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Godorf: Raffinerie leer? Whatsapp-Nachricht entpuppt sich als Fake-News

Angebliche Benzin-Knappheit : Whatsapp-Nachricht über leere Raffinerie in Godorf entpuppt sich als falsch

Derzeit macht eine Nachricht auf Whatsapp die Runde, in der behauptet wird, die Tanks in der Raffinerie Godorf seien leer, weswegen mit Benzinengpässen zu rechnen sei. Wir haben bei der Raffinerie und der Feuerwehr nachgefragt, was dran ist an der Behauptung.

Bei einer Whatsapp-Nachricht, die derzeit im Raum Bonn kursiert und eine drohende Benzin-Knappheit ankündigt, handelt es sich um eine Falschbehauptung. Das bestätigte sowohl die Berufsfeuerwehr Köln als auch der Shell-Konzern, der die Raffinerie Godorf betreibt, auf Nachfrage unserer Redaktion.

„Alle mobilen Altenpfleger sollen jetzt noch zur Tankstelle fahren“, heißt es in der Nachricht. Die Tanks der Raffinerien in Godorf seien leer, neue Lieferungen seien nicht in Sicht. „Alle Rettungskräfte, Feuerwehr, usw. sind bereits informiert worden, die Tankstellen anzufahren.“

Feuerwehr Köln bezeichnet Whatsapp-Nachricht als „Fake-News“

Ulrich Laschet, Sprecher der Kölner Berufsfeuerwehr, sagt ganz deutlich: „Diese Nachrichten, die da kursieren, das sind Fake-News.“ Das bestätigt auch Katrin Satizabal, Sprecherin des Mineralölkonzerns Shell, der die Raffinerie in Godorf betreibt. „Lieferengpässe an Tankstellen können wir derzeit nicht bestätigen.“ Zwar stelle der derzeit niedrige Wasserstand des Rheins eine Herausforderung für den Betrieb der Raffinerie in Godorf dar. Doch: „Wie in anderen Fällen schwieriger Rahmenbedingungen beobachten wir die Entwicklungen fortlaufend und unternehmen alle logistischen Anstrengungen, um die Versorgung fortlaufend und bestmöglich zu gewährleisten. Dies schließt die Versorgung unserer Tankstellen und damit unserer Endkunden mit ein.“ Seit Wochen habe es an den Tankstellen in der Region, die von Shell beliefert werden, keinen einzigen Leerstand für ein Produkt gegeben, erklärt sie.

Ursprung der Falschmeldung könnte ein Foto von einer Tankstelle im oberbergischen Ründeroth sein. Darauf ist ein Aushang zu sehen, auf dem zu lesen ist: „Zurzeit ruht die Produktion von Super-Kraftstoffen bei den Raffinerien in NRW. Wann die Produktion wieder aufgenommen wird, entzieht sich leider unserer Kenntnis.“ Weiter heißt es dort, dass viele Tankstellen von dem Ausfall betroffen seien.

Entstand die Falschmeldung aufgrund eines kurzfristigen Produktionsausfalls?

Auf Nachfrage sagt ein Mitarbeiter der Tankstelle, von der das Foto stammt: „Nichts ist so alt wie die Schlagzeile von gestern.“ Der Aushang sei am vergangenen Samstag angebracht worden, da ein Tanklieferant von einem kurzfristigen Produktionsausfall für Super-Kraftstoffe berichtet hatte. Dieser sei bereits am Sonntag behoben worden. Da die unterirdischen Tanks an der Tankstelle verhältnismäßig klein seien, sei der Kraftstoff Super E5 dort zeitweise ausverkauft gewesen. Andere Tankstellen mit größeren Tanks seien möglicherweise gar nicht betroffen gewesen. Bei der Tankstelle in Ründeroth, von der das Foto stammt, handelt es sich um eine freie Tankstelle, die nicht von Shell – dem Betreiber der Raffinerie in Godorf – beliefert wird.

 Sorgte dieses Foto eines Aushangs im Oberbergischen für die Falschmeldung?
Sorgte dieses Foto eines Aushangs im Oberbergischen für die Falschmeldung? Foto: Privat

Der Kölner Feuerwehr-Sprecher Laschet ergänzt: „Selbst wenn die Rafinerie in Godorf komplett leer wäre, hieße das nicht, dass andere auch leer sind.“ Zudem gebe es genügend Ausweichstellen.

Doch was würde eigentlich passieren, wenn tatsächlich einmal Kraftstoff knapp zu werden droht? „Sollte es zu einer Verknappung der Rohstoffe kommen, wäre das ein bundesweites Problem. Dafür gibt es auch Lösungsansätze auf Bundesebene“, erklärt Laschet. „Im Ernstfall treten zum Beispiel Rationierungspläne in Kraft. Davon sind wir aber noch sehr, sehr weit entfernt.“

Kraftstoffreserven in Deutschland reichen für drei Monate

Für die Versorgungssicherheit und die Vorsorge für Krisen ist das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) zuständig. Auf europäischer Ebene sind Mineralölgesellschaften gesetzlich verpflichtet, Vorräte zur Vorsorge für Versorgungsstörungen anzulegen. In Deutschland sind alle hierzulande tätigen Mineralölkonzerne per Gesetz Zwangsmitglieder im "Erdölbevorratungsverband" (EBV). Dieser hat dafür Sorge zu tragen, dass das Land im Notfall 90 Tage lang ohne Erdölimporte auskommen können muss. „Mit diesen so genannten strategischen Ölvorräten könnte also für drei Monate ein vollständiger Ausfall aller Importe ausgeglichen werden“, erklärt das Bundeswirtschaftsministerium. Zurzeit beläuft sich die Menge der gelagerten Reserven laut EBV auf 24 Millionen Tonnen.

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