dienstleister, der für seine Kunden den kompletten Auftritt der Firma oder Marke präsentiert.“ Dazu gehöre neben Montageleistungen, etwa beim Aufstellen von Schildern und Fahnenmasten, jegliche Art der Reklame. „Alles was druckbar ist, machen wir“, sagt Doublet und korrigiert schmunzelnd: „Außer Kugelschreiber und solche Sachen.“

Dabei sei man nicht auf eine spezielle Branche spezialisiert und für alles offen. „Ich würde allerdings kein schlechtes oder diskriminierendes Wort drucken lassen“, sagt Doublet. Nur einmal habe er in der bisherigen Zeit in Bonn einem potenziellen Kunden aus politischen Gründen eine Absage erteilt. Und in Frankreich sollte er einst für einen angeblichen Nazifilm entsprechende Banner drucken. Da er dafür aber nie eine Anfrage und Bestätigung von offizieller Seite bekam, lehnte er ab. Zu den traditionell größten Abnehmern von Werbemitteln zählen wie bereits seit Jahren Autohersteller, Airlines und Brauereien, wie auch ein Rundgang verdeutlicht. Da laufen gerade bis zu 5000 Banner und Tischdecken für einen bayerischen Bierhersteller über das Band – mutmaßlich für das Oktoberfest oder andere Feierlichkeiten.

Gerade für solche Serienproduktionen seien die beiden Siebdruckmaschinen von 45 und 60 Metern Länge von Bedeutung. „Das Siebdruckverfahren wird neben den digitalen Druckereien auch weiter fortbestehen“, sagt Lisa Pias, die in der Firma für Marketing zuständig ist und durch das Werk führt. Der Siebdruck lohne sich bei mehr als 1000 Schablonen. Fahnen und Banner blieben bei den meisten Kunden zwar weiter beliebt, machten aber immer weniger Anteil an der gesamten Produktion aus. Gerade Nationalfahnen, wie sie früher am laufenden Band hergestellt wurden und zur WM 2006 noch einmal einen Höhepunkt erlebten, sind nicht mehr so gefragt.

Neben den Großkunden sowie mittelständischen Unternehmen und einigen Werbeagenturen gebe es auch öffentliche Auftraggeber wie Gemeinden und Städte. „Aber wir müssen immer wieder um unsere Kunden kämpfen“, verrät Doublet. Das wolle er mit offener Kommunikation, Verlässlichkeit und Qualität angehen. Dazu gehöre auch ein Ausbau des einzigen deutschen Standorts in der Römerstraße. „Wir werden hier in Bonn bald Investitionen in Angriff nehmen“, kündigt der Franzose an. Auf Nachfrage möchte er dazu aber noch nicht näher eingehen. Bei einem Umsatz von 6,1 Millionen Euro im Jahr 2015 könne das Ziel nur sein, das stabile Unternehmen weiterzuentwickeln.

Daneben hat Doublet auch noch eine Vision. „Mein Traum ist eine Pyramide am Rhein.“ Genauso wie der Hauptsitz des Familienunternehmens in einem Vorort im französischen Lille wünscht er sich ein solches Bauwerk ohne Türen - „für eine offene Atmosphäre und bessere Kommunikation, auf einer Ebene ganz ohne Hierarchie.“