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Marienhaus Klinikum: Einzige Geburtshilfe im Kreis Ahrweiler schließt

Marienhaus Klinikum : Einzige Geburtshilfe im Kreis Ahrweiler schließt

Das Marienhaus Klinikum in Ahrweiler sieht sich aufgrund personeller Engpässe dazu gezwungen, noch Anfang Dezember die stationäre Geburtshilfe und kurz drauf auch die gynäkologische Versorgung einzustellen. Es ist die einzige Geburtshilfe im Kreis Ahrweiler.

Es ist eine Hiobsbotschaft für Schwangere und werdende Eltern im Kreis Ahrweiler: Das Marienhaus Klinikum schließt die stationäre Geburtshilfe zum 5. Dezember dieses Jahres. Auch die gynäkologische Versorgung wird ab dem 16. Dezember am Standort Bad Neuenahr eingestellt. Das teilte die Marienhaus-Gruppe als Trägerin am Freitag mit. Grund seien demzufolge „signifikante Engpässe beim medizinischen und pflegenden Fachpersonal für die Bereiche Geburtshilfe und Gynäkologie“.

Träger schließt Versorgungslücke aus

Mit den umliegenden Kliniken in Bonn sowie Neuwied habe die Marienhaus-Gruppe „die Übernahme der bereits geplanten stationären Behandlungen und Geburten besprochen“. Auch die betroffenen Patientinnen seien bereits informiert. Aufgrund der räumlichen Nähe alternativer Kliniken für Gynäkologie und Geburtshilfe entstehe „keine Versorgungslücke für die Region Ahr“.

Trotz intensiver Maßnahmen zur Gewinnung neuer qualifizierter Mitarbeiter für die Abteilung sei es nach wie vor äußerst schwierig, Ersatz für ausscheidende oder längerfristig ausfallende Mitarbeiter zu gewinnen. „Unsere Bemühungen, die Chefarztposition nachzubesetzen und darüber hinaus ein Oberarzt-Team zu gewinnen, waren ebenfalls nicht von dauerhaftem Erfolg gekrönt“, teilt die Marienhaus-Gruppe mit. Aktuellen Mitarbeitern des Fachbereichs soll die Möglichkeit eröffnet werden, in anderen Fachbereichen der Einrichtung in Bad Neuenahr oder in gynäkologischen sowie geburtshilflichen Abteilungen der Marienhaus-Gruppe in Neuwied oder Bonn tätig zu bleiben.

Nach dem Aus für die einzige Geburtshilfestation im Landkreis Ahrweiler will das rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium mit den Krankenhäusern der Umgebung über die künftige Versorgung schwangerer Frauen aus der Region beraten. Die Entscheidung der Marienhaus-Unternehmensgruppe sei sehr bedauerlich, sagte Landesgesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) am Montag. Die medizinische Betreuung der Patientinnen bleibe aber gesichert.

Zu der von der Marienhaus-Gruppe angekündigten Schließung der stationären Gynäkologie und Geburtshilfe am Standort Bad Neuenahr nimmt Landrätin Cornelia Weigand wie folgt Stellung: „Wir sind von der Nachricht der Marienhaus-Gruppe über die Schließung der stationären Gynäkologie und Geburtshilfe am Standort Bad Neuenahr überrascht worden. Damit hatten wir nach den positiven Entwicklungen im Sommer nicht gerechnet. Wir stehen in dieser Angelegenheit im engen Austausch mit der Marienhaus-Gruppe und dem Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit Rheinland-Pfalz.“

Scharfe Kritik an der fortschreitenden Zentralisierung der Geburtshilfe äußerte der rheinland-pfälzische Hebammenverband. Die Landesvorsitzende Ingrid Mollnar kritisierte, die „maßlose Unterfinanzierung der Geburtshilfe“ sei verantwortlich für die „desaströsen Arbeitsbedingungen.“

In Rheinland-Pfalz verfügen nur noch rund 30 der insgesamt rund 100 Krankenhäuser über eine Geburtshilfestation. In dem an den Landkreis Ahrweiler angrenzenden Kreis Vulkaneifel war 2019 ebenfalls die einzige Geburtshilfe am Krankenhaus in Daun dauerhaft geschlossen worden.

(mit Material von epd)