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Zu wenige Wohnungen: Institut kritisiert Politik im Kreis Ahrweiler

Zu wenige Wohnungen : Institut kritisiert Politik im Kreis Ahrweiler

Laut dem Pestel-Institut fehlen 1100 Wohnungen. Vor allem Geringverdiener leiden unter dem geringem Angebot. Die vom Jobcenter gezahlten Mieten stiegen teilweise deutlich.

Die Wohnraumsituation im Kreis Ahrweiler spitzt sich weiter zu. Insbesondere für Menschen mit einem geringen Einkommen. Dies teilte das Pestel-Institut mit. Das Forschungsinstitut, das Kommunen, Unternehmen und Verbände mit Analysen, Befragungen und Modellrechnungen berät, erklärte: „Die vom Jobcenter übernommenen Mieten für Single-Haushalte stiegen innerhalb von gut sechs Jahren um 18,7 Prozent, während die Verbraucherpreise in diesem Zeitraum nur um 6,5 Prozent zulegten.“ Eine unzureichende Wohnungspolitik habe dazu geführt, dass Ende 2019 im Kreis Ahrweiler fast 1100 Wohnungen oder 1,6 Prozent des Wohnungsbestands fehlten.

„Bei den Mieten wird oft rausgeholt, was rauszuholen ist. Dabei bauen Vermieter auf die Jobcenter als zuverlässige Zahlstelle. Diese übernehmen zwar nur die Kosten für Wohnungen einfachen Standards. Auf genau diese Wohnungen sind aber nicht nur Hartz-IV-Empfänger angewiesen, sondern eben auch die vielen anderen Haushalte mit niedrigen Einkommen“, sagte der Leiter des Pestel-Instituts, Matthias Günther. Das Angebot an günstigen Wohnungen sei rar. Gerade Neuvermietungen nutzten viele Vermieter, „um Maximalmieten zu erzielen“.

Um eine bessere Orientierung bei Wohnungsangeboten zu bekommen, gebe  es jetzt ein Mieter-Gütesiegel: „Meinfairmieter“ prüfe als Wohnungsmarkt-Label insbesondere die soziale Verantwortung von Vermietern. Das Siegel sei ein „Sozial-Kompass für den Wohnungsmarkt“. Fast ein Viertel der Beschäftigten arbeitet nach Angaben des Pestel-Instituts bundesweit im Niedriglohnsektor. „Der Staat agiert inzwischen mangels eigener Wohnungen als Mietentreiber, weil er Mieten akzeptieren muss, bei denen viele Vermieter offensichtlich die Schmerzgrenze ausreizen“, erklärte Matthias Günther.

Nicht nur die Mieter, auch die Vermieter sind unzufrieden

Aber auch unter den Vermietern mache sich zunehmend Unmut breit. Vor allem die vielen noch vorhandenen Wohnungsgesellschaften in öffentlichem Eigentum und die Genossenschaften fühlen sich zu Unrecht in der Schublade der „gierigen Vermieter“ wieder. „Wie alle anderen Unternehmen müssen auch Wohnungsunternehmen Gewinne erzielen, um langfristig bestehen zu können. Die Umsetzung jedes Mieterhöhungsspielraums ist dabei aber nicht nötig“, so der Sprecher des Pestel-Instituts.

Auch hinter der Wohnungsmarkt-Analyse für den Kreis Ahrweiler stehe das Gütesiegel „Meinfairmieter“. Faire Vermieter, ob öffentlich, genossenschaftlich oder privat, müssten für die Wohnungssuchenden erkennbar sein. In der Schaffung von Markttransparenz werde ein Schwerpunkt der Arbeit des Gütesiegels gesehen. „Aber natürlich werden wir auch wohnungspolitische Forderungen wie etwa die dringend notwendige Stärkung des Sozialwohnungsbestandes und die Verbesserung der Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau insgesamt im Fokus haben“, betonten die Gründer des Gütesiegels.